Wer hat an der Uhr gedreht…

Super! Um den Dreh besser fühlt man sich, wenn man die Dokumentation der Superpraktikantin von einer Woche an der Seite von Josef Pröll so durchliest und durchschaut. Man gewinnt wie von selbst den Eindruck – bei der ÖVP gibt’s eigentlich immer etwas zu feiern! Und weil wir alle so gerne feiern, möchte sich nun das ganze Land in das große Feiern einklinken und mitfeiern, mitschunkeln, sich zuprosten und anlächeln. Österreich geht nun wahrlich rosigen Zeiten entgegen und damit es auch so bleibt, brauchen nun nur noch alle mündigen Staatsbürger im Wahlalter ihr Kreuzerl bei der ÖVP machen.
So könnte man es natürlich sehen und bei aller berechtigten Skepsis, eine perfekte PR Kampagne ist im Kasten, ist Geschichte – und Reez Wollner ist Österreichs neues Politcelebrity in der auch neuen Parteifarbe rosa. Das soll der ÖVP mal jemand nachmachen, da haben sich die Konservativen aber mal so richtig was einfallen lassen.
Erfahren konnte man von der Superpraktikantin, die 2007 auch schon ein Praktikum im sozialdemokratisch geführten Verteidigungsministerium absolvierte, dass Politik anstrengend ist und nicht nur die Doku macht es mehr als deutlich, welchem Leistungsverständnis sich die Konservativen verschrieben haben. Auch schon im Finale konnte ich es live erleben – Politik ist ein Stressjob – nicht nur bei der Volkspartei und nicht nur für die Hauptakteure. Bei den Bürgermeistern (auch von Eberau – gerade auch Eberau) angefangen, bis zum beinahe schon abstrakt hochgeschraubten Amt des USamerikanischen Präsidenten kann man davon ausgehen – dieser Menschenschlag des Politikers ist in der Regel mit einem Charakter ausgestattet. Fraglich ist natürlich immer, ob es sich um einen guten Charakter handelt.
Der Finanzminister von Österreich so weiß man jetzt, kommt sehr sympathisch rüber. Bei ihm hat man eigentlich keine Angst, dass er plötzlich mit der FPÖ zu liebäugeln beginnen könnte. Auch ein Statement aus dem Archiv (die Maledivenstory), die seine Prioritäten offen legte – offenbarte ihn als sympathischen Zeitgenossen. Deutlich wurde auch in der Dokumentation, dass Josef Pröll sehr sicher im Chefsessel der VP von Termin zu Termin braust. Eine Führungsdiskussion wird bei der VP also so schnell nicht entflammen. Deswegen verstehe ich nicht, wie eine neu angelobte VP Wissenschaftsministerin – nach all dem Audimaxismus der letzten Monate hergehen kann und sich im Gipsbein für die Wiedereinführung von Studiengebühren aussprechen kann. Das ist eigentlich eine Verhöhnung jener Studierenden, die wie einem politischen Wunder gleich, eine basisdemokratische Bewegung aus dem Nichts geschaffen haben und nach Jahren der Demütigungen und Aushungerung endlich einen Weg gefunden haben um sich Recht zu verschaffen. Dr. Beatrix Karl, die ihr Studium ohne Studiengebühren absolvierte, hat mit dieser Äußerung ihre Schonfrist sehr schnell und sehr ungeschickt verspielt.
Ich mahne daher zur Ernsthaftigkeit und Respekt, gerade im Dialog mit der neuen Basisdemokratie in unserem Land, die wie einem zarten Pflänzchen gleich - behütet und beschützt sein möchte. Gehen wir also alle gemeinsam in eine neue Bildungsoffensive mit der neuen Ministerin - Österreich braucht kontroversielle Freiräume für universelles Denken, Querdenken und kritisches Denken, wie Butter auf´s frische Roggenbrot. Niemand sollte sich also einen Koarl mit den jungen StudentInnen machen, die an einer idealistischen Bildungsvision hängen und an das Gute in der Gesellschaft glauben. Freie Bildung braucht das Land und Bologna, bei allem Respekt - liegt in Italien - genauer gesagt in Emilia-Romagna. Emilia-Romagna grenzt im Norden an den Po, im Osten an die Adria und im Süden an den Apennin sowie an die Republik San Marino.
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