Was vom Sonntag übrig blieb

Der erste große Wahlsonntag dieses Jahres ist geschlagen. Gut so. Getrost können wir diesen nun mit einem großen roten Filzstift abhaken und auf den Frühling warten, denn dieser macht sich im Gegensatz zum üblichen Sujet gerade wirklich startklar. Man riecht ihn schon, der Frühling kriecht heran und dann wird wieder Landauf, Landab mit richtig viel Fleiß und um jeden Preis gearbeitet. Harte Zeiten eben, viele Pleiten und in den Läden viele leckere Kostbarkeiten. Denn auf Kulinarisches wollen wir gerade im dritten Jahr der Krise tunlichst nicht verzichten. Jetzt erst recht nicht, denn bald schon müssen wir alle gehörig den Gürtel enger schnallen und da heißt es bis Herbst, ordentlich Winterspeck anfuttern.
Ok, ich geb´s ja zu ich war schon wieder nicht wählen, dabei wollte ich diesmal wirklich hin und ein Kreuzchen machen. Eine Bürgerliste hatte ich schon im Auge, 100% ideologiefrei stand drauf und somit laut Hausverstand: nix drin. Biopolitisch also und die hübsche Rothaarige auf dem Wahlwerbeflyer hatte mich Schlussendlich überzeugt. Manchmal genügt eben einfach nur ein charmantes Lächeln einer attraktiven Rothaarigen und schon wählt man bürgerlistenaktiv. Aber ich war ja nicht wählen. Bei Mutti gab´s nämlich ein leckeres Brathendl und mein Wahllokal war nur bis 14.00 Uhr geöffnet. Somit war die Terminkollision fix und bevor ich mich fertig machen und den letzten Rest Bratensaft von der Backe wischen konnte um ins Wahllokal zu flitzen, war´s auch schon wieder zu spät um demokratische Courage und politisches Gewissen zu dokumentieren. Ich hetz mich eben nicht gern ab, am Tag des Herrn, nicht mal für attraktive Rothaarige. Vormittags gings auch nicht, da schau ich nämlich immer Pressestunde und Hohes Haus.
Diesen Sonntag musste ich aber wegen der Jubiläumsausgabe der Sonntagspresse doch vor die Haustüre – sicher ist sicher erledigte ich das vormittags, während der Notenbank Gouverneur in der Pressestunde über die Budgetsanierung für meinen Geschmack zu vorgefertigte Sichtweisen postulierte. Deswegen aber gleich wählen gehen, schien mir dann doch zu ambitioniert. Es sind eben zwei Dinge, die Sonntagspresse holen und/oder aber wählen gehen. Der neue Sonntagschefredakteur der Presse, Herr A. Heller musste ich feststellen, versuchte diesmal gar nicht erst das Rad neu zu erfinden, sondern erzählte lieber über John Lennon und Yoko Onos ersten und letzten gemeinsamen Besuch in Wien und sein schickes Interview mit den beiden für die Ö3 Musikbox. Wie nett.
Interessanter war da schon der Aufmacher in Sachen Europapolitik von Wolfgang Böhm und Christian Ultsch. Das EU-Außenminister Match vom letzten Jahr zwischen Alfred Gusenbauer und Werner Faymann. Da hat auch gleich der darin zitierte Martin Schulz interveniert, er sei hier falsch zitiert worden. Fleischhacker bleibt aber dabei, alles sei korrekt zitiert worden. Die Demontage ist also nicht erfunden. Gefühlsmäßig kann man nur vermuten und spekulieren - weil wer soll hier wirklich objektiv entscheiden können ob das wahr ist oder nicht - diese Geschichte ist meinem Instinkt nach aber sicher mehr als eine Zeitungsente. Nur mit Verlaub gesagt: Wollen wir allen Ernstes glauben, Alfred Gusenbauer wäre mit seinen so gut vernetzten europäischen Kontakten, die eventuell noch aus den Zeiten der Sanktionen stammen, der Parade Europäer geworden und hätte als Europas Außenminister mit einem bisher nicht gekannten schlummernden Elan Österreich zur Vormachtstellung in Europa verholfen? Da wäre er vielleicht ziemlich rasch vom Sandkasten Kanzler zum Sandstrand Europameister gekrönt worden um nicht zu sagen, vom Regen in die Traufe gekommen.
Sei´s drum – ich bin sicher: Faymann und Gusenbauer sind mittlerweile mindestens wieder so gut Freund wie der Presse Chef und der Heller Franzi - mindestens so gut. Denn und da gibt uns sicher auch Yoko Ono recht: man ist ja Profi in diesem Land. Und im Übrigen finde ich: Rapid hat verdient das Derby gewonnen und die vielen Luftballons, Kugelschreiber und Feuerzeuge die ich im Zuge der Wahlwerbung einsammeln konnte, ergeben zumindest energetisch eine positive Bilanz für den schwarzen Wahlsonntag. Denn:
Wer nicht wählen geht, bekommt trotzdem einen Luftballon.




























