Montag, 08. Februar 2010

Als Curling olympisch wurde



Es waren die Japaner die Curling wieder olympisch machten – 1998 in Nagano, obwohl das wieder umstritten bleibt, da erst 2006 vom IOC entschieden wurde, dass Curling bereits 1924 ein offizieller Wettbewerb war und Großbritannien somit nachträglich zum ersten Olympiasieger im Curling erklärt wurde. Das ist richtig schräg – aber irgendwie auch nachvollziehbar. Präzise betrachtet wurde Curling 1998 also nicht wieder olympisch, sondern erstmalig olympisch, denn wieder wurde es ja erst später. Präzise betrachtet gilt nun beides. Erstmalig und wieder - Curling eben, echt schottisch - richtig präzise.

Das Spielprinzip folgt dem Eisstockschießen, das auch die Bayern pflegen. Irgendwie erinnert es aber auch an die verschwisterte Bowling/Kegeln Situation, noch dazu könnte man meinen, Eisstockschießen/Curling ist die Wintervariante von Kegeln/Bowling oder Letzteres die Trockenübung zu Curling, aber natürlich sind es präzise betrachtet vier verschiedene Sportarten und Spiele. Sonst könnte man ja auch Snooker und Karambol zusammen in einen Topf schmeißen, was zulässig ist – solange am Topf Billard steht. Für alle zusammen gilt die Dachbezeichnung Präzisionssport – da können wir dann auch Dart und leider Gottes auch den gesellschaftlich geächteten und unseligen Ärgernissport Golf mit hinzurechnen. Golf sollte offiziell die Bezeichnung Dekadenzsport tragen. Wie wir alle wissen, werden nicht nur in Indien (Kerala), Kambodscha oder Myanmar Golfplätze aus dem Boden gestampft zum Leidwesen der entrechteten Bevölkerung. Enteignungen, Trinkwasserprobleme, Einsatz von Pestiziden und vieles mehr stehen auf der Tagesordnung und machen Golf heute zum zynischsten Sport einer blasierten Elite und deren Sympathisanten der Möchtegernelite.

Beim Curling aber nun, um nicht den Faden zu verlieren wird auf konzentrische Kreise die auf die Eisfläche gemalt sind und die zusammen das house bilden der Stein gespielt. Dieser rutscht am Eis entlang, während vor dem Stein meistens zwei Spieler das Eis wischen. Es spielen zwei Teams zu je vier Spielern gegeneinander. Das house erinnert stark an das Logo der Mods, das wiederum an das ursprüngliche Hoheitszeichen der Royal Air Force willentlich angelehnt ist. Es darf also kein Zufall sein, dass gerade Japan Curling wieder olympisch machte, hat doch Japan den roten Punkt als Nationalflagge. Kanada das Gastgeberland ist mit insgesamt sechs Olympiamedaillen Führender im olympischen Curling Medaillenspiegel. Da Curling in der Halle gespielt wird, bleibt es auch vor den frühlingshaften Temperaturen in Vancouver verschont.

Sonntag, 31. Jänner 2010

Wer hat an der Uhr gedreht…


Super! Um den Dreh besser fühlt man sich, wenn man die Dokumentation der Superpraktikantin von einer Woche an der Seite von Josef Pröll so durchliest und durchschaut. Man gewinnt wie von selbst den Eindruck – bei der ÖVP gibt’s eigentlich immer etwas zu feiern! Und weil wir alle so gerne feiern, möchte sich nun das ganze Land in das große Feiern einklinken und mitfeiern, mitschunkeln, sich zuprosten und anlächeln. Österreich geht nun wahrlich rosigen Zeiten entgegen und damit es auch so bleibt, brauchen nun nur noch alle mündigen Staatsbürger im Wahlalter ihr Kreuzerl bei der ÖVP machen.

So könnte man es natürlich sehen und bei aller berechtigten Skepsis, eine perfekte PR Kampagne ist im Kasten, ist Geschichte – und Reez Wollner ist Österreichs neues Politcelebrity in der auch neuen Parteifarbe rosa. Das soll der ÖVP mal jemand nachmachen, da haben sich die Konservativen aber mal so richtig was einfallen lassen.

Erfahren konnte man von der Superpraktikantin, die 2007 auch schon ein Praktikum im sozialdemokratisch geführten Verteidigungsministerium absolvierte, dass Politik anstrengend ist und nicht nur die Doku macht es mehr als deutlich, welchem Leistungsverständnis sich die Konservativen verschrieben haben. Auch schon im Finale konnte ich es live erleben – Politik ist ein Stressjob – nicht nur bei der Volkspartei und nicht nur für die Hauptakteure. Bei den Bürgermeistern (auch von Eberau – gerade auch Eberau) angefangen, bis zum beinahe schon abstrakt hochgeschraubten Amt des USamerikanischen Präsidenten kann man davon ausgehen – dieser Menschenschlag des Politikers ist in der Regel mit einem Charakter ausgestattet. Fraglich ist natürlich immer, ob es sich um einen guten Charakter handelt.

Der Finanzminister von Österreich so weiß man jetzt, kommt sehr sympathisch rüber. Bei ihm hat man eigentlich keine Angst, dass er plötzlich mit der FPÖ zu liebäugeln beginnen könnte. Auch ein Statement aus dem Archiv (die Maledivenstory), die seine Prioritäten offen legte – offenbarte ihn als sympathischen Zeitgenossen. Deutlich wurde auch in der Dokumentation, dass Josef Pröll sehr sicher im Chefsessel der VP von Termin zu Termin braust. Eine Führungsdiskussion wird bei der VP also so schnell nicht entflammen. Deswegen verstehe ich nicht, wie eine neu angelobte VP Wissenschaftsministerin – nach all dem Audimaxismus der letzten Monate hergehen kann und sich im Gipsbein für die Wiedereinführung von Studiengebühren aussprechen kann. Das ist eigentlich eine Verhöhnung jener Studierenden, die wie einem politischen Wunder gleich, eine basisdemokratische Bewegung aus dem Nichts geschaffen haben und nach Jahren der Demütigungen und Aushungerung endlich einen Weg gefunden haben um sich Recht zu verschaffen. Dr. Beatrix Karl, die ihr Studium ohne Studiengebühren absolvierte, hat mit dieser Äußerung ihre Schonfrist sehr schnell und sehr ungeschickt verspielt.

Ich mahne daher zur Ernsthaftigkeit und Respekt, gerade im Dialog mit der neuen Basisdemokratie in unserem Land, die wie einem zarten Pflänzchen gleich - behütet und beschützt sein möchte. Gehen wir also alle gemeinsam in eine neue Bildungsoffensive mit der neuen Ministerin - Österreich braucht kontroversielle Freiräume für universelles Denken, Querdenken und kritisches Denken, wie Butter auf´s frische Roggenbrot. Niemand sollte sich also einen Koarl mit den jungen StudentInnen machen, die an einer idealistischen Bildungsvision hängen und an das Gute in der Gesellschaft glauben. Freie Bildung braucht das Land und Bologna, bei allem Respekt - liegt in Italien - genauer gesagt in Emilia-Romagna. Emilia-Romagna grenzt im Norden an den Po, im Osten an die Adria und im Süden an den Apennin sowie an die Republik San Marino.

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Freitag, 22. Jänner 2010

Das Mädchen mit den rosaroten Strümpfen







- Alle Photos hier -

Der erste Superpraktikant Österreichs ist eine Superpraktikantin, heißt Reez Wollner und besitzt vermutlich das bezaubernste Lächeln der Nation. Josef Pröll und die Jury hätten keine bessere Wahl treffen können – ein verdienter Sieg wie aus dem Bilderbuch. Reez punktete vor allem mit ihrer natürlichen, herzerfrischenden Art und strahlte mit ihrem Siegerlächeln alle an die Wand. Eine wohltuende Brise Pep in der österreichischen Innenpolitik.

Die Idee des Finanzministers, Politik via Internet unters Volk zu mischen ging voll auf. Ein neuer frischer Wind weht durch Österreich und dabei vergisst man beinahe die politische Zuordnung. Eine konservative Linie des gesamten Events ist allerdings nicht wegzuleugnen. Die Möglichkeit zu schaffen Politik hautnah zu erleben um den strapazierten Begriff Volksnähe nicht bemühen zu wollen, war aber eine richtige, wichtige und gute Entscheidung. Wenn wir uns um die österreichische Seele weder streiten noch sorgen sollen, so ist es zwischen den Zeilen für einige doch lesbar, dass man in der Volkspartei verstanden hat, das Erbe Jörg Haiders nicht nur richtig zu verwalten, sondern vor allem auch zu wahren.

Nicht das Hypodesaster und der Bruderzwist im dritten Lager ist was uns vererbt wurde von Jörg Haider – sondern Politik mit Pep zu gestalten und Begeisterung bei den Menschen dafür zu wecken. Denn wer die Macht hat geht uns alle an und sollte uns niemals egal sein, auch nicht in Zeiten des Friedens und in demokratischen Systemen. Zu verbessern gibt es immer und überall genug und je mehr sich daran beteiligen umso besser steht es um die Demokratie. Transparenz und Offenheit sind die wesentlichen Kriterien um Vertrauen in eine Politik zu fördern.

Die Superpraktikantin wird nun also die erste neue Trägerin des Staatsgeheimnisses werden und es gilt eine Nation zu überzeugen, dass die Politik in Österreich keine mumifizierten Leichen im Keller observiert, sondern einer großen österreichischen Tradition und Vision folgt: Frieden und Harmonie zu schaffen, in der Bevölkerung, mit unseren Nachbarn und im globalen Verbund der Nationen.
Weltfrieden geht uns alle an und jeder Staat muss zuerst seine Hausaufgaben erledigen, bervor man raus gehen kann um vor den Völkern für Frieden zu werben. Wer im eigenen Land Frieden fördert und sichert, hat die moralische Pflicht und die Chance den Frieden zu exportieren. Vergessen wir niemals – Österreich ist ein kleines Land mit einer mächtigen Geschichte – eventuell der mächtigsten Geschichte der Welt. Lange Zeit galt Österreich als die Insel der Seligen. Heute müssen wir täglich darum kämpfen – heute sind wir ein Teil Europas und manche möchten Österreich schon als Projekt sehen. Es geht aber nicht darum uns in die gute alte Zeit zurückzujammern – die goldenen 80er und 90er Jahre zu verherrlichen – es geht darum auf die goldenen Zeiten aufzubauen und anzuknüpfen, Österreich wieder mehr Gewicht im internationalen Geschäft zu organisieren. Das ist die wahre nationale Aufgabe unseres Staates, das ist unsere Identität, dass wir im Konzert der Nationen nicht die erste Geige spielen müssen, sondern dem harmonischen Geschehen den Rücken stärken, den Weg ebnen, als markanter, felsenfester und unbeugsamer Wegweiser zum Weltfrieden, das ist Österreich.

In diesem Sinne sei der frisch gebackenen Superpraktikantin viel Glück beschieden auf ihrem Weg in die Politik. Hoffen wir alle, dass sie ihrer Aufgabe gewachsen und sich ihre Verantwortung bewusst ist. Ob sie uns das Geheimnis lüftet, wie Politik in unserem Land tatsächlich passiert, oder ob sie als Trägerin des Staatsgeheimnisses Teil der österreichischen Politik wird - bleibt spannend. Wie auch immer sie sich entscheidet – die Vermutung liegt nahe, dass man ihr in einer Woche kaum einen echten Einblick ins Räderwerk der Macht gewährt und die Gefahr ist groß, dass am Ende des Tages Reez Wollner als weiteres Celebrity nur ein Fressen für den Boulevard wird. Davor gilt es sich zu hüten, das Politik nicht zur reinen Unterhaltung mutiert und wir im Trubel die Chancen verkennen.

Es ist eine Gratwanderung, die Josef Pröll beschritten hat – für Politik zu begeistern und dabei nicht ins Showbusiness abzugleiten. Was ich gestern erlebt habe, hat mir gefallen - am gestrigen Abend haben Josef Pröll und alle anderen die Aufgabe bravourös gemeistert und eine Balance gefunden die Hoffnung macht. Doch wie wird es weitergehen, wenn wir realisieren, dass alles nur ein perfekter Marketingplan der VP war um Josef Prölls zukünftige Kanzlerschaft aufzubauen? Alles natürlich nicht und bei aller Vorsicht steht eines außer Streit. Die Jugendlichen alleine können Wahlen nicht entscheiden – Wahlentscheidend ist die qualitative Wechselwählergruppe, die Politik nach den Ergebnissen und ihrer Authentizität beurteilt – jene Gruppe also, die sich kein X für ein U vormachen lässt, die keinem Lagerdenken nachhängt, differenzieren kann und letztlich die Richtung der Politik bestimmt. Es ist also nicht naiv – mehr als nur eine VP Kampagne darin zu sehen und ja wir brauchen darüber hinaus aber auch dringend einen Schuss gesunder Naivität in der Politik und wir dürfen als Individuen und auch als Gesellschaft nie unsere Naivität komplett verlieren. Der Balanceakt am Hochseil hat begonnen, die neue Hoffnung für Österreich trägt superrosa.

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Montag, 18. Jänner 2010

Showdown in der Leopoldstadt


Das Voting zum Superpraktikanten ist Geschichte, die glorreichen Fünf stehen fest. Am Donnerstag, also überübermorgen stellen sie sich den finalen Showdownfragen von Josef Pröll, ATV und Heute im Platinum Vienna, in Wien Leopoldstadt. Euer Superkandidat hat immerhin den soliden 67 Platz errungen und dafür sei an dieser Stelle noch mal ein herzliches Dankeschön an alle gesagt, die der täglichen Strapaze der Stimmabgabe bis zum Schluss nicht müde wurden. Die Top 100 haben automatisch mit der Teilnahme auch eine Eintrittskarte zum heißesten Event des Jahres erworben. In drei Tagen also, schmeißt sich euer Superkandidat noch mal in Schale, ins Rennen und auf die Piste und wird alles knipsen was nicht bei drei auf den Bäumen ist – sofern mir niemand etwas von Akkreditierung und so erzählen will. Natürlich gibt es dazu auch den von euch so lang erwarteten Superfinaleshowdownbericht mit allen Schikanen, Lametta, Limonen und bunten Hüten – also dran bleiben, am Ball bleiben und täglich Blog schauen. (Bild: photocase.de)

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Dienstag, 12. Jänner 2010

Die geprügelte Ministerin


oder: Maria Fekters Reifeprüfung

Österreich hat wahrlich eine lange und reiche Tradition in Sachen Blödheit. Darauf ist man auch mächtig stolz im ganzen Land – je blöder umso besser. Die aktuelle Debatte um Eberau ist mal wieder ein besonderer Leckerbissen in Sachen Blödheit. Zum Thema Fremde, Ausländer, Gastarbeiter und Asylanten durfte man in Österreich lange Zeit gar keine Meinung haben. Bis Jörg Haider in den 90ern die Leute dahingegen sensibilisierte, dass wir durchaus differenzieren dürfen, war es mehr oder weniger the same ob jemand über Ausländer schimpfte oder die Nazis lobte. Ein Rassist war man schnell hierzulande. Nachdem nun aber wahrlich genug Wasser die Donau runtergeflossen ist und die Sozialdemokratie wirklich alles ins Treffen geführt hat um ihr jahrzehntelanges Wegsehen, Schlafen und Schönreden zu dokumentieren, fängt sich das dritte Lager die Sorgen und Ängste der Bevölkerung um auch gleich darauf an der Chef und Richtungsfrage in ein unüberschaubares Splittergruppennetzwerk zu zerbrechen, das nun durch hellblaue Plattformen wieder blöd zusammengeflickt werden soll. Die grüne Politik lebt in dieser Thematik noch hinterm rosaroten Vorhang und sucht nach neuen weltfremden Utopien – weit entfernt von den Menschen und ihren Lebenssituationen läutet sie nun aber wegen Wählerschwund eine Selbstfindungsphase ein. Auch die Volkspartei stand lange Zeit wie gelähmt im Schatten der rosaroten Gartenzwerg und Gutmenschenmoral und wähnte sich im Schweigen sicher.

Jetzt aber hat sich das Blatt eindeutig gewendet, zum ersten Mal hat Österreich eine wirklich fähige, kompetente Innenministerin die wie keine andere in dieser Thematik zuhause ist, wie sie selbst immer wieder betont und die Sorgen und Ängste der Menschen ernst nimmt. Sie arbeitet an Lösungen, seriösen Lösungen - humanitären Lösungen. Dafür wird sie aber, wie Maria Fekter selbst in der Pressestunde am Sonntag verlauten ließ, als Dank von allen Seiten geprügelt. Das ist Österreich. Das Beste wird sein, wir verankern in der Verfassung, dass die Thematik nicht mehr im öffentlichen Diskurs zu führen ist (mediales Diskursverbot), lassen alles wie es ist und nehmen zusätzliche Beamte auf um jedes Asylverfahren innerhalb von 72 Sekunden abzuwickeln. Oder aber, wir warten ab und debattieren alles so lange bis sich die ersten Bürgerwehren bilden. Abwarten und schauen was die anderen machen könnten wir auch noch, oder abwarten, schauen was die anderen machen und dann darüber debattieren – solange bis alle gegen alles sind und keiner mehr für irgendwas.

Die wirklich richtige Lösung aber ist, die Ministerin in Ruhe arbeiten lassen und ihr nicht von allen Seiten Steine in den Weg werfen. Und beenden wir endlich die selten blöde, elendige Medienfarce, der Ministerin ein Statement entlocken zu wollen zum Fall Arigona. Wo wären wir, wenn wir MinisterInnen hätten, die Medieninszenierungen auf den Leim gehen, anstatt die Gesetzte der Republik einzuhalten – auf die sie angelobt sind. (Bild: presse.com)

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Montag, 04. Jänner 2010

Avatar - Aufbruch nach Pandora


Zu diesem Film gibt’s eigentlich nur eines zu sagen: Ansehen! in 3D – am besten noch heute – warten sie erst gar nicht auf morgen. Spätestens auf Pandora sind wir im neuen 3D Zeitalter angekommen. Mit guten Grund hab ich mir diesen Film für´s neue Jahr aufgehoben - Neuland auf allen Fronten. Atemberaubender New Age Glamour und neue Dimensionen im Motion Capture Verfahren vereinen sich ohne dass dabei die Geschichte auf der Strecke bleibt. James Cameron ist ein perfekter Balanceakt geglückt. Trotz überwältigender Visualität gelingt es, ein klassisches Liebesmotiv grandios in alte Indianerphilosophie einzuweben. Damit nicht genug wählt Cameron auch noch eine semantische Fusion auf der Metaebene. Die Idee des Avatars entstammt dem Hinduismus und der Planetenname Pandora ist der griechischen Mythologie entlehnt. Pandora war die erste Frau auf Erden und gilt als die alternative Legende zur althergebrachten Sündenfall Überlieferung der Tora. Hinduismus, Griechische Mythologie und Indianerkult vereint im Kampf gegen die Kriegsherrschaft der Himmelsmenschen, die nur eines kennen: Macht euch das Universum untertan, nehmt euch was ihr kriegen könnt. Alles in ehrlicher Opposition zum umstrittenen Bibelvers aus dem Alten Testament – 1. Mose 28: „Macht euch die Erde untertan.“

Jake als Namen des Helden ist auch nicht zufällig gewählt - 2010 ist ein Heiliges Compostelanisches Jahr, das begangen wird, wenn der Festtag des Hl. Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag fällt.

Fazit: Gut ausbalanciert dürfen wir Avatar – Aufbruch nach Pandora als einen klassischen Aufruf zur Umkehr, Besinnung und Rückkehr zu Mutter Natur deuten. Für eine Verschwörungspolitische Perspektive im Sinne der Ostküsten Anklage, gibt es insgesamt zuwenig Indizien. Eine farbenfrohe Anklage des Amerikanischen Imperialismus weht dafür hoch im Wind und soll uns gerade im Zeichen der anhaltenden verhaltenen USamerikanischen Klimawandelpolitik, zu denken geben. Irgendwie so: „Yes we can – but wollen solln ma´s schon auch a bissl.“

Nach Titanic, setzt sich Cameron hiermit ein weiteres Denkmal.


Bewertung: * * * * * * *


(Bild: © fox.com)

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Freitag, 01. Jänner 2010

Prosit Neujahr!

2010


Uns allen ein gutes und friedliches Jahr

- Quod licet Iovi non licet bovi -


A rush of wind comes furiously now, down from the mountaintop. "The ancient Greeks," I say, "who were the inventors of classical reason, knew better than to use it exclusively to foretell the future. They listened to the wind and predicted the future from that. That sounds insane now. But why should the inventors of reason sound insane?"

Robert M. Pirsig
Zen and the Art of Motorcycle Maintenance

Dienstag, 29. Dezember 2009

Nietzsches Tannenbaum

Die Überwindung eines Jahrzehnts

Es wäre fatal und unverantwortlich, wenn wir dem Zweifel keinen Platz einräumen. Gerade zu Weihnachten liegt es in unserer Macht, die Dinge neu zu bewerten, neu zu gewichten und die Welt in ihrer Täuschung zu erkennen. Alle Jahre wieder. Ein Christ soll alles Weltliche, die Täuschung und die Irrungen überwinden. Ein Christ soll zu Weihnachten mittels seines Glaubens zur Wahrheit durchbrechen und das Gottesreich erahnen, für das unser Erlöser am Kreuz gestorben ist. Gelingt uns das aber?

Wohl kaum, eher zelebrieren wir einen verzweifelten Kampf uns für einige Stunden, Tage und Wochen eine heile Welt vorzugaukeln und die Welt in ihrer Niedertracht für die Zeit der Weihnacht vergessen zu machen. Wir versuchen immerfort, die Welt zu heilen, die Welt zu retten und wenn es nur für ein paar Stunden ist. Doch die Welt ist nicht zu retten.


„Welt ging verloren“, heißt es gleich in der ersten Strophe von O Du Fröhliche, O Du Selige.

Der Sinn von Weihnachten ist es aber, uns vom Weltlichen zu befreien, uns von den Täuschungen, Irrungen und Illusionen zu lösen und uns ins Licht der Wahrheit zu verrücken. Doch niemals wollen wir loslassen von dieser Welt. Alles Weltliche erscheint uns so echt, fassbar und erfahrbar. Ein starker und heißer Kaffee an einem kalten, eisigen Wintermorgen – eine ehrliche, selbstgewuzelte Zigarette mit frischen, echten Tabak – der nächste Kinobesuch in 3D, all das scheint uns rettenswert. All das erscheint uns gut, ehrlich und richtig – weit entfernt vom christlichen Vorwurf der weltlichen Täuschung. Bevor wir hier loslassen, trinken wir eben Fairtrade Kaffee, rauchen Fairtrade Tabak und sehen Fairtrade Kino. Ein jeder liebt seine eigene kleine Welt und hält dran fest. Lieber wollen wir doch die Welt retten und im Erlöser den Retter der Welt erkennen, damit brauchen wir uns alle nicht entweltlichen und können quasi beides haben. Die Welt und Gott. Deswegen basteln wir uns alle Jahre wieder unsere eigene kleine heile Welt.


Die heile Welt zu Weihnachten findet aber nicht nur nirgendwo statt, sie existiert auch nicht – glücklich jene Geister, die diese Wahrheit auf ihre Fahnen heften und keinerlei Bedürfnis hegen, eine heile Welt erfinden zu müssen.
Weihnachten, das Geburtstagsfest unseres Herrn und Heiland ohne den Zweifel an ihn zu zelebrieren, wäre schlichtweg unehrlich. Der Zweifel ist menschlich – der Glaube aber ist göttlich. Beides wohnt in jedem Menschen, sowohl göttliches wie auch allzumenschliches. Einer allerdings, so will es die Überlieferung, einer jedenfalls so will es die Religion, einer jedenfalls – so will es das Christentum, ist in seiner Menschwerdung Gott geworden. Jesus Christus der Erlöser.
Dieser Gott aber, hat unseren Zweifel verdient. Denn der Zweifel plagt uns nämlich über alle Maße. Er brodelt im Überfluss und durchdringt unsere gesättigte Wohlstandsgesellschaft wie Regen eine billige Jacke. Wir sind geradezu besessen vom Zweifel und vom Unglauben, dass wir die Geburtsstunde der Wahrheit wie ein Brechmittel verkaufen und verunglimpfen. Wir schmücken unsere Landschaften mit Lichterketten und sehen nicht, dass sich dieses Licht wie Erbrochenes über unsere Gemüter legt. Mit dem Strom der zu Weihnachten weltweit für den Weihnachtslichterschmuck vergeudet wird, könnten wir jedes Jahr das Weltklima retten. Jedes Jahr. Doch wir tun es nicht. Jedes Jahr haben wir die Chance Weihnachten zu feiern, doch wir tun es nicht. Immerzu feiern wir Gott ist tot. In Wahrheit steht in allen Wohnzimmer Nietzsches Tannenbaum, der uns daran erinnert soll. Dieser Gott, dieser Jesus ist uns in Wahrheit irgendwann abhanden gekommen.


Blicken wir nun also zurück auf ein Jahrzehnt, dann ragt ein Ereignis heraus wie kein anderes, der 11. September 2001 – als alles begonnen hat.


Heute erscheint es uns beinahe wie der Beginn einer neuen Zeitrechnung. Kein Retter ward geboren und kein Stern ist ihm gefolgt. Der Zweifel des Christentums ist manifest geworden, der Zweifel der Christenheit hat einen Namen bekommen:


Ground Zero



Gehen wir diesem Zweifel aber auf den Grund, erkennen wir unsere eigene geplagte Leidensgeschichte des Glaubens. Wie lange sind uns die absurdesten Dinge im Namen des Glaubens eingetrichtert worden, wie lange hat das Christentum mit Schwert und Kanone die Welt verwüstet und in ein Schlachtfeld verwandelt – nur um der Wahrheit Willen.

Wenn uns nur lange genug etwas eingeredet wird, glauben wir es am Ende zu einer hohen Wahrscheinlichkeit auch. Wenn man uns ab heute einreden würde, wir sollten uns am heiligen Abend vor dem Christbaum im Kreise der Familie in die Luft sprengen, um danach ins Paradies einzugehen, wir würden es irgendwann tun. Wenn das amtlich in Gottesdiensten gepredigt würde und religionstechnisch mit allen Schikanen fett unterstrichen wäre, irgendeiner würde damit beginnen und andere würden folgen. Wenn dann noch Postkarten aus dem Paradies kämen – wie toll dort alles sei und wie wenig man dort vermisst, wenn noch das Fernsehen mitfilmen oder auf youtube die ersten christlichen Heilig Abend Sprengungen auftauchen würden – eine Welle würde entstehen und am Ende – irgendwann, viele Jahre später, würde der letzte Christbaum mit dem letzten Christen auf die letzte Sprengung warten. Das alles ist aber natürlich Bullshit, denn das Christentum hat überwunden.

Würden jetzt aber die Weihnachtsgegner und Christenverfolger, alle Sauluse, Nietzsches, alle Kommunisten und Atheisten aller Länder sich vereinen und sich für die Abschaffung von Weihnachten vorm Christbaum in die Luft sprengen – alles würde genauso laufen. Wieder kämen Ansichtskarten from paradise – und sie alle hätten Recht gehabt, es gäbe gar kein Paradies und so weiter – es wäre alles viel besser. Und auch das ist wieder Bullshit, denn das Christentum hat überwunden.

Wir können es drehen wie wir wollen und darin liegt das Problem. Die Wahrheit war immer schon von Anfang an subjektiv. Heute ist die Wahrheit das Geschäft der Geschäfte. Nicht mal das größte Geschäft der Welt, der Krieg – kann hier noch mit. Die Wahrheit ist alles. Wir spekulieren damit, wir richten damit, wir schaffen Wissen damit. Die Wahrheit ist nach Meinung vieler subjektiver Wahrnehmungen – zum Objekt der Begierde geworden: zum Mammon. Das Problem verschärft sich, sobald wir uns fragen, ob Ground Zero eine Wahrheit ist. Was, wenn uns irgendwann einmal alle Bilder dazu abhanden kommen, wird es dann objektiv wahr bleiben – über Jahrhunderte, Jahrtausende? Ja, Ground Zero ist eine objektive Wahrheit. Doch nur wenige waren dabei. So war und bleibt es immer. Immer sind nur wenige dabei gewesen. Als der Herr in reinlichen Windeln lag und die Weisen aus dem Morgenland seinem Stern folgten – waren wir da alle dabei? Der Zweifel ist also auch Wahrheit – objektiv oder subjektiv – wer soll uns das sagen. Wie viele werden also dabei sein, wenn die letzte Wahrheit die Weltenbühne betritt um uns ein letztes Mal vom ewigen Kampf zwischen Licht und Finsternis zu erzählen.

Doch bis dahin, wird Nietzsches letzter Tannenbaum längst gefällt sein...

Mittwoch, 23. Dezember 2009

Das Christkind


In den 1970ern war alles noch relativ einfach und klar, zumindest was das Christkind betraf. Meiner Erinnerung nach hinterfragte ich erschreckend wenig, in meiner Phantasie fand ich auf jede Frage, auf jede Ungereimtheit immer rasch eine klare Antwort und logische Erklärung. Auch die Einbildung, das Christkind gesehen zu haben förderte diese Entwicklung nachhaltig. Sie können sich also vorstellen, dass eine Welt in mir zusammenbrach als mich meine Schwester irgendwann Anfang der Achtziger sehr rüpelhaft und brutal in die harte, kalte Realität katapultierte: „Das gibt´s auch nicht, das sind auch die Eltern.“ Mit diesen Worten und besonders mit dem Wort 'auch', explodierte das gesamte Universum für mich, wie in der Szene im ersten Teil der Anhalter Serie, als Arthur Dent zusehen muss wie die Erde explodiert. Es war meine erste Urknallerfahrung - eine neue geistige Welt entstand. Sie posaunte es einfach so heraus und ich weiß es noch wie heute, es war zu Ostern – als es um den Osterhasen ging. Beim Osterhasen hatte ich ja selbst schon meine Bedenken, aber das Christkind war mir stets heilig – bis heute. Natürlich weigerte ich mich vehement ihr zu glauben und meine Eltern versuchten umgehend den Schaden zu begrenzen. Meine Schwester sei durch irgendwelche Schulkolleginnen irritiert worden, die allesamt vom Weg abgekommen sind. So in der Art war damals die Erklärung. Das beruhigte mich aber nicht auf Dauer, wie Sie sich vorstellen können.

Heutzutage ist ja alles viel schwieriger. Heute stellen Kinder schon viel differenziertere Fragen. Die Sache mit dem Christbaum und dem Baumschmuck nur als Bespiel, denn dass an jeder Ecke Christbäume verkauft werden, entgeht auch einem Kind nicht. Deshalb muss man eben wissen: den Christbaum bringt das Christkind, der Baumschmuck aber wird bereitgestellt.
Wer aber ist nun das Christkind? Manche Kinder sind nicht davon abzubringen, dass es das Christuskind höchstpersönlich ist, das ihnen die Geschenke bringt. Wenn wir uns den Liedtext von „Alle Jahre wieder“ ansehen, dann haben diese Kinder eigentlich gut zugehört. Trotzdem ist das Christkind aber nicht der Herr Jesus, also jedenfalls nicht bei uns hier – in der zivilisierten normalen Welt. Da irrt sich eben der Liedtext. Das Christkind ist sozusagen der Oberste Weihnachtsengel des Herrn und organisiert ihm alljährlich seine Geburtstagsparty. Wenn sie wollen, die Chef Eventmanagerin des Herrn – auch nicht unwichtig, bleibt das Christkind immer ein kleines gschaftiges Mädchen.

Meiner Meinung nach ist es theologisch-pädagogisch nicht ratsam das Christkind mit dem Christuskind gleichzusetzen, das schafft mehr Verwirrungen als dass es dienlich wäre. Auch hat das Christkind viele andere Engeln die ihm bei der Arbeit helfen. Geschenke machen, verpacken, schmücken und und und. Die Wunschzetteln aber, werden alle persönlich vom Christkind abgeholt, da empfiehlt es sich auch immer die Kinder eine Zeit lang zappeln zu lassen und die Zetteln eine Weile draußen liegen zu lassen. Die Zetteln der braven Kinder werden natürlich stets als erstes abgeholt. Je schlimmer ein Kind unterm Jahr seine Folgsamkeit darbot, umso mehr muss es bangen ob sein Wunschzettelchen noch abgeholt wird. Hier kann man natürlich alles wunderbar ausschmücken und von früher erzählen, weil die Abholung der Wunschzetteln eine so einfache und klare Angelegenheit ist. Anders ist es da schon wenn die Frage ins Zentrum des Geschehens rückt.

Was passiert am heiligen Abend eigentlich genau? Wie macht das alles das Christkind? Solche Fragen stellte ich als Kind der 70er z.b. nie. Mir war das alles immer sonnenklar, mir brauchte da keiner irgendwas erklären – aber bitte, die Kinder von heute sind ja mit weit viel mehr konfrontiert als wir damals. Also flüchtet man sich mit einer Nuance Science Fiction in die Physik. Das Christkind ist nämlich sehr schnell – extrem schnell sozusagen und wenn man es genau wissen will, ist es schneller als das Licht. Es bringt den Baum ungeschmückt mit, spannt ihn in den Christbaumständer und stellt ihn mit den Geschenken ins Wohnzimmer, putzt ihn dann in Windeseile auf, mit dem bereitgestellten Schmuck – läutet das Klingglöckchen und ist schon wieder dahin um in anderen Wohnzimmern die Bescherung zu organisieren. Das alles passiert mit Überlichtgeschwindigkeit. Den Vätern, denn nur den Vätern ist es vorbehalten während der Bescherung im spirituellen Epizentrum zu stehen – gestaltet sich das alles in einem wunderbaren Licht. Das wunderbare Licht ist unbeschreiblich und breitet sich im ganzen Wohnzimmer für Sekundenbrauchteile aus. In diesem Licht sinkt man dann demutsvoll auf die Knie und kann es fast nicht fassen - doch kaum hat das Christkind das Klingglöckchen geläutet, steht man wieder stramm wie ein Präsenzdienstverweigerer da und wartet auf große Kinderaugen. Ohne Überlichtgeschwindigkeit wäre das alles unmöglich. Zum Glück organisiert in anderen Ländern der Weihnachtsmann die Bescherung, damit bleibt für´s Christkind alles noch halbwegs übersichtlich. Zusammengefasst bleibt alles in Summe eine Frage der Geschwindigkeit. Denn zurückerinnert an damals, an den Moment als ich mir einbildete das Christkind gesehen zu haben, erinnere mich noch gut an einen Silberstreif hoch oben am Himmel, zu Beginn der blauen Stunde. Ich weiß noch wie damals, als ich mir sagte: „Oida! is des schnööö!!"


*


Football, the Word Peace and Everthing
&
photovision.at Productions

wünschen Euch allen gesegnete Weihnachten
und einen guten Rutsch ins neue Jahr

Montag, 21. Dezember 2009

Der geheime Wunsch

Freitag, 18. Dezember 2009

Österreichs Drittes Lager


Wer wenn nicht euer Superkandidat könnte besser Bescheid wissen, könnte tiefschürfender Analysen ins Bild setzten? Genau – 'that´s all folks' und deswegen wird euer Superkandidat auch niemals müde werden, Licht ins Dunkel zu bringen. Denn wie schon der Heilige Franziskus so trefflich formulierte:

"where there is discord, I may bring harmony,
that where there is error, I may bring truth"

machen wir also unsere Herzen weit und bemühen uns auch in dieser komplexen Materie um Verständnis, meinetwegen auch durchaus therapeutisches Verständnis.

Kommen wir aber zu den Wahrheiten, denn Wahrheiten sind es, die unser Land so dringend benötigt.

Niemand mehr, auch nicht die konkreten Player der beiden Parteien verstehen gerade was passiert.

Der Vergleich mit den deutschen Unionsparteien, den beiden Schwesternparteien CDU CSU ist absolut unzulässig. Ich gebe ihnen Recht, wenn man die deutsche Unionspolitik nicht sofort auf den ersten Blick durchschaut, aber vereinfacht ausgedrückt verhält es sich wie folgt:

Die CSU ist quasi die bayrische CDU Partei und kandidiert in Bayern als CSU und bundesweit gemeinsam mit der CDU als Unionspartei CDU/CSU. Dafür kandidiert die CDU nicht in Bayern und die CSU nicht in anderen Bundesländern. So ist es praktisch. Genau betrachtet gibt es da natürlich immer Grauzonen und Bruchlinien die wir aber in Summe ausklammern dürfen.

Was aber FPÖ und BZÖ aktuell abziehen ist irgendetwas undefiniertes Blödes. Weil das was gerade in Kärnten passiert zwischen Scheuch und Strache ist bezeichnend und legt offenkundig klar, dass diese zwei Personen niemals verstanden haben wie die Unionspolitik beim Nachbarn funktioniert. Ich gehe sogar soweit, dass sie es auch niemals in Zukunft verstehen werden. Die Blödheit ist ihnen quasi in Gesicht gestempelt. Andere aber, besonders beim BZÖ haben es immer schon verstanden. Allen voran Jörg Haider, der genau dieses Modell wollte. Haider war ja auch für einen Freistaat Kärnten nach Vorbild der Bayern und für einen Zusammenschluss, bzw. einen geometrisch-kulturellen Schulterschluss mit der Schweiz. DAS alles wäre möglich gewesen, auch noch als EU Mitglied, wenn es nur verstanden worden wäre.

Ob Scheuch und Strache jemals irgendetwas politisch Hochstehendes verstehen werden ist meiner Meinung nach ausgeschlossen.

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Mittwoch, 16. Dezember 2009

Wenn der Wind sich dreht…


Euer Superkandidat hat es in Round No.2 des Superpraktikanten geschafft. Das ist auch gut und richtig so. Dafür haben wir alle schwer gekämpft in den letzten Wochen und dafür habt ihr auch alle meine Danksagungen und Geschenke in rauen Mengen erhalten. Doch leider muss ich jetzt feststellen, dass in Round No.2 nun nichts mehr ist wie es vorher einmal war. Unsere liebe Barbara Toth zum Beispiel, die Langzeitführende aus Runde Eins hat sich bereits aus dem Wettbewerb verabschiedet. Bisher habe ich aber noch keinerlei Stellungnahme von ihr bekommen. Selbstverständlich bleiben wir da am Ball und halten euch am Laufenden. Meine Geheimdienstinformanten haben mir allerdings bereits einige hochbrisante Details skizziert, die ich hier nun einfach mal so ausplaudere. Denn so wie viele es vermuten ist es gar nicht. Nein, meine lieben Freunde – diesmal steckt nicht wie sonst immer der Mossad dahinter. Auch die Mafia darf ausgeschlossen werden. Ein wenig unangenehm ist es mir schon, aber es bleibt eben meine oberste demokratische Pflicht – denn eines dürfen wir nicht. Eines dürfen wir auf keinen Fall zulassen: Wir dürfen uns unter keinen Umständen, auf keinen Fall etwas gefallen lassen!

Denn wie ich immer sage, wir sind das Volk und wir sind der Staat und wir sind die Konsumenten und wir sind die Fahrgäste und wir sind die Zaungäste und wir sind die Rezipienten und auch als Publikum sind wir noch lange keine Deppen.

Aber genug um die heiße Suppe gelöffelt. Jetzt spucken wir mal kräftig hinein. Damit die, die es dann auslöffeln dürfen auch von einer würzigen Note zu berichten wissen. Dann wenn die Schose erstmal gelaufen ist, dann wenn längst schon kein Hahn mehr nach dem Superpraktikanten kräht – wer immer das dann auch sein möge: die würzige Note aber bleibt – oh ja meine lieben Freunde, von einer würzigen Note soll uns dann aber berichtet werden.
Also laut meinen Geheimdienstinformationen haben wieder einmal die Illuminaten zugeschlagen. Offensichtlich will nach dem peinlichen Untersuchungsausschuss in Sachen Spitzelaffäre Niemand im Parlament, außer Peter Pilz – der aber nach meinen Informationen nicht zum Kreis der Illuminaten zu rechnen ist, einen ungebeugten Bürger zum Superpraktikanten haben. Es soll nicht herumgeschnüffelt werden. Deswegen wäre es ja auch absurd und ein himmelschreiender Widerspruch, wenn alle außer Peter Pilz und die Zweite Republik plötzlich von heute auf morgen den Illuminatenorden beitreten. Vergessen wir auch nicht die Kasachische Unterwanderung bei den Blauen. Es scheint nun alles auf einem Schulterschluss im Gemenge hinzudeuten. Sozusagen pflegt der Orden eine durchaus gängige Praxis, den Superpraktikanten aus den eigenen Kreisen zu rekrutieren – nur um auf Nummer Sicher zu gehen.

...na dann gute Nacht liebe Pallas Athene.

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Montag, 14. Dezember 2009

Audimaxismus: Reiche Eltern für alle!











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Donnerstag, 10. Dezember 2009

Philosophie aus dem Narrenturm

„Ich werde das Thema meiner Diplomarbeit ändern.“ nuschelte ich. Da saßen wir also im Schneidersitz auf weichem Kunststoffbelag. Es erinnerte mich von der Festigkeit her irgendwie an die Turnmatten aus der Schulzeit. Farblich war es aber weit entfernt von dem unaufgeregten, blasstürkisen Turnmattengrün. Alles war in steriles Weiß getaucht und grelles, kaltweißes Neonlicht schweißte uns tiefe Furchen ins Bewusstsein.
Die weißen Zwangsjacken in denen wir drinsteckten erinnerten an Judojacken mit Überarmlängen die am Rücken zusammengebunden waren. Natürlich waren es aber keine Judojacken. Für alles gab es bereits einen Markt und bei unserer Einkleidung konnten wir aus acht verschiedenen Modellen wählen. Da war selbst Inge baff und konnte sich lange nicht entscheiden. Britta meinte nur, ob wir schon völlig irre wären – da alle Jacken exakt auf die Naht identisch wären. Ihrer Meinung nach gab es nur eine Jacke. Die Wahrheit lag bekanntlich in der Mitte und so nahm ich einfach die nächstbeste Jacke. Ob es wirklich verschiedene Modelle waren konnte ich beim besten Willen nicht erkennen. Da waren so viele Finessen auf den Jacken zu finden und Inge glaubte unseren Betreuern jedes Wort. Sie bewegte sich im Einkleidebereich wie in einer Boutique. Na gut, Inge war schon immer etwas seltsam und eitel und wollte mir selbst in einer Zwangsjacke gefallen.

Man setzte uns in der Zelle in eine Dreiecksposition. Britta saß gleich neben der Türe, die wie alles andere auch gut und weich gepolstert war. Inge saß auf gleicher Wandlinie im anderen Eck. Ich saß den zweien in der Mitte genau gegenüber und hatte sozusagen eine Wand für mich alleine.

„Und was wird dein neues Thema sein?“ fragte Inge.

„Ich will´s nicht wissen! Ich will es um Himmelswillen nicht wissen! Er soll sein Thema für sich behalten, mich interessiert gar nix mehr von diesen Deppen – nix, nix, nix.“ Britta schäumte förmlich. Ihre Wut konzentrierte sich ausschließlich auf meine Person, obwohl sie ja rechtzeitig weglaufen hätte können. Inge war für sie sowieso unantastbar, da sie noch kein einziges Schachspiel gegen sie gewinnen konnte und für sie eine Art Ikone der Revolution war, eine Jeanne d’Arc des Freesets.

„Mich nervt die Britta schon ein wenig mit ihrem behinderten Gehabe, kannst Du das nicht irgendwie abstellen bei ihr?“

„Wieso bist du denn nicht einfach rechtzeitig weggelaufen?“ fragte Inge.

„Ich hab die Bullen zu spät gesehen, er stand ja im Bild, die kamen ja genau hinter seinem Rücken angekrabbelt. Wieso hast du diesen Deppen nicht einfach daheim bei seiner Diplomarbeit lassen können? Jetzt ändert er auch noch sein Thema wegen dir.“

„Du änderst dein Thema wegen mir, Fred?“ staunte Inge zu mir rüber.

„Ja was sich diese Behinderte eben so zusammenspinnt, wieso sollte ich das Thema wegen dir ändern?“

„Nenn mich nicht Behinderte du vertrottelter Sauprolo, du Schneckendepp du blöder.“ brüllte Britta, spuckte dabei, hüpfte im Schneidersitz herum und riß in ihrer Zwangsjacke herum, als ob sie sich in Befreiungskunst üben wolle. Dann passierte es. Sie fiel links über auf die Seite und lag nun mit dem Gesicht auf der Matte. Damit verschwand Inge aus ihrem Blickfeld und sie konnte mich nun aus einer quasi Froschperspektive betrachten. Mir war das schrecklich unangenehm und rechnete mit dem Schlimmsten.

„Die rappelt sich schon wieder in den Schneidersitz, keine Panik Fred! Sie ist nicht so ungelenkig wie sie aussieht.“

„Was soll das nun wieder heißen Inge? Spinnst du? Ich bin tausendmal sportlicher als du.“

„Aber nicht im Schach, Liebste.“ Britta verstummte für eine Weile und blieb liegen. Ich war sicher, sie würde nur Kraft sammeln um sich dann mit einem Satz wieder zurück in den Schneidersitz zu befördern. Ich beschloss, nichts mehr über meine Diplomarbeit zu erwähnen um Britta nicht noch weiter in Rage zu bringen.

„Manchmal erstaunst du mich Fred, manchmal bist du mir nur noch ein Rätsel.“ grinste Inge.

„Du kapierst es nicht, oder? Es hat nicht das Geringste mit dir zu tun!“

„Aber das sagen sie doch immer alle.“ antwortete Inge und grinste weiter.

Ja es war nicht leicht mit Inge und Britta. Trotzdem war ich froh, dass wir Zwangsjacken anhatten. Nicht auszudenken, was alles passieren hätte können. Britta gelang es schließlich nach einigen Anläufen und unter enormen Anstrengungen sich wieder in die alte Position des Schneidersitzes zu befördern. Dann referierte sie uns, was für eine Heldin sie doch sei, dass sie hier mit uns diese Nummer schiebt und sie werde es nun sein, die ihr Diplomarbeitsthema ändern wird. Britta war Studentin der Kunstgeschichte und ich traute mich nicht zu fragen, ob das was mit uns und der Gummizelle zu tun hatte.

„Hat das was mit uns und der Gummizelle zu tun, dass du nun auch dein Thema änderst?“ Inge war wie üblich nicht auf den Mund gefallen und wollte immer alles genau wissen.

„Wieso sollte das etwas mit dir und dieser Pappnase zu tun haben? Wahrscheinlich wäre es mir auch so eingefallen.“

„Natürlich!“ seufzte ich und sah dabei demonstrativ nach oben, tat ein wenig auf gelangweilt als ich den Blick wieder auf Inge richtete.
„Klar wäre ihr alles auch einfach so eingefallen.“ Inge erwiderte meinen Blick und musste laut lachen.

Inges Lachen war schon immer ansteckender als Tropenfieber und so lachte ich mit. Eine Weile später mündete unser Lachen in einen Lachkrampf, wir konnten nicht mehr aufhören. Schuld dran war Britta, die einfach nicht mitlachen konnte. Jedes Mal wenn Inge oder ich zu Britta rübersahen, die mit stocksteifer, todernster Mine in ihrer Zwangsjacke dasaß und gegen die Wand starrte, begrub uns eine neuerliche Lachwelle. Bauchschmerzen machten sich schon breit, doch ich konnte nicht aufhören.
Nach einer Weile kämpfte auch Inge gegen die Bauchschmerzen an und stöhnte immer wieder ein „Aus jetzt!“ Wir kämpften jetzt gemeinsam, starrten nach oben an die Decke und erfuhren beim ersten Mal Decke anstarren eine bittere Niederlage. Denn selbst die Decke war weich ausgepolstert und aus Gummi. Inge und ich hatten den gleichen Gedanken, exakt zur selben Zeit und brüllten los:

„DIIIIIIIIIIIIIIIIIEEEEEEEEEE DEEEEEECKE ISSSS AUCH AUS GUUUUUUUUUUUUUUUUMMMI“

Wir brachen beide zur Seite weg und wuzelten uns, zappelten wie unter Elektroschocks und lachten mit zunehmenden Bauchschmerzen. Es wurde ziemlich laut in der Zelle, ein Wärter sah durch éine Luke und man konnte deutlich hören wie er zu seinem Kollegen sagte:

„Sie gehen gerade durch die Eröffnungsphase.“

Das genügte uns. Das war vielleicht der Hammer. Eröffnungsphase, allein das Wort und die gepolsterte Decke schüttelte uns weitere zehn Minuten im Lachkrampf. Bald dominierten uns aber die Bauchschmerzen. Das Lachen wurde sanfter, wir vermieden es zu Britta rüberzusehen, hielten immer wieder die Luft an, schlossen die Augen, versuchten langsam und tief zu atmen. Mit Mühe richteten wir uns wieder in den Schneidersitz zurück. Ich weiß nicht mehr wie lange wir gelacht haben, aber es war eine bedeutende Zeitspanne. Auf den Lachkrampf folgte eine Zeit der Stille, wir waren alle wieder gefasst und brauchten ein Thema.

„Ach komm Britta, verrat uns doch dein neues Diplomarbeitsthema.“ prustete es aus Inge hervor. Sie tat sich noch recht schwer beim sprechen und ihre Augen waren knallrot. Ich musste wieder gegen das Lachen kämpfen. Der Blick von Britta war einfach zu viel. Irgendwie sah sie aus wie eine Ente die im Eis eingefroren war. „Was ist mit deiner Diplomarbeit Inge? Bleibt da alles beim alten? Wie weit bist du schon?“ Inge studierte Philosophie, im 17. Semester - oder 117ten, so genau wußte man das bei ihr nie. Sie war ein klein wenig älter als Britta und ich und studierte Philospohie aber nur gezwungener Maßen, wie sie immer wieder betonte. Eigentlich wollte sie immer schon in der Lippenstiftabteilung beim Gerngross arbeiten, im Foyer – Erdgeschoss. Ein Traum hatte sie in jungen Jahren dazu genötigt, beichtete sie uns einmal. Ok, sie war damals schwer betrunken, als sie uns davon in Kenntnis setzte, aber Tags drauf als wir sie darauf ansprachen, bestätigte sie alles als wahr und richtig. Den Traum selbst verriet sie uns allerdings nie. Im betrunkenen Zustand stammelte sie nur etwas von einem Engel, der ihr diese Mission auferlegte, unter Androhungen schwerster Sanktionen, würde sie etwas anderes studieren.

„Nein, mein Thema bleibt gleich, da ändert sich gar nix.“

„Und willst du uns nicht mal dein Thema verraten, ich finde jetzt wäre ein guter Zeitpunkt dafür.“

„Nein Britta, da es sich um eine neue Philosophieströmung, eine völlig neue Denkschule handelt, wäre ich ja schwer verblödet, euch hier nun alles zu erzählen. Damit ihr nach dieser Nacht aus dem Narrenturm rausgeht und meine Idee an der nächsten Ecke für eine Burenwurst verkaufts. Sicher nicht! Gar nix werde ich erzählen.“

„Mensch Inge.“ räumte ich ein.

„Vertraust du uns denn nicht? Erzähl uns eben nur a bissal was.“


Fortsetzung folgt...

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Mittwoch, 09. Dezember 2009

Eine Nacht in der Gummizelle

Die zwei Polizisten waren so richtig vollgesaut. Kein einziges Ei hatte sie verfehlt. An allen Seiten ihrer Uniformen liefen Eidotter runter und von ihrem autoritären Kappen tropfte es in langgezogenen schlatzigen Fäden. Die Gesichter der Beamten waren trotz allem gefasst, man konnte aber keinerlei Anflug von Humor erkennen.

„Der Wurf war ja nicht gerade das Gelbe vom Ei!“ donnerte Inge „Fred, du bist so ein richtig satter Vollidiot, wieso guckst du nicht vorher wie die anderen auch, bevor du schmeißt?“

Passanten umringten uns nun mit freudigen, grinsenden Gesichtern. Hatten sie sich während des Flashmobs noch alle in Sicherheit gebracht, war ihr Interesse jetzt ungebrochen. Ein paar Kinder brüllten vor Lachen und waren kaum noch zu halten.

„Die Papiere bitte!“ erklang es sehr nüchtern und beherrscht. Während wir unsere Ausweise zückten, riefen die Polizisten auch schon Verstärkung. Die 48er wurde ebenfalls gerufen, die Sauerei am Boden zu bereinigen blieb uns also erspart. Teuer wird das alles auf jeden Fall werden, dachte ich noch. Dann stieg mir die Wut auf Inge´s geniale Flahmobidee hoch.

„Wieso hast du mich überhaupt angerufen, ich könnte jetzt schon eine ganze Seite getippt haben.“

„Und wir wären schon längst wieder über alle Berge, wenn du nicht ständig bei allem so langsam wärst.“ konterte Inge.

Britta nickte nur und sah mich an, wie wenn ich schon als Mettwurst im Kühlregal hängen würde. Mitgefangen, mitgehangen dachte ich, aber Ihr Blick traf mich nachhaltig und ich entschied für den restlichen Tag die Pappn zu halten.

Auf der Wache vernahmen uns dann andere Polizeibeamte. Inge fühlte sich berufen, die Backgroundphilosophie dieser Aktion zu erklären. Sie sprach langatmig über Linz 2009, die Kulturhauptstadt und wie wichtig dieses Jahr doch für das ganze Land sei, referierte über Chancen und Perspektiven und sponn dann so richtig ein Rad weg, verteidigte sich mit flehenden Gesten, sprach von Gleichschaltung, Kulturimperialismus und der Notwendigkeit des aktiven Widerstands. Britta saß nur so da und ich vermied jeden Blickkontakt mit ihr.

Das Filmmaterial wurde beschlagnahmt, allerdings konnten wir einen Deal mit den Beamten aushandeln, dass keine weiteren Personen mehr in die Strafsache miteinbezogen wurden. Eine Nacht mussten wir zu dritt in einer Gummizelle verbringen – als Untersuchungshaft sozusagen. Es verringerte aber auch den Betrag der Verwaltungsstrafe erheblich, informierten uns die Beamten. Die war aber auch noch mit Gummizelle geschmalzen. Natürlich wurde die Geldstrafe später unter allen Beteiligten des Flashmobs aufgeteilt. Im Nachhinein und aus heutiger Sicht kann ich nur sagen, die Nacht mit Inge und Britta in der Gummizelle möchte ich nie missen und wird mir immer ein phantastisches Highlight bleiben. Diese Nacht entschädigte mich für alle bisherigen Verwaltungsstrafen. Aber lassen Sie sich berichten, was in jener Nacht geschah.


Fortsetzung folgt…

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Dienstag, 08. Dezember 2009

Mitgefangen - Mitgehangen

Da standen sie also, mitten auf der Kärntnerstraße. Ich sah Inge schon von weiten mit ihrer neongelben Zipfelmütze und ihren Pop Rocky Schuhen. Mit ihr standen noch drei weitere Gestalten herum, die sich bei der Begrüßung als Britta, Sven und Klaus vorstellten - Schachklubfreunde von Inge. Nach ihren theoretischen Ausführungen am Telefon über Flashmobs, erwartete ich mir aber eine entschieden größere Gruppe. „Kommen noch mehr?“ fragte ich dann in die Runde. „Klar doch, wirst schon sehen wie das funktioniert – wir können uns ja nicht schon stundenlang vorher in der Gruppe definieren, das wäre ja sonst eine öffentliche Versammlung, ein Menschenauflauf und so – ein Flashmob funktioniert ja ganz anders, wart´s einfach ab.“ Naja dachte ich so bei mir, Inges Wort in Gottes Ohr. Klaus und Britta hielten jeder eine Eierschachtel mit jeweils zehn Eiern. „Das reicht für uns fünf ganz locker!“ warf Inge in die Runde, "Du hattest doch sicher keine Zeit mehr um noch in den Supermarkt zu düsen. Wirst sehen, die anderen, wenn´s dann losgeht, haben sich auch in Fünfer-Formationen zusammengeschlossen. So jedenfalls hab ich es organisiert."

„DU hast das organisiert Inge?“ fragte ich etwas überrascht. „Ja klar, sagte ich dir das denn nicht? Es ist bereits mein dritter Flashmob den ich organisiere – toll was?“
„Ja toll Inge! Und was macht deine Diplomarbeit? Forcierst du die auch mit solcher Inbrunst?“ Inge rollte mit den Augen. „Na jedenfalls“ fuhr ich fort, „Zeit für den Supermarkt war wirklich nicht, aber ich habe ja einen Kühlschrank.“ Ich kramte aus dem Rucksack eine Zehnereierschachtel hervor. Inge grinste. „Na super Fred, dann brauchen wir ja nicht sparen und können die 17 Sekunden Vollgas geben.“ Ja, Inge war die Vorfreude bereits deutlich anzusehen, sie zappelte zunehmend nervöser herum und fummelte die ganze Zeit an ihrer Trillerpfeife, die ihr an einem neongrünen Band um den Hals hing. Sie schaute auch ständig im Kreis herum, anscheinend kannte sie ihre Pappenheimer und wusste genau wo sie standen. „Jetzt paß mal auf Fred, gleich geht die Schose los – nur noch eine Minute.“ Klaus und Britta zählten die letzten zehn Sekunden im Countdown runter, dann pfiff Inge in die Trillerpfeife, ihr Gesicht wurde dabei rot wie eine Paradeiser. Hoffentlich platzt sie nicht, dachte ich noch so bei mir, als aus einigen Seitengassen plötzlich Leute mit Eierschachteln auf uns zu stürmten. Mir blieb der Mund offen stehen. Wie von Sinnen warfen etwa Siebzig Leute in Summe wie blöd rohe Eier in die Luft. Aus einiger Entfernung konnte ich eine Typin erkennen, die das Ganze auch noch filmte.

Inge sah dabei auf eine Stoppuhr und zählte: „...,Zwölf, Dreizehn, Vierzehn, Fünfzehn, Sechzehn,...“

Ich erinnerte mich an die 17 Sekunden von denen Inge sprach und sah zu Klaus, Britta und Sven rüber die alle ihre Eier bereits geschmissen hatten. Ich stand noch da mit meiner vollen Schachtel. Inge macht mich sicher zur Sau und stempelt mich als Spielverderber und Verräter an der Revolution ab, wenn ich nichts tue. Also was soll´s dachte ich und warf mit einem Schwung alle Eier aus der Schachtel.

„Siebzehn!“ Inge pfiff wieder in die Trillerpfeife und alle stürmten wie von der Tarantel gestochen auf und davon, verschwanden in Seitengassen oder rannten die Kärntnerstraße entlang.

Meine Ladung Eier war noch in der Luft und als ich mich umdrehte, weil ich sie im hohen Bogen nach hinten übern Kopf warf – da kamen zwei Uniformierte mit einem durchaus nicht ungemütlichen Tempo auf mich zu. Ich sah noch, wie die Eier exakt Kurs auf die Beamten nahmen, als einer von ihnen rief: „He ihr da, stehen bleiben!“ Inge und Britta standen noch bei mir, der Rest war schon längst über alle Berge. Dann detonierten die Eier auf den Uniformen der Polizisten.


Fortsetzung folgt...

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