Sonntag, 15. Februar 2009

Das Frühstück

Das Zimmermädchen legte den Staubsauger zur Seite, kam auf uns zu und fragte, sichtlich verwirrt, was denn hier los sei. Die Hotelchefin beruhigte sie sofort: „Bring zwei Handtücher Herta, ich mach erstmal Frühstück für die Zwei, setzt euch dort drüben hin (zeigt auf den Tisch hinten im Eck).“ Wir setzten uns, Herta brachte Handtücher. Olgas Wildost Temperament ward von Hotelchefin elegant eingefangen wie eine verirrte Frisbee im Sonnenaufgang. Dem war einfach nichts mehr entgegenzuhalten und wir waren sichtlich erleichtert doch noch ein Frühstück zu bekommen. Im Hotel ging einstweilen alles seinen gewöhnten Gang, wenn die Gäste auf der Piste sind und der Betrieb laufen soll. Den Frisbeeschwung nahm die Hotelchefin allerdings mit dem Frühstück zu uns an den Tisch. Nachdem ich erwähnte, eigentlich Gast im Hotel nebenan zu sein und Olgas Schwester vermutlich mit den Kumpels drüben gepennt hatte, meinte unsere neue Verbündete nur: „Aha, dann werd ich gleich nachher, mal drüben anrufen“ – schenkte sich und Olga noch einen Wodka ein, während ich abwinkte und mich lieber über Kaffee, die leckeren Spiegeleier, Wurst und frischen Toast hermachte. Und dann ging´s los. Mir lieb fast der Toast im Hals stecken und wollte noch irgendetwas sagen, was uns zurück in den Skiurlaub brachte, denn draußen, schien die Sonne und ich wollte so schnell wie möglich raus, es war unser erster Skitag. Doch die Hotelchefin war sich ihrer Rolle klar, nagelte uns am Tisch fest und servierte uns einmal Lebensgeschichte zum Frühstück. Oh! Jesus, sie war eine große Verehrerin der alten Schule, Good Old Hollywood - und dabei wollte ich mich nur für die Piste stärken. Sie erzählte von ihrem Lieblingsfilm, mit dem alles begann in ihrem Leben, wie sie durch den Film ihren Mann kennen lernte und wie sie zusammen nach Amerika schifften um ihr Glück zu probieren. Wie sie zum ersten Mal die Freiheitsstatue sah und wie der Film ihr Heiligtum, ihr Zufluchtsort, ihr Zuhause und ihre Religion wurde. Alles war mit dem Film verbunden und die Zeit übern Teich währte lange und war vom Glück verfolgt. Drei Kinder gebar sie in der neuen Welt und gerade als alles kaum noch zu topen war, musste sie zurück nach Europa und das Hotel ihrer Eltern übernehmen. Tradition bleibt Tradition, sagte die Chefin und eine Tochter ist hier geblieben, bei ihr und ihrem Mann. Die zwei Ältern leben drüben. Ich war gerührt und Olga sichtlich beeindruckt und ich brauchte nicht mal zu übersetzen, den Hotelchefin konnte fließen Englisch. Es war ein herrliches Frühstück und nach dem wir fertig waren und ich im Handtuch und Skischuhen zu den Kumpels im Nachbarhotel watschelte, fand ich nur ein leeres Zimmer. „Die sind gleich nach den Frühstück zum Lift“ versicherte man mir an der Rezeption. In voller Montur wartete ich also auf Olga und wir machten uns auf den Weg zum Sessellift.

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