Mittwoch, 09. Dezember 2009

Eine Nacht in der Gummizelle

Die zwei Polizisten waren so richtig vollgesaut. Kein einziges Ei hatte sie verfehlt. An allen Seiten ihrer Uniformen liefen Eidotter runter und von ihrem autoritären Kappen tropfte es in langgezogenen schlatzigen Fäden. Die Gesichter der Beamten waren trotz allem gefasst, man konnte aber keinerlei Anflug von Humor erkennen.

„Der Wurf war ja nicht gerade das Gelbe vom Ei!“ donnerte Inge „Fred, du bist so ein richtig satter Vollidiot, wieso guckst du nicht vorher wie die anderen auch, bevor du schmeißt?“

Passanten umringten uns nun mit freudigen, grinsenden Gesichtern. Hatten sie sich während des Flashmobs noch alle in Sicherheit gebracht, war ihr Interesse jetzt ungebrochen. Ein paar Kinder brüllten vor Lachen und waren kaum noch zu halten.

„Die Papiere bitte!“ erklang es sehr nüchtern und beherrscht. Während wir unsere Ausweise zückten, riefen die Polizisten auch schon Verstärkung. Die 48er wurde ebenfalls gerufen, die Sauerei am Boden zu bereinigen blieb uns also erspart. Teuer wird das alles auf jeden Fall werden, dachte ich noch. Dann stieg mir die Wut auf Inge´s geniale Flahmobidee hoch.

„Wieso hast du mich überhaupt angerufen, ich könnte jetzt schon eine ganze Seite getippt haben.“

„Und wir wären schon längst wieder über alle Berge, wenn du nicht ständig bei allem so langsam wärst.“ konterte Inge.

Britta nickte nur und sah mich an, wie wenn ich schon als Mettwurst im Kühlregal hängen würde. Mitgefangen, mitgehangen dachte ich, aber Ihr Blick traf mich nachhaltig und ich entschied für den restlichen Tag die Pappn zu halten.

Auf der Wache vernahmen uns dann andere Polizeibeamte. Inge fühlte sich berufen, die Backgroundphilosophie dieser Aktion zu erklären. Sie sprach langatmig über Linz 2009, die Kulturhauptstadt und wie wichtig dieses Jahr doch für das ganze Land sei, referierte über Chancen und Perspektiven und sponn dann so richtig ein Rad weg, verteidigte sich mit flehenden Gesten, sprach von Gleichschaltung, Kulturimperialismus und der Notwendigkeit des aktiven Widerstands. Britta saß nur so da und ich vermied jeden Blickkontakt mit ihr.

Das Filmmaterial wurde beschlagnahmt, allerdings konnten wir einen Deal mit den Beamten aushandeln, dass keine weiteren Personen mehr in die Strafsache miteinbezogen wurden. Eine Nacht mussten wir zu dritt in einer Gummizelle verbringen – als Untersuchungshaft sozusagen. Es verringerte aber auch den Betrag der Verwaltungsstrafe erheblich, informierten uns die Beamten. Die war aber auch noch mit Gummizelle geschmalzen. Natürlich wurde die Geldstrafe später unter allen Beteiligten des Flashmobs aufgeteilt. Im Nachhinein und aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, die Nacht mit Inge und Britta in der Gummizelle möchte ich nie missen und wird mir immer ein phantastisches Highlight bleiben. Diese Nacht entschädigte mich für alle bisherigen Verwaltungsstrafen. Aber lassen Sie sich berichten, was in jener Nacht geschah.


Fortsetzung folgt…

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