Gustav erzählt...
seine Befreiungsgeschichte in allen Details, mit allen Schikanen und schmückt noch alles in leuchtenden Farben aus. Irmgard hängt an seinem Schnabel wie eine Ertrinkende am letzten Tropfen Fanta Orange. Ihre Augen werden immer größer und Gustav bemerkt ihr ungeteiltes Interesse an seiner Person - sieht das Feuer der Begeisterung in ihren zärtlichen Taubenaugen. Immer wieder gurrt sie kurz auf und Gustav ist es eine Wonne bei jedem Gurren von Irmgard eine kleine Pause einzulegen um die Spannung zu erhöhen. „So ein Aufschneider“ ein unlautes Geflüster dringt zu Gustav vor. Gerade noch so laut, um es wahrzunehmen. Ilse, eine freche und eher unruhige, leicht nervöse Taube kann ihre Laune nicht länger im Schnabel bändigen. „Pscht! Halt den Schnabel, Ilse“ fährt sie Gudrun an, die Busenfreundin von Irmgard, die ihr stets den Rücken stärkt und auch schon Gefallen am bunten Singvogel gefunden hat. Gustav fühlt sich bestätigt. „Was machst du nun,“ will Irmgard wissen. „mit deiner neuen Freiheit – wohin wirst du fliegen?“ - „Fliegen! ja richtig.“ Gustav hat schon fast vergessen, dass er wohl jetzt ständig fliegen muss – um zu überleben. Keine alte Dame mehr, die ihm täglich die leckersten Körner serviert, er ist nun auf sich selbst gestellt. „Ich hab noch keine genaue Reiseroute festgelegt“ erwidert Gustav. „Ach! Du willst auf Reisen gehen“, Irmgards Augen beginnen zu leuchten, dann fährt sie fort: „Du musst uns unbedingt eine Ansichtskarte schicken!“ – „Brauchst Du da nicht noch ein paar Flugstunden, du Held vom anderen Stern?“ zwitschert Ilse frech hervor. Gustav schluckt. Flugroutine und einen richtigen Plan hat er ja wahrlich nicht, wie denn auch wenn alles so spontan ablief und seine Freiheit noch taufrisch in Seilen hängt. „Bis zu den Krähen schafft ich es von hier bestimmt, das ist nicht viel weiter als beim ersten Flug“ denkt sich Gustav und prescht dann siegessicher hervor: „Ich werd mal die Krähen fragen, vielleicht haben die eine Idee – wohin sich eine Reise lohnt.“ (...) „Zu den Krähen willst du fliegen???“ Irmgard ist entsetzt. „Bleib lieber bei uns, wir suchen gemeinsam Brotkrümeln, wir zeigen dir die richtigen Plätze und du singst für uns – du kannst doch nicht so planlos zu den Krähen fliegen, die setzen dir nur Flausen in die Federn“. Gustav denkt über Irmgards Vorschlag nach...
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