Der symbolische Tag
Causa Bernhard Kohl. Doping ist kein Kavaliersdelikt – nicht mehr. Die Zeiten werden auch hier härter, wenn man an die lange Liste an Konsequenzen denkt, die Kohl nun erwarten, neben der Höchststrafe von zwei Jahren Sperre, die er ausgefasst hat obwohl er gestanden hat. Und Hand auf´s Herz – wer in so einer Situation auch noch die Hintermänner nennt, ist im Radsport wirklich weg vom Fenster. Das kann man Kohl nicht ankreiden. Man hätte das Geständnis in irgendeiner Weise ins Urteil einfließen lassen müssen, Kohl spricht ja selbst von einem symbolischen Tag weniger. Das hätte insgesamt ein anderes Licht, ein humaneres Licht auf die ganze Angelegenheit geworfen. Sehr bedenklich finde ich die ganze Berichterstattung, ganz zu schweigen von den niveaulosen Kommentaren die über ihn zu lesen sind. Ich finde diese Hop oder Trop Mentalität insgesamt sehr gefährlich – nicht nur im Leistungssport. Mich erinnert das immer an die Steinigungsszene im Filmklassiker "Das Leben des Brian". Sind wir wirklich durch zwei Jahrtausende Christentum marschiert und haben wenig bis gar nichts gelernt ? Radeln musste Kohl die Tour trotzdem. Er hat sich weder an ein Motorrad gehängt noch ein großes Segel gespannt. Er ist die Tour von Anfang bis zum Ende geradelt. Gedopt geradelt – und hat damit wenn man es ehrlich betrachtet, seine eigene Gesundheit in Gefahr gebracht. Er hat niemanden ins Gesicht gespuckt und keine Bananenschalen vor die Räder seiner Kollegen geschmissen. Lassen wir doch ein für alle mal die Kirche im Dorf. Es geht doch wie beim Dilemma Fußball um die Gesamtsituation – um das Elend der wirtschaftlichen Ausbeutung, Kommerzialisierung des Leistungssport. Wirklichen Sport kann man doch nur noch im Amateurbereich erleben – alles andere ist doch schon völlig gaga. (Foto: photocase.de)




























