Mittwoch, 31. Dezember 2008

In Linz beginnts

Linz hat es geschafft. Endlich! Mit Jahreswechsel wird Linz zur Kulturhauptstadt Europas gekrönt und reiht sich nach Graz 2003 in die ewige Bestenliste der Kultstädte Europas ein. Eigentlich haben es ja alle schon kommen sehen. Weil Linz eben anders ist. Keine österreichische Stadt hat sich in den letzten Jahrzehnten so stark verändert wie Linz. Einst eine unauffällige sympathische Handelsniederlassung an der Donau, dann die Patenstadt Hitlers, später Industriestandort mit allen Lasten und Risiken, ist Linz heute ein wirtschaftlich erfolgreicher, moderner Lebensraum mit vielen Qualitäten. Eine Stadt im Aufbruch, die nach neuen Zielen sucht – eine Stadt der Veränderung. In der heutigen Silvesternacht wird das Kulturhauptstadtjahr offiziell eingeläutet. Höhepunkt der Eröffnung09 ist die „Raketensinfonie“, eine Weltpremiere für einen Chor bestehend aus mehreren Hundert SängerInnen und sechzehn SolistInnen, die im Donauraum zwischen dem Ars Electronica Center, der Nibelungenbrücke, dem Lentos Kunstmuseum und dem Brucknerhaus in Dialog treten mit einem mächtigen Feuerwerk. mehr

Samstag, 27. Dezember 2008

Ostjerusalem


Die universelle Stadt

Das heilige Land stürzt wie immer zu Weihachten in den Krieg. So als ob das Sprichwort: „wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte“ im Umkehrschluss bewiesen sein möchte. Jahr für Jahr. Die Wahrheit dahinter liegt aber beyond the lines. Der ewige Krieg war zu Beginn ein ordinärer Territorialkonflikt. Die islamische Welt wusste nichts vom europäischen Antisemitismus. Er wurde mit der Gründung des Judenstaates importiert – Nachfragebedingt. Der territorial bedingte islamische Antizionismus fusionierte mit dem europäischen Antisemitismus, mit all seinen überlieferten und überzeichneten Traditionen und erblüht nun am harten ausgedörrten Boden der Weltwirtschaftskrise zu einer neuen starken Ideologie der Masse, als die Gemeinsamkeit der Mehrheit. Der Judenstaat ist unbeliebt und hat in den letzten 20 Jahren viel vom Image des neuen Staates unter Staaten, viel vom Gärtner der Wüste verloren, viel an Toleranz und Akzeptanz verspielt und liegt sechzig Jahre nach Gründung in der schlimmsten Existenzkrise seiner jungen Geschichte.
Die Welt hat gelernt zu differenzieren zwischen Holocaust und dem modernen Zionismus, hat gelernt, dass Unrecht nicht mit Unrecht zu legitimieren ist. Als moralische Antwort auf den zweiten Weltkrieg wurde die Staatsgründung Israels bisher gehandelt und der ewige Krieg aus Opfer und Verteidigungsperspektive verkauft. Die Welt hat auch noch andere Probleme; Klimawandel, Weltwirtschaftskrise und Völkerwanderungen sind ins Zentrum gerückt. Israel wird als Protektionsstaat der USA wahrgenommen, eingenistet in der Islamischen Welt, spielt es eingekapselt durch eine 759 km lange Mauer, nicht mehr die Hauptrolle auf der Weltbühne. Eine militärische Vernichtung Israels darf und soll es nie geben und zusperren kann man den Staat auch nicht so einfach. Der Schlüssel zum Frieden liegt in Ostjerusalem. Der Vatikan vertritt schon lange den Kurs einer internationalen Stadt, einer universellen Zone, die keinem Staat zugerechnet wird und unter der Schirmherrschaft der UNO steht. Auroville ein Projekt im Süden Indiens legt Zeugnis ab, für die Idee einer universellen Stadt. Auroville hat heuer seinen 40. Jahrestag gefeiert, demzufolge luden am 10. Oktober 2008 die UNESCO Repräsentanten von Auroville und Auroville International zu einer Feier in Paris, um die 40jährige Kooperation zwischen der UNESCO und Auroville zu würdigen. Ostjerusalem nach dem Vorbild Aurovilles, in den Status einer universellen Stadt zu erheben, würde den Grundstein für einen nachhaltigen Frieden legen und als Symbol der Zeitenwende die Welt ins 3. Jahrtausend leiten. (Bild: A Dream - auroville.org)

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Mittwoch, 24. Dezember 2008

Das Banjo Solo

Christkindl zum schlafenden Jesus (völlig groggi nach einem extrem ambitionierten Banjo Solo in der Wüste um auch die letzten Zweifler zu überzeugen): "Recht hast! vasamst eh nix und de Hackn moch eh i - wie jeds Jahr".

Donnerstag, 18. Dezember 2008


Elfter Gesang

Es war dies Paar Deucalion und Pyrrha.
Zum Himmel flog jetzt ihr Gebet empor,
Und wurde nicht von neiderfüllten Winden
Verweht und abgewendet. Geistig flog's
Durch's Himmelsthor, und an den Goldaltar,
Wo es in Weihrauch der Messias hüllte,
Dann zu des Vaters Thron, dem es der Sohn
Frohlockend überreicht und also bat:

»Sieh, Vater, hier die ersten Erdenfrüchte
Aus Deiner Gnade, die Du in dem Menschen
Verpflanztest, diese Seufzer und Gebete,
Die ich als Priester in den Weihrauch hüllte;
Viel süß're Düfte bieten diese Früchte,
Erzeugt durch Samen, den Du mit Zerknirschung
In Menschenherzen legtest, dar, als jene,
Die in dem Paradies wol alle Bäume
Je bringen konnten, wenn der Mensch sie pflegte,
Eh' er die Unschuld durch den Fall verlor.


Das verlorene Paradies
John Milton - 1667

(Bild:photocase.de)

Dienstag, 16. Dezember 2008

Gustav erzählt...

seine Befreiungsgeschichte in allen Details, mit allen Schikanen und schmückt noch alles in leuchtenden Farben aus. Irmgard hängt an seinem Schnabel wie eine Ertrinkende am letzten Tropfen Fanta Orange. Ihre Augen werden immer größer und Gustav bemerkt ihr ungeteiltes Interesse an seiner Person - sieht das Feuer der Begeisterung in ihren zärtlichen Taubenaugen. Immer wieder gurrt sie kurz auf und Gustav ist es eine Wonne bei jedem Gurren von Irmgard eine kleine Pause einzulegen um die Spannung zu erhöhen. „So ein Aufschneider“ ein unlautes Geflüster dringt zu Gustav vor. Gerade noch so laut, um es wahrzunehmen. Ilse, eine freche und eher unruhige, leicht nervöse Taube kann ihre Laune nicht länger im Schnabel bändigen. „Pscht! Halt den Schnabel, Ilse“ fährt sie Gudrun an, die Busenfreundin von Irmgard, die ihr stets den Rücken stärkt und auch schon Gefallen am bunten Singvogel gefunden hat. Gustav fühlt sich bestätigt. „Was machst du nun,“ will Irmgard wissen. „mit deiner neuen Freiheit – wohin wirst du fliegen?“ - „Fliegen! ja richtig.“ Gustav hat schon fast vergessen, dass er wohl jetzt ständig fliegen muss – um zu überleben. Keine alte Dame mehr, die ihm täglich die leckersten Körner serviert, er ist nun auf sich selbst gestellt. „Ich hab noch keine genaue Reiseroute festgelegt“ erwidert Gustav. „Ach! Du willst auf Reisen gehen“, Irmgards Augen beginnen zu leuchten, dann fährt sie fort: „Du musst uns unbedingt eine Ansichtskarte schicken!“ – „Brauchst Du da nicht noch ein paar Flugstunden, du Held vom anderen Stern?“ zwitschert Ilse frech hervor. Gustav schluckt. Flugroutine und einen richtigen Plan hat er ja wahrlich nicht, wie denn auch wenn alles so spontan ablief und seine Freiheit noch taufrisch in Seilen hängt. „Bis zu den Krähen schafft ich es von hier bestimmt, das ist nicht viel weiter als beim ersten Flug“ denkt sich Gustav und prescht dann siegessicher hervor: „Ich werd mal die Krähen fragen, vielleicht haben die eine Idee – wohin sich eine Reise lohnt.“ (...) „Zu den Krähen willst du fliegen???“ Irmgard ist entsetzt. „Bleib lieber bei uns, wir suchen gemeinsam Brotkrümeln, wir zeigen dir die richtigen Plätze und du singst für uns – du kannst doch nicht so planlos zu den Krähen fliegen, die setzen dir nur Flausen in die Federn“. Gustav denkt über Irmgards Vorschlag nach...

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Mittwoch, 10. Dezember 2008

Nach einer Weile...

Gustav rappelt sich langsam auf, taumelt noch ein wenig konsterniert um seinen Käfig und beginnt seine Chance zu wittern. Freiheit! Der Fußball liegt bewegungslos im Zimmer, die alte Dame ist wie jeden Morgen mit ihrem Gehstock zum Einkaufen unterwegs. Mit einem entschlossenen Satz hüpft Gustav auf´s Fensterbrett, sein Herzerl pumpert wie verrückt. Er guckt nach draußen, alles ist nun direkt in seinem Blickfeld. Kein störender Käfig mehr. Ein Windstoß bringt ihn fast ins wanken, er steigt einen Schritt zurück und holt noch mal tief Luft. „Ja, Ja , Ja – jetzt oder nie, ich muß es wagen“ macht sich Gustav Mut, hebt die Flügeln und schmeißt sich aus dem Fenster. Kein Problem für ihn, er kann ja fliegen, die alte Dame hat ihn oft im Zimmer fliegen lassen. Doch nun ist es doch ein wenig anders als im Zimmer. Der Wind bereitet Gustav einige Schwierigkeiten – er konzentriert sich und schlägt mit den Flügeln, was das Zeug hält. „Nur bis zu den Tauben, bis zu den Tauben muß ich es schaffen“ – entschlossen kämpft Gustav gegen den Wind und trudelt wie ein angeschossenes Flugzeug im ständigen auf und ab Richtung Hausdachkante, Regenrinne, wo die Tauben sitzen. Die Tauben haben ihn bereits bemerkt und beginnen wie verrückt zu gurren. „Hop! Hop! Du schaffst das – ist nicht mehr weit“ hört er aus dem Stimmengewirr der Tauben heraus. Mittlerweile sind alle Tauben aufgestanden und winken mit den Flügeln, hüpfen, rufen und wackeln wie verrückt mit den Köpfen. „Jösas!“ – denkt sich Gustav, „was werden die bloß mit mir anstellen wenn ich bei ihnen auf der Regenrinne sitze – vielleicht sollte ich doch gleich zum Baum der Krähen fliegen“. Doch der ist viel zu weit weg für seine erste Flugakrobatik in Freiheit, das weiß Gustav. Dumm ist er nicht der Gustav. Auf den letzten Flugmetern wird die Begrüßungsfeier der Tauben immer lauter und wilder. Völlig aus dem Häuschen springen sie auf der Dachkante herum und bilden einen offenen Kreis – für Gustavs Landung. „Wahnsinn diese Tauben“ – denkt sich Gustav, „aus der Ferne sehen die immer so verhalten aus“. Gustav ist im Landeanflug, gleich hat er es geschafft – „flatter, flatter rumsbums“ Gustav setzt mitten im Kreis der Tauben auf. Eine perfekte Landung. Gustav steht da und ist erleichtert, froh und ein bißchen stolz auf sich. Die Tauben um ihn herum sind plötzlich ruhig geworden und beginnen nach einer Weil zu applaudieren: „Bravo! Bravo!“ - der Kreis um Gustav rührt sich, alle setzen sich wieder gemütlich auf die Dachkante, die Füße baumeln in der Regenrinne, Gustav sitzt genau in der Mitte. Eine etwas dickere Taube mit flotter Frisur sitzt neben ihm. Es ist Irmgard, sie guckt ihn mit großen Augen an und sagt: „Was bist´n Du für einer ? Von wo bist´n Du ausgebüchst ? Erzähl uns mal alles! - schön der Reihe nach."

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Dienstag, 09. Dezember 2008

Charles Darwin und ein Glas Most

Gustav, der bunte Singvogel sitzt im Käfig und sieht durch´s offene Fenster hinaus auf die Straße, wo reges Treiben herrscht. Manchmal möchte Gustav gerne aus dem kleinen engen Käfig ausbrechen, um die große weite Welt zu erfliegen. Zumindest mal bis zum Hausdach auf der anderen Straßenseite. Dort sieht Gustav immer eine flotte Truppe Tauben sitzen. „Die haben´s aber auch nicht besser“, tröstet sich Gustav – „Die sitzen auch nur dumm rum, schauen in die Luft und kacken auf die Passanten.“ Doch die Krähen am Baum, schräg vis-à-vis vom Fleischhauer – wirken magisch auf Gustav. Manchmal kann er einzelne Wortfetzen hören, wenn sie der Wind in seine Richtung trägt. Charles Darwin und ein Glas Most hat er zuletzt gehört. Schlaflose Nächte folgten für Gustav. Die Worte fuhren Karussell in seinen Gedanken. Was hat das alles zu bedeuten ? Irgendwas ist da am Laufen, die Krähen wissen etwas was die anderen nicht wissen, vermutet Gustav. Plötzlich ein lauter Kracher, ein Fußball donnert durch´s offene Fenster und knallt Gustav mitsamt seinen Käfig an die Wand. Der Käfig liegt zerbrochen am Boden, Gustav liegt besinnungslos daneben.

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Samstag, 06. Dezember 2008

Dieses Bild hab ich heuer in Florenz geschossen, aufmerksame Leser erinnern sich, daß ich im September in Italien unterwegs war (siehe Archiv). Da ich gerade beim Bilderordnen bin, hab ich mir gedacht ich poste das mal - am Bild ist einer von vielen Eingängen zum großen Dom, Santa Maria del Fiore zu sehen. Was am Bild nicht mehr zu sehen ist - die Menschenschlange ging noch viel weiter. Ich hab mir damals gedacht, das steht sich nicht dafür und hab mir dem Dom nur von außen angesehen. Interessant ist, daß es Menschen gibt, denen anstellen gar nichts ausmacht. Egal wo - ob Skilift, Kinokassa oder Buffet, anstellen kein Problem. Die stehen auch richtig glücklich in der Schlange. Andere wiederum unternehmen alles mögliche um nur ja nicht in einen Stau zu kommen, oder sich irgendwo anstellen zu müssen. Wer wohl die Mehrheit stellt ? Die Schlangensteher oder die anderen. Oder ob es diese Gruppen überhaupt gibt, die einen und die anderen. Wer weiß das schon ? Wer soll darüber Auskunft geben können ? Das läßt sich empirisch doch gar nicht überprüfen.

Mittwoch, 03. Dezember 2008

Die alte Dame und das fliegende Schwein

Müll in Pappkartons – Geld im Friseursalon – Hunde rutschen am Eis mitten in eine Runde Punschtrinker – niemand bemerkt den Taxifahrer, der mit einer leeren Tüte Maroni am Bahnhof steht und auf den Frühling wartet – niemand kennt die alte Dame die gestern noch, wie jeden Tag, am Schaufenster vorbeiging und wie jeden Tag mit ihrem Stock auf den Baum deutet, wo die Krähen sitzen – die junge Frau die sie dabei täglich beobachtet, schlichtet wie jeden Morgen um die gleiche Zeit das Frischobst ein - doch heute blieb die alte Dame aus, was auch die Krähen zu verwirren scheint. Die alte Dame hat erst vor einigen Tagen ihren hundertelften Geburtstag gefeiert – der Bürgermeister hat ihr noch gratuliert. Im Pappkarton ist noch immer Müll – die Hunde sind mit Punsch angeschüttet – der Taxifahrer ist längst in den Nachtzug gestiegen, ohne Maroni. Die Äpfel schlichtet die junge Frau heute anders als gestern, im Frisiersalon warten schlecht geschminkte Damen mit Lockenwicklern im Haar auf die Trockenhaube. Doch die alte Dame fehlt, ihr Stock fehlt, der Tag ist nicht wie sonst. Auf der anderen Seite der Straße schaut ein dicker Mann aus dem Fenster und raucht billige Zigaretten. Ein Mädchen mit einem roten Luftballon in der Hand läuft an seinem Fenster vorbei. Die Straßenbahn in der Mitte der Fahrbahn ist für Sekunden gleichauf mit dem Mädchen und dem Luftballon. Niemand bemerkt das Schwein das über die ganze Szene hinweg fliegt – nur die alte Dame sieht es noch. Sie liegt am Rücken auf dem Gehsteig. Passanten im lauten Stimmengewirr stehen um sie herum und gebärden sich hektisch. Einer winkt auf der Straße mit den Armen und sieht komisch aus dabei, ein anderer telefoniert. Die alte Dame sieht das Schwein fliegen, es ist ihr letztes Bild im Leben. Der Mund bleibt ihr offen stehen. Dann erblicken die Krähen das Schwein und beginnen laut zu krähen. Die junge Frau vom Frischgemüse läuft aus dem Laden und sieht den Rettungswagen vor der alten Dame halten. Dem Mädchen mit dem Luftballon, läuft ein kleiner Junge in die Arme, zeigt nach oben und schreit aus vollem Halse : “da fliegt das Christkind“ – „nein, ist nur ein fliegendes Schwein“ – sagt das Mädchen ruhig. Der Rettungswagen hat die alte Dame eingeladen – der Stock bleibt am Gehsteig liegen. Der dicke Mann hat seine billigen Zigaretten fertig geraucht und schließt das Fenster.

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Montag, 01. Dezember 2008

Praise the Lord!

Weltwirtschaftskrise vs. Weihnachten, lautet das aktuelle Match. Wird es heuer weniger Weihnachtsbeleuchtung geben als sonst ? Wer wird sich durchsetzen – wie tief ist die noch taufrische Rezession schon ins Bewusstsein der Menschen gesickert. Wenn man Herrn Androschs ambivalenten Pessimismus teil, so leben wir aktuell in der Phase des Weckrufs – den wir langsam verinnerlichen. Klingel-klingel-ling. Süßer die Glocken nie klingen – doch Hannes Androsch sprach vor einigen Tagen in einer Im Zentrum Diskussion vom "Weckruf aus der Hölle". Und hat dabei eine extrem eiserne und sehr besorgte Miene aufgesetzt. Ich hab mir schon gedacht, gleich kommt der Wrabetz und schmeißt ihn raus, oder gibt ihm a Watschn, ... , jedenfalls war schon richtig Panikstimmung plötzlich im Studio, als er das so ernst sagte. Gleichzeitig hat er aber sicherheitshalber seinen Pessimismus in höhere Sphären gelenkt um ihn dann im Fernöstlichen zu parken. Weisheiten sind eben immer praktisch – jedenfalls im Chinesischen, so führt Androsch aus, wird das Wort Krise gleichzeitig auch für Chance verwendet und das gar nicht mal aus Sparsamkeit, sondern eben aus Weisheit. China bleibt eben anders. Selbst wenn in China ein Kind einen Buntstift, einen Panzer oder eine Banane verschluckt – kann die Regierung ganz locker und ohne Anstrengung von Frühförderung sprechen. Die chinesische Mauer wurde ja auch nicht aus Sparsamkeit gebaut. Toller Trick jedenfalls vom Androsch wie er so flockig die Globalisierung als dezentrale Anstrengung in Sachen Philosophie enttarnt hat, wo doch immer noch viele meinen, die Globalisierung hat etwas mit Bananen zu tun. Nein! – die Bananen waren früher ausschließlich den Fürsten vorbehalten – und jetzt essen sie alle gerne. Doch lassen wir die Bananen hinter uns, schließlich möchten wir ja die Frage verinnerlichen, was wir uns nun schenken. Schenken wir uns doch den Pessimismus und schenken wir uns doch die Sparsamkeit – geben wir richtig schön Gas, gönnen wir uns trotz Weltwirtschaftskrise ruhig auch mal einen Turbopunsch und feiern wir Weihnachten wie immer, der Herr hat sich selbst auch nichts gegönnt und ist in einer Krippe geboren und auf Stroh gebettet worden, nur damit wir es einmal besser haben und wir alle Zeit fröhlich und besinnt mit Optimismus in die Zukunft blicken.

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