The Monument and the Yogi
Fred: “Meister Brandt, wo steht die europäische Sozialdemokratie heute ?”
Willy Brandt: “Lieber Freund, wie ich sehe steht sie nicht – sie kniet beinahe.”
Fred: “Soll sie nun lieber stehen oder knien ?”
Willy Brandt: “Mir scheint Du bist ein Hitzkopf, dass Dich solche Fragen plagen, wieso machst Du nicht noch einen Kopfstand – vermutlich hast Du dann die Antwort.”
Fred: “Gute Idee, Meister!”
Willy Brandt: “Toll mein Freund, doch wie lautet die Antwort nun ?”
Fred: “Meister, die Lösung ist klar! Karl Marx versuchte, die Hegel’sche Dialektik durch eine Verbindung mit dem Materialismus in Form eines „dialektischen Materialismus“ quasi „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen.
Willy Brandt: „Bravo mein Freund, doch was hat das mit der europäischen Sozialdemokratie von heute zu tun?“
Fred: „Du sagst es Meister!“
Willy Brandt: "Denk mal nach Junge, wenn Du die Materialistische Dialektik wieder zurück auf den Kopf stellen willst, gewinnst Du damit heute noch eine goldene Sichel, oder einen silbernen Hammer ?
Fred: "Vermutlich nicht Meister, es war dumm von mir, wahrscheinlich gewinnt man damit heute nicht mal mehr einen aufblasbaren Plastikfrosch, wieso nur scheitert immer alles am Verstand ?"
Willy Brandt: "Weil die Menschen nicht dumm sind. Du kannst ihnen heute keine Lügen mehr in philosophischen Gewändern verkaufen. Das Drehmoment der Gegenwart ist die Projektion kollektiver Illusionen über die Werbung.
Fred: "Verstehe, Du meinst also - Werbung ist alles. Das was die Nazis schon als Gleichschaltung betrieben.
Willy Brandt: "Du sagst es mein Freund, Du kannst diese Macht aber auch für Gutes einsetzen. So wie Luke Skywalker oder John Lennon mit seinem Lied Imagine.
Fred: "Und wie Willy Brandt, mit dem Kniefall von Warschau!"
Willy Brandt (schmunzelt): "Du schmeichelst einem Toten ?"
Fred: "Tot ist, wer vergessen wird."
Willy Brandt: "Leg das auf die Sozialdemokratie um und Du hast die Antwort, wo wir stehen."
Fred: "Oder knien,...doch was ist mit jenen, die wirklich vergessen sind, aber die Sozialdemokratie verstaubte und streitbare Positionen einnimmt."
Willy Brandt: "Nenne mir ein Beispiel."
Fred: "Als Beispiel die rechtswidrige aber straffreie Fristenregelung mit einer dreitägigen Bedenkzeit. Die Frauen wissen doch alle nicht was sie tun und wenn wir eine Ebene höher steigen und die Pharmaindustrie dazurechnen, leben wir moralisch in Sodom und Gomorrha. Braucht es hier nicht mal eine neue gesellschaftspolitische Signalsetzung, wenn uns einerseits die Demographie kippt und andererseits die Zuwanderung als Ausgleich nicht wirklich nachhaltig glücklich macht."
Willy Brandt: "Du musst ja gleich auf dünnem Eis poltern, mein lieber Freund. Die Sozialdemokratie orientiert sich an den realen Lebensumständen der arbeitenden Masse und nicht am Idealzustand der besten aller Welten - wir Sozialdemokraten moralisieren nicht.
Fred: "Wieso eigentlich nicht ?"
Willy Brandt: "Dafür ist die katholische Kirche da. Die können das besser. Sag mal, spielst Du hier den Moralapostel oder bist Du inspiriert ?"
Fred: "Ich stelle nur fest, ob Sozialdemokratie oder katholische Kirche, Dogmen enstehen überall dort wo Antworten fehlen, wieso sollte die katholische Kirche nicht sozial sein dürfen und die Sozialdemokratie nicht moralisieren dürfen, letztlich sind das keine Schrebergärten. Und Ludwig Feuerbach sagte schon: 'Das Dogma ist nichts anderes als ein ausdrückliches Verbot, zu denken'."
Willy Brandt: "Wieso übst Du nicht wieder den Kopfstand ?"
Fred: "Der Yogi kann das besser!"
- Stille -
...eine Weile später...
Yogi: "Streitgespräche über Sinnhaftigkeit und Moral von Dogmen, verlieren an Qualität, wenn wir nicht gemeinsam dafür Sorge tragen, im Garten der Vernunft die Blume der Inspiration zu pflanzen."
(Der Dialog zwischen Willy Brandt, Sportjournalist Fred und dem Yogi ist Fiktion und erhebt keinerlei Wahrheitsanspruch, der Rest ist es nicht - Anm. d. Red.)


































