Donnerstag, 27. November 2008

Das Zentrale Wahlversprechen

Während Gusi seine letzten Amtshandlungen tapfer absolviert und nebenbei auch die Sandkistenlegende relativierte, ..., er nicht in der Sandkiste seinen Wunsch Bundeskanzler zu werden äußerte, sondern neben der Sandkiste – haben die einen und oder die anderen und v.a. die SPÖ ihr zentrales Wahlversprechen mindestens gut abgelegt, verstaut und oder gern auch mal vergessen. Nicht so meine Wenigkeit. Nicht so die Menschen denen die EU – auch nach großangelegter Finanzrettungsaktion im Zuge der Weltwirtschaftskrise – immer noch ein großes Ärgernis ist. Gewählt wurde, vergessen wir das bitte nicht, weil die SPÖ einen Schwenk in ihrer EU-Linie vollzogen hat. Nachdem die Iren dem Vertrag von Lissabon eine Absage erteilten, schrieben Gusenbauer und Faymann einen Brief an Krone Herausgeber Hans Dichand, dass im Falle eines neuen EU Vertrages ein EU Referendum abgehalten werden soll. Dann kam der legendäre ÖVP Sager: "Es reicht!" – Gereicht hat es dann nicht. Die ÖVP hat weiter an Stimmen verloren. Der Abstand der beiden Altparteien wurde vergrößert. Trotzdem ist im neuen Koalitionspakt das zentrale Wahlversprechen keine zentrale Angelegenheit. Es wurde als heiße Kartoffel bis knapp vor Einigung herumgeworfen. Dann einigte man sich, dass das zentrale Wahlversprechen der SPÖ im Fall des Falles, also sollte es einen neuen Vertrag geben, wahrscheinlich gebrochen werden wird. Die Formulierung lautet sinngemäß so, dass keine der Parteien ohne Zustimmung des anderen, eine Volksabstimmung durchführen darf. Sollte die SPÖ ihr Wahlversprechen halten wollen, müsste sie die Koalition aufkündigen, oder die ÖVP müsste zustimmen. Pattstellung - die zweite Säule bleibt unvollendet.

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Dienstag, 25. November 2008

Der symbolische Tag

Causa Bernhard Kohl. Doping ist kein Kavaliersdelikt – nicht mehr. Die Zeiten werden auch hier härter, wenn man an die lange Liste an Konsequenzen denkt, die Kohl nun erwarten, neben der Höchststrafe von zwei Jahren Sperre, die er ausgefasst hat obwohl er gestanden hat. Und Hand auf´s Herz – wer in so einer Situation auch noch die Hintermänner nennt, ist im Radsport wirklich weg vom Fenster. Das kann man Kohl nicht ankreiden. Man hätte das Geständnis in irgendeiner Weise ins Urteil einfließen lassen müssen, Kohl spricht ja selbst von einem symbolischen Tag weniger. Das hätte insgesamt ein anderes Licht, ein humaneres Licht auf die ganze Angelegenheit geworfen. Sehr bedenklich finde ich die ganze Berichterstattung, ganz zu schweigen von den niveaulosen Kommentaren die über ihn zu lesen sind. Ich finde diese Hop oder Trop Mentalität insgesamt sehr gefährlich – nicht nur im Leistungssport. Mich erinnert das immer an die Steinigungsszene im Filmklassiker "Das Leben des Brian". Sind wir wirklich durch zwei Jahrtausende Christentum marschiert und haben wenig bis gar nichts gelernt ? Radeln musste Kohl die Tour trotzdem. Er hat sich weder an ein Motorrad gehängt noch ein großes Segel gespannt. Er ist die Tour von Anfang bis zum Ende geradelt. Gedopt geradelt – und hat damit wenn man es ehrlich betrachtet, seine eigene Gesundheit in Gefahr gebracht. Er hat niemanden ins Gesicht gespuckt und keine Bananenschalen vor die Räder seiner Kollegen geschmissen. Lassen wir doch ein für alle mal die Kirche im Dorf. Es geht doch wie beim Dilemma Fußball um die Gesamtsituation – um das Elend der wirtschaftlichen Ausbeutung, Kommerzialisierung des Leistungssport. Wirklichen Sport kann man doch nur noch im Amateurbereich erleben – alles andere ist doch schon völlig gaga. (Foto: photocase.de)

Donnerstag, 13. November 2008

91 Minuten zum Durchbruch

Yasser Arafats Rede, 1974 vor der UNO Vollversammlung: Im Sommer ´74 reiste Yasser Arafat für Gespräche nach Moskau. Die Sowjetunion bestärkten die Palästinenser darin, die Anerkennung der Vereinten Nationen zu suchen. Zurück aus Moskau forderte der PLO-Chef die Arabische Liga auf, die Palästinafrage vor die UNO Vollversammlung zu bringen. So geschah es dann auch, das Votum war eindeutig: 105 Nationen stimmten dafür, nur vier dagegen, darunter Israel und die USA. Der Weg für die PLO hin zu den Vereinten Nationen war geebnet.
Am 13. November 1974 hielt Yasser Arafat vor der 29. UNO Vollversammlung in New York seine 91 Minuten Rede. Ein Novum. Zum ersten Mal in der Geschichte der UN Vollversammlung, durfte der Chef einer Organisation auftreten, die weder eine Regierung noch einen Staat vertritt. Im hellen Jackett des Wüstenkämpfers, auf dem Kopf die schwarzweiß karierte Kufiya und mit Sonnenbrille auf der Nase, hält Arafat seine wichtigste Rede und zweifelsfrei eine der berühmtesten Reden des 20. Jahrhunderts und markiert damit den Wendepunkt und Durchbruch der Palästinenser im Dialog mit der Welt. Unter großen Beifall beendete Arafat seine Rede mit den Worten:

"Heute kam Ich zu Euch, in einer Hand den Ölzweig
und in der anderen Hand das Gewehr der Revolution, lasst den grünen Zweig nicht aus meiner Hand fallen."


komplette Rede in Englisch

(Foto © Bernard Gotfryd)

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Dienstag, 11. November 2008

Der Tag an dem Albert Camus weinte

In den frühen Morgenstunden des elften Novembers Zweitausendvier, segnete Yasser Arafat das Zeitliche um als zeitloser Mythos neu zu erblühen. Nicht nur für das palästinensische Volk ein bitterer Tag, war doch Arafat die leuchtende Ikone und Hoffnung auf dem Weg zum Frieden. Arafat wurde spätestens seit dem Friedensnobelpreis in den Neunziger Jahren zunehmend ambivalent in der Weltöffentlichkeit gespiegelt und erscheint uns heute - rückblickend, wie der in Stein gemeißelte Camusche Sisyphos. Es ist vorstellbar, dass Arafat sich der Absurdität Al Nakba bewusst wahr und die mühsame Sisyphos Arbeit zum friedvollen Miteinander mit dem neuen Judenstaat in seiner Absurdität erkannte und erst durch Camus Schriften den Weg fand und wagte. Seinen Weg. Auf Tuchfühlung mit dem Frieden, immer knapp davor den Stein der Geschichte, den er unermüdlich immer wieder den Tempelberg hinaufrollte, endlich oben als Denkmal des Friedens abzuladen. Der Friede wurde zur Absurdität. Doch mit Camus wurde die Absurdität zur Lösung:
„Darin besteht die verborgene Freude des Sisyphos. Sein Schicksal gehört ihm. Sein Fels ist seine Sache. [...] Der absurde Mensch sagt ja, und seine Anstrengung hört nicht mehr auf. Jeder Gran dieses Steins, jedes mineralische Aufblitzen in diesem in Nacht gehüllten Berg ist eine Welt für sich. Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen. Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.“ – in den frühen Morgenstunden des elften Novembers weinte auch Albert Camus, sein Sisyphos wurde erlöst – vom Höchsten, dem sich Camus in seinen Schriften allzeit verweigerte.

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Donnerstag, 06. November 2008

What A Wonderful World

"Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben". (Hermann Hesse)

Als Margaret Thatcher 1979 bei ihrer ersten Rede als Prime Minister den Heiligen Franz von Assisi zitierte (und während des Zitierens ablesen musste), der sagte: „Where there is discord, may we bring harmony. Where there is error, may we bring truth. Where there is doubt, may we bring faith. And where there is despair, may we bring hope„ - fehlte es ihr offenkundig an wichtigen Grundlagenwissen. Aus „Maggie“ wie die Briten sie liebevoll nannten, wurde durch die Aussage von Radio Moskau 1976, langsam die Eiserne Lady. Trotz aller Ambivalenzen, im Besonderen während des Falklandkrieges, wurde sie dieser Rolle bis zum Ende ihrer politischen Ära 1990 wohl eher gerecht. Drei Jahrzehnte später, nach langen konservativen Phasen, sowohl in Amerika wie auch in Europa, nach einer verzweifelten Suche nach neuen linken Visionen & Ideen und der Sehnsucht nach Orientierung, steht mit Barack Obama als mächtigsten Mann der Welt, nicht nur eine neue Vision und Leitfigur Pate - nein es ist viel mehr als das – die ganze Welt hofft nun auf diesen Mann. Vor allem auf Versöhnung, Ausgleich und Gerechtigkeit der Amerikaner mit sich selber, mit dem Rest der Welt und der Rest der Welt mit sich selbst. Wie wird er wohl in Zukunft schlafen, wenn er das politische Erbe seines Vorgängers in Empfang nimmt. Die ganze Welt braucht einen Generalsanierungsplan. Vielleicht ist Barack Obama zumindest derjenige, der zeigt, daß es möglich ist, die wichtigsten Weichen stellt und die Welt ins Dritte Jahrtausend führt.

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Mittwoch, 05. November 2008

E Pluribus Unum



Technisches Knockout - In God We Trust

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Dienstag, 04. November 2008

Zeitenwende on the rocks

Heute beginnt eine neue Zeit. Bald schon wird der neue Politmessias an den Hebeln des mächtigsten Amtes der Welt sitzen und weiterhin Beamter sein. Der Kreuzzug ist somit beendet. Popular Capitalism war genauso wenig die Erlösung wie Helge Schneider, aber beinahe gleich lustig. Machen wir jetzt folgendes: Nehmen wir das Beste aus Popular Capitalism (Margaret Thatcher's Frisur) und mixen es mit Best of Popular Socialism (Buena Vista Social Club). Gut schütteln – nicht rühren und servieren es on the rocks! Als Erste Maßnahme schlage ich folgendes vor: Die weltweite Erhebung aller Straßenbahngesellschaften zum UNESCO Weltkulturerbe. (Bild: photocase.de)

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Samstag, 01. November 2008

Lonnegans Systemfehler

Systemfehler sagen die einen – und oder - Clou die anderen. Als im Vorfeld der US Wahlen, weltweit die Banken ihr gesamtes Geld verlieren, fragt keiner danach, wer es jetzt hat. Irgendwer wird´s schon haben. Der Systemfehler hat es nicht, weil der ist (bei allen Gebühren + Respekt) abstrakt. Genauso wie ein Computerprogramm nur so gut sein kann wie der Programmierer, genauso steckt im Systemfehler, menschliches Versagen. Sollte man meinen. Als Doyle Lonnegan am Ende des Films „Der Clou“ beinahe froh ist, mit heiler Haut dem vermeintliche Gemetzel entkommen zu sein, fragt er sich nicht, wer das Geld hat – weil er ja gesehen hat, dass die beiden Ganoven Johnny Hooker und Henry Gondorff erschossen wurden, er gesehen hat wie das FBI das Wettbüro gestürmt hat. Die Welt hat in den letzten Wochen auch eine Menge gesehen, wie mit unserem Geld nun alles wieder saniert wird. Deswegen fragen wir erst gar nicht wo das Geld ist, weil wir ja sehen, dass unser Geld, das fehlende ersetzen wird. Das beruhigt offensichtlich. Wie eben bei Doyle Lonnegan. Was die Banken und die Börsen in den letzten Wochen an Geld verloren haben, liegt nun weltweit verstreut auf geheimen Konten. Mit Sicherheit gibt es dabei ebenso wie beim Clou, einen Regisseur, Hauptdarsteller, Nebendarsteller und Statisten. Jeder bekommt ordnungsgemäß seinen Anteil. Das Prinzip des Schwindels erreicht somit einen neuen historischen Höhepunkt, während die Ostküste gebannt auf das Kommen des Messias wartet. Das Timing hätte nicht besser sein können.

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