Freitag, 28. August 2009

Es war die Rapid Viertelstunde


Birmingham schlug gestern eine bittere Stunde. Es war ein denkwürdiger Tag, der 27. August 2009. Rapid wirft Aston Villa aus der Europa League Qualifikationsrunde. Damit hat wohl niemand gerechnet, selbst die optimistischsten Ultras hatten das nicht auf der Rechnung. Und es war eine Premiere. Zum ersten Mal warf ein österreichischer Club einen englischen Club aus einem internationalen Bewerb. Genug Grund zum feiern! Und wie schon der ORF richtig sagte: „Das tut der österreichischen Fußballseele gut.“ Ja! Das tut so richtig gut. Österreich geht heute aufrechter in die Arbeit. Ein kleines Wunder war es dennoch, obwohl wenn man die zwei 100% Chancen dazurechnet, die Jelavic knapp vor Beginn der Rapid Viertelstunde und Steffen Hofmann in der 85. Minute vergaben – es wäre durchaus ein Sieg drin gewesen. Nach dem Patzer von Jelevic kochte der Rapid Sektor förmlich über und dann klatschten die Rapid Fans in Birmingham die Rapid Viertelstunde ein. Sowas kannte man in Birmingham bisher noch nicht. Die Rapid Viertelstunde ist legendär und beweißt erneut, dass diese geschichtsträchtige Mannschaft aus Wien mehr ist, als nur Fußball. Selbst tausende Kilometer östlich - in Hütteldorf, konnte man den frenetischen Einklatsch über den TV deutlich hören. Jeder der mitgereisten Rapid Ultras klatsche an diesem Abend für Elf. Das dröhnende Trommelfeuer verstörte die Engländer so sehr, es war als ob Rapid daheim spielte. Im Trommelfeuer der Rapid Viertelstunde schoß sich Jelevic dann auch das Pech vom Schuh und detonierte das Leder im englischem Tor! Birmingham stand Kopf! England stand Kopf! Hütteldorf stand Kopf! Ganz Österreich ist heute Rapid!

- Ein Land, ein Volk und Rapid Wien -

Als Zuckerguß lösten auch die Wiener Austria und Sturm Graz ihre durchaus lösbaren Aufgaben und für Österreich beginnt ein aufregender Fußballherbst. Vier österreichsiche Mannschaften starten in die Gruppenphase der Europa League. Viermal Rot-Weiß-Rot unter neuem UEFA Pokal Logo. Fußballherz, was willst du mehr!

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Mittwoch, 26. August 2009

Wo der Bauer den Most holt


Wenn es Nacht wird über´n Semmering und die Schwalben ihre Koffer packen. Die Dämmerung uns beim dritten Krügerl überrascht und am Pappteller noch ein Senfberg türmt, dann zieht der Altweibersommer ganz gemütlich die Schuhe an. Doch noch ist Zeit, die Weinlese hat erst begonnen und die Frösche quaken munter in ihren Tümpeln. Da und dort sieht man bereits eifrige Schulkinder in dunklen Gassen ihre Buntstifte spitzen. Sie treffen sich heimlich, früh morgens, unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Niemand soll ahnen wie sehr sie schon auf gute Noten gieren und auf den besten Platz im Klassenzimmer, direkt vor Frau Lehrerin. Man muss gerüstet sein, will man im Wettbewerb des Lebens auf der Gewinnerstraße bleiben. Nicht wenige sind schon gut in Fahrt über eine ordinäre Bananenschale gestolpert und haben ganze Staaten in den Bankrott gerissen. Niemand wusste davon, wenn es nicht die Zeitungen druckten. Doch die gedruckte Wahrheit war immer schon gekauft. Die Wahrheit steht stets hinter dem Vorhang. Denken wir nur mal an Marilyn Monroe oder Sid Vicious - Ikonen der metaphysischen Konquistadoren. Niemals sollten sich die Realitäten mehr verdrehen - doch es sagt sich leicht: "Das Leben lebt sich vorwärts - verstanden wird es rückwärts!" - Sprüche sagen sich seit Dieter Bohlen sucht den Superstar, leichter vor der Kamera. Die Wahrheit war niemals mehr hinter dem Vorhang, als in den Tagen als wir begannen die virtuelle Welt als Echtzeit zu verstehen. Neulich erst, fragte mich eine sehr ambitionierte Leserin über E-mail, wann ich begonnen habe wesentliche Fragestellungen nicht nur nicht ungefragt zu ignorieren, sondern auch an den Flanken der zu erwartenden Antwort, die Schrauben erst zu lockern, um sie gezielt in der konkreten Antwort festzuziehen. "Seit wann machst Du das ?" - fragt sie mich also - ich sagte ihr also: "Unterbewußt, kann ich natürlich nur vermuten - seit Ronald Reagan und Michail Gorbatschow sich vom 10. - 12. Oktober 1986 in Reykjavík zu einem Gipfelgespräch einfanden und uns Kindern damals ein gewisser Waluliso im Gänsehäufel erzählt hat, der Apfel den er ständig mit sich herumtrug und er - also er und der Apfel waren ebenfalls in Reykjavik und haben so die Geschichte verändert." Ich weiß noch genau wie ich da nachfragte, weil er uns immer gerne tolle Geschichten erzählte. Rückwärts betrachtet, meine ich mich sogar daran erinnern zu können, TV Aufnahmen aus Reykjavik von ihm in gesehen zu haben. Doch wie gesagt, das wäre nur meine Vermutung, daß sich hier unterbewußt eine neue Fragestellung bewegt hat. Und ich erinnere mich noch, wie wir Kinder ihm immer wieder gerne zuhörten. Wie absurd diese Geschichten auch aus heutiger Sicht erscheinen mögen. Der Waluliso war eine waschechte Wiener Wahrheit und der Apfel von Reykjavik – wurde uns ein goldener Apfel.

(Bild: de.wikipedia.org)

Montag, 24. August 2009

Wenn die Trauben hoch hängen


The real Maverick schlendert gedankenverloren eine friedliche, hügelige, alte Weinstraße im österreichischen Weinviertel entlang und bemerkt eine Weintraube, die einsam und langsam den Wegesrand bergab kullert. Er geht daran vorbei. Eine Weile später kullert eine zweite Weintraube einsam und gemütlich den Hügel bergab. Wieder denkt er sich nichts dabei und geht weiter. Als eine dritte Weintraube den Wegesrand bergab kullert, wird the real Maverick argwöhnisch.

"Da ist was im Busch!" denkt er, hebt die dritte Weintraube auf und betrachtet sie aufmerksam. Nur eine ganz gewöhnliche Weintraube. Plötzlich raschelt es zwischen den Weinreben und Fotomodel Conni springt mit einer nervös zappelnden Ente unterm Arm hervor. „Was machst Du da mit der Ente?“ fragt the real Maverick.

„Geht Dich gar nix an, sammle lieber weiter Weintrauben am Wegesrand!“ kontert Conni und marschiert weiter. Die Ente zappelt zunehmend nervöser und reißt sich plötzlich los. Dann beginnt sie wie völlig übergeschnappt davonzulaufen - bergab und Conni immer ein paar Schritte voraus. The real Maverick steht nur so da, mit offenem Mund und sieht der Szene ungläubig nach. Eine packende Verfolgungsjagd zwischen Conni und der Stockente breitet sich vor seinen Augen aus. Die Szene senkt sich durch die Bergab Dynamik dem Horizont entgegen und the real Maverick muß jetzt handeln – sonst ist sie fort. Er zögert keinen Augenblick, packt die Rollschuhe aus dem Rucksack, schnallt sie um und saust der Szene hinterher. Eingeholt auf gleicher Höhe ruft er Conni zu, die nur noch knapp hinter der Ente läuft: „Du musst schneller laufen – gleich hast Du sie!“

Conni (schon etwas aus der Puste) antwortet: „Danke Maverick! Wieso komm ich nicht selbst drauf.“ Doch die Ente hat alles mitgehört, streckt plötzlich das linke Bein weg und hüpft einbeinig. „Was macht die Ente da für Faxen ?!“ kreischt Conni hysterisch – „so hol ich sie nie ein!“

Und tatsächlich, die Ente gibt auf einem Bein so richtig Gas und zischt aus der Szene wie ein geölter Blitz. Conni stolpert und kracht the real Maverick mittenrein. Die Ente aber hebt ab. Conni und the real Maverick (am Boden liegend) sehen am Horizont die Kehrtwende der Ente, die plötzlich im Mördertempo auf sie Kurs nimmt. Dann folgt die Maisfeldszene aus Hitchcocks „Der unsichtbare Dritte“ – nur eben auf einer kleinen Hügelstraße im österreichischen Weinviertel und diesmal liegt auch nicht Cary Grant am Boden und der Doppeldecker ist nur eine einfache kleine Stockente.

Als die Ente knapp über ihre Köpfe hinwegdonnert, kullert plötzlich wieder eine Weintraube am Wegesrand gemütlich den Hügel runter.

(Bild: photocase.de)

Montag, 17. August 2009

Berlin: die neue Zeit


Das ist aber meine Lehre: wer einst fliegen lernen will,
der muß erst stehen und gehen und laufen und klettern
und tanzen lernen: - man erfliegt das Fliegen nicht.

(Also sprach Zarathustra, Nietzsche)


Superstar Usain Bolt ist eingelaufen in die Hallen des Neuen Menschen. Das hat die Welt noch nicht gesehen. Mit einem erneuten Fabelweltrekord von 9,58 Sekunden über 100 Meter Sprint, gestern bei der Leichtathletik WM in Berlin, genau ein Jahr nach Peking durchbricht Usain Bolt alle Vorstellungen der Spezies Mensch. Die Welt fragt sich nun: "Wann hebt er ab, dieser Usain Bolt." Die Welt tickt heute anders und wir werden uns daran gewöhnen müssen, daß über Grenzen bisher nur gewähnt - nicht gewußt wurde.

Freitag, 14. August 2009

Spiel mir das Lied vom Tod


Heute auf den Tag genau vor 40 Jahren, kam der größte Western aller Zeiten in die deutschen Kinos. Was viele nicht wissen - zuerst schrieb Ennio Morricone die Musik, zu der Sergio Leone später die Szenen stellte. Wahrscheinlich macht ihn genau diese Besonderheit zum einzigartigen Kultwestern.

*

"Und was sollen wir jetzt tun, Boss?" - "Was ihr tun sollt?!
Nen Bahnhof sollt ihr bauen, ihr Idioten!!!"

Donnerstag, 13. August 2009

Der Schuß in den Rücken

Heute ist ein trauriger Tag. Für Krems, für die Familie, Freunde und Angehörige des 14-jährigen Florian P. der letzte Woche gemeinsam mit seinem 16-jährigen Komplizen (der mit Oberschenkendurchschüssen davonkam) bei einem Einbruch in einen Supermarkt von einem Polizisten mit einem Schuß in den Rücken getötet wurde. Aus Notwehr, lautet die Aussage der Polizei. Florian P. war mit einem Schraubenzieher bewaffnet, sein Komplize mit einer Gartenkralle. Die Staatsanwaltschaft ermittelt, gegen die Polizisten. Heute ist ein trauriger Tag für Österreich. Die Polizei stand schon öfters im Kreuzfeuer der Kritik – denken wir an den Fall Omofuma. Viele Meinungen und Emotionen werden derzeit hochgekocht und vermischen sich in der öffentlichen Diskussion zur typisch österreichischen Melange. Eines bleibt allerdings zurück – eine Tatsache, die niemand verstehen kann. Wie ist es möglich, bei einem Schuß in den Rücken von Notwehr zu sprechen, noch dazu wenn der Täter mit einem Schraubenzieher bewaffnet war. CSI Methoden laufen derzeit – das medizinischtechnische Gutachten wird Licht ins Dunkel bringen. Oft denkt man ja, wenn man die Polizei die Autofahrer melken sieht – wieso werden an den wirklichen Problemen vorbeigesehen, warum wird man wegen telefonieren am Steuer bei roter Ampel gescholten, während auf der anderen Straßenseite, ein Schwarzafrikaner am helllichten Tag einem Jugendlichen Crack verkauft, als wäre es das normalste der Welt. Im Gerichtsprozessfall Omofuma wurden die Polizisten der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen für schuldig befunden. Das Strafmaß von acht Monaten bedingt unter einer Probezeit von drei Jahren ermöglichte den Verurteilten eine Weiterbeschäftigung als Polizeibeamte. Ihre Suspendierung vom Dienst wurde am 5. Mai 2001 - also bereits Monate vor der ersten Hauptverhandlung – aufgehoben. Wie wird das Gericht diesmal entscheiden? Österreich wurde schon unter Dollfuß der Polizeistaat nachgesagt. Wie auch immer der Fall Florian P. ausgehen wird – der Polizist sollte in Zukunft besser nur noch mit einem Schraubenzieher bewaffnet für die Sicherheit der Bürger sorgen – ob in Uniform oder in Zivil. Heute ist ein trauriger Tag.

Dienstag, 11. August 2009

Patrono di Televisione



*

Laudato si, mi signore, per frate vento,
et per aere et nubilo et sereno et onne tempo,
per lo quale a le tue creature dai sustentamento.

Laudate et benedicete mi signore,
et rengraiate et serviateli cun grande humilitate.

Laudum Creaturarum

Samstag, 08. August 2009

The Zephyr


Als der Himmel die Erde berührte, eröffneten die Vier Winde ihre Himmelsrichtungen und die Römer begannen mit dem Straßenbau, um von Rom aus die ganze Welt zu erobern. Heute vor einem Jahr - am 08.08.08 - habe ich Dich angemeldet, ein Motorrad, das zur Legende werden möchte. Du hast mich überrascht!

*

"Alt wie eine Straße."

Donnerstag, 06. August 2009

Die Stadt der Blinden

Gestern waren wir in der Videothek und haben uns einen Film ausgeliehen. Seine Weltpremiere lieferte „Die Stadt der Blinden“ als Eröffnungsfilm in Cannes am 14. Mai 2008 ab. Eine Literaturverfilmung des gleichnamigen Romans von Literatur Nobelpreisträger José Saramago. Die Handlung: In einer nicht genannten Stadt erblinden Menschen urplötzlich und ohne äußere Anzeichen einer Erkrankung. Aus Angst vor einer Epidemie lässt die Regierung die Infizierten in einer leerstehenden psychiatrischen Anstalt unterbringen und unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen bewachen. Als die ganze Stadt bereits erblindet ist, kann nur noch die Frau des Augenarztes sehen und wird zur Anführerin einer Gruppe Blinder im Kampf ums Überleben. Lange galt das Buch als unverfilmbar und José Saramago verweigerte sich strikt einer Verfilmung. Im Wettbewerb um die Goldene Palme blieb der Film letztes Jahr hinter den Erwartungen und ging leer aus. Streckenweise sind wackelige Handlungsmuster aus dem Genre Zombiefilm erkennbar und der sozialkritische Sprengstoff wurde einfach zum zünden vergessen. José Saramago allerdings zeigte sich beglückt und bewegt, als er Blindness, bei den Filmfestival in Cannes, zum ersten Mal sah: «Ich bin über den Film genauso glücklich wie damals beim Schreiben des Buches.» Der Film wurde in Toronto, in Guelph (Ontario), in Montevideo und in São Paulo gedreht.

Bewertung: * * *

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