Das Leben als Superkandidat

Schon jetzt, bevor ich noch an der Seite des Finanzministers unser Land wieder auf geordnete Bahnen und goldene Wege führe, steht mein Leben Kopf. Immer und überall wollen mir nun alle Leute mitteilen – wie wichtig es ist, für unser geliebtes Österreich, dass gerade ich gewinne. Dass gerade ich Superpraktikant werde. Und ich antworte den Menschen die mir jetzt so zahlreich ihre Sorgen erzählen, wie ich immer antworte – ja freilich werde ich mein Bestes geben. Ich bin hier um den Weltfrieden zu sichern – und alles passiert wie ich es sage, selbstredend noch zu betonen, daß ich mir dabei von Niemand gutgemeinte Ratschläge geben lasse. Ich bin im Auftrag des Herrn unterwegs und jetzt geht´s um alles, die Zukunft des Landes, die Zukunft der Welt und die Zukunft der Österreichische Fußballnationalmannschaft. Alles hat dabei selbengleichen Stellenwert. Gerade jetzt wo wir so knapp vorm Weltuntergang stehen und wo beinahe schon täglich irgendwelche halbverrückten Lausbuben und auch garstigen Schulmädchen in den Schulen Amok laufen. Immer bekommen sie von irgendwo eine Schusswaffe daher und ballern dann einfach drauf los, dass nur das Blut so durch die Schulgänge spritzt. Dann wenn die Särge auf den hiesigen Friedhöfen, einer schön neben dem anderen, aufgereiht stehen um selbige mit haufenweise Blumen und schönen Kerzen zu schmücken, dann - ja dann sind alle immer sehr traurig und die Bilder gehen ein paar Tage um die Welt und alle sind wie immer entsetzlich schockiert. Wenn sich dann alles wieder beruhigt hat, geht alles wieder wie gewohnt unverändert weiter. Bis die nächsten Lausbuben und garstigen Schulmädchen die nächsten Schusswaffen in die Finger bekommen und wieder wahllos unschuldige Schulkollegen und innen in den Kopf schießen, dass das Blut nur so durch die Gänge spritzt und Gehirne an den Wänden kleben. Ich finde diese Entwicklung ja eher bedenklich. Immer so zu tun als ob das irgendwelche extrem entartete Einzelfälle sind. Ich kenne z.b. sehr viele Leute mittlerweile, die nur aus dem Grund nicht mehr U-Bahn fahren, weil sie Angst vor einem Amokläufer haben oder einem Junkie der sie am Bahnsteig auf die Gleise schubst. Fahren Sie doch mal U-Bahn in Wien und bewerten sie ganz objektiv die Stimmung in so einem Zug. Sie werden ebenfalls feststellen, die Stimmung könnte oft besser sein. Also Amokläufer sind sicher kein rein schulinternes Problem und obwohl es vielen Eltern gleichgültig ist, wenn sich ihr Kind tagelang im Kinderzimmer einsperrt und Computerballerspiele spielt, sind sie trotzdem immer wahnsinnig entsetzt wenn ihr eigenes Kind zum Amokläufer wird. Oft kennen Eltern ihre Kinder gar nicht wirklich. Da bekommt eine Mutter Kinder und arbeitet rund um die Uhr weiter – gibt die Kinder zu Nannys, nur damit eben kein Schaden in der Pensionsberechnung stattfindet, weil einmal in Karenz – ist der Traumjob weg. Das ist selbst im Hohen Haus so und schafft einen wahnsinnigen Leidensdruck für die Frauen, da sie die schönste Zeit mit den Kindern einfach für immer verloren haben. Aber lassen wir das, seit Hr. Schüssel die Pensionen gesichert hat, weiß keiner mehr so genau, wie das mit den Pensionen weitergehen soll. Aber zurück zu Österreich und den Weltfrieden. Da gibt es kein Oben und kein Unten nicht. Beides ist zentral miteinander verbunden. Geht es Österreich gut, geht es dem Weltfrieden gut. So war das schon immer. Früher, wenn wir weit zurückdenken, noch weiter zurückdenken, damals vor dem ersten Weltkrieg, als ein gewisser Herr Hitler versucht hat in Wien Künstler zu werden. Das ist ja global ganzheitlich historisch betrachtet die eigentliche Schlüsselgeschichte in der Geschichte des Weltfriedens. Damals hat alles begonnen. Hätte man ihn doch bloß Künstler werden lassen. Aber Wien hatte schon immer eine eigene sehr elitäre, undurchschaubare Definition davon, wer in diesem Land Künstler werden darf und wer nicht. Auch der darauf folgende erste Weltkrieg und die spanische Grippe konnten den Herrn Hitler nicht mehr stoppen. Es schien damals fast so, als ob diese Demütigung, nicht Künstler werden zu dürfen ihm einen Freibrief des Schicksals bescherte – auf das die ganze Welt auf ewig sich dieser Schmach erinnern soll. Und Hand auf´s Herz liebe Österreicher und rinnen:
Es ist eben verdammt hart in Österreich Künstler zu werden.
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