Freitagsjazz

Tagebucheintrag: Freitag. {Textsound: Roy Eldridge – Une Petite Laitue}. Ein kleiner Kopfsalat, ist die deutsche Übersetzung dazu – zum Lied. Roy Eldridge ist mein Favorit in Sachen Jazz und ehrlich gesagt, wenn ich nur eine einzige Jazzplatte auf eine einsame Insel mitnehmen dürfte, dann würde ich mich für DECIDEDLY von Roy Eldridge entscheiden. Von dieser Platte gibts aus der Tube leider nichts. Deswegen Une Petite Laitue. Gehen Sie nur mal auf Minute 1:19 wenn Roy »schuhdiwuuuhdiwuuu« singt. Genau so, wie er auf Une Petite Laitue, »schuhdiwuuuhdiwuuu« singt, spielt er auf DECIDEDLY die Trompete. Roy hat allerdings viele gute Lieder. Was für die einen Miles Davis und für die anderen Thelonious Monk ist, das sind für mich alle drei und Roy ganz vorne.

Noch schnell erzählt, wie ich die Platte fand: ich stand (ca. zwei Jahre ist das her) in einer verrauchten, subversiven Vinylspelunke, kramte zwischen den Platten und suchte einen neuen coolen Sound für meine Vinyl Sammlung, als mein Fuß plötzlich zu wippen begann. »Nanu?« dachte ich und beobachtete meinen Fuß. Das Wippen wurde stärker und bald lauschte ich immer konzentrierter der Hintergrundmusik. Die wurde immer besser. Ein paar Minuten später stand ich mit Roy an der Kassa. So war das damals mit Roy und mir. DECIDEDLY nutze ich seither am liebsten als Schreibmusik. Für die einsame Insel bräuchte ich nur noch einen Laptop und eine Whiskeybar.

Was würdest Du auf eine einsame Insel mitnehmen?

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Donnerstagsordnung

Tagebucheintrag: Donnerstag. {Textsound: Wilfried – Mir san froh (alles leiwand)}. Der Donnerstag ist ein Tag, dem eine kulturtechnische Ordnung innnewohnt. Denken wir an Gründonnerstag, Christi Himmelfahrt, Fronleichnam, Donnerstalk. Heute hat der harte Kern vom letzten Drehbuchkurs eine Community geschaffen, mit phpBB®. Ein kleiner Schritt, ein wichtiger Schritt, ein lang umkämpfter Schritt ist vollbracht. Ein neues Forum ist gegründet. Ich bin Moderator – alles Leinwand!

»Die Basis einer gesunden Ordnung ist ein großer Papierkorb.« Kurt Tucholsky

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Mittwochsjubel (Yipppiiieee! Was zum Mitfreuen)

Tagebucheintrag: Mittwoch. {Textsound: So ein schöner Tag – Fliegerlied}. Ein Freund und zugleich wichtiger Kritiker, ist heute vormittag zum zweiten Mal Vater geworden. Wieder ein Mädchen. Emma heißt die Kleine. Der Name liegt im Trend. Per Kaiserschnitt. Das liegt auch im Trend. Da fahrst ins Spital wie zu einem OP Termin und ratzfatz: Bauch aufschneiden, Baby rausheben, Nabelschnur mit Gartenschere durchschneiden, waschen, füttern, Windel machen, Bausparer abschliessen. Heute am Abend lässt er was springen. Hoffentlich nicht zu knapp, ich hab Durscht. ;-)

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Dienstagsblues

Tagebucheintrag: Dienstag. {Textsound: Peter Cornelius – Ganz Wien hat den Blues}. Am Dienstag bekomm ich, nun schon seit einigen Monaten, den Dienstagsbrief der SPD. Den bekommen alle SPD Mitglieder. Auch Gastmitglieder, so wie ich. SPD Gastmitglieder können auch Ausländer (bzw. nicht deutsche Staatsbürger) werden. Sie gehören dann zum SPD Freundeskreis und sind Berlin zugeordnet. Wie kam´s? Letztes Jahr im Kreisky Jahr wollte ich, für mich, eine klare politische Grundsatzentscheidung fällen. Weil ich, wie 100% der Bürger in Europa, genug hatte von der Politik, von den verlogenen Politikern und ihren Lügen, die immer penetranter zum Himmel stinken. Mittlerweile ist das politische Europa tot. Zu Tode gestunken und gelogen hat es sich, das marode Europa. Ein Freiluftmuseum ist es geworden, Europa – ein Stimmungstöter. Sprechen sie in der Öffentlichkeit niemals laut von Europa. Reden sie lieber von der letzten Beerdigung, vom Leichenschmaus und/oder vom saufen. Europa ist ein Unwort geworden, hat sich tot gelaufen. Lösen wir Europa deswegen in der nächstgrößeren Einheit auf und nennen es:

Neurasien

Denken wir in größeren Begriffen. Europa ist im globalen Wettstreit zu klein geworden. Schaffen wir eine neue Wirtschaftseinheit mit Neurasien. Das tote Europa erwecken wir wie Lazarus zur Zentrale und Asien als Peripherie strampelt für eine sozialdemokratische Gemeinwohlwirtschaft neuer Ordnung. Wir geben Asien Demokratie und Rechtsstaatlichkeit. Asien gibt uns Arbeitsleistung und Erdöl. Das jedenfalls ist mein Vorschlag. Ich werde ihn demnächst bei der Parteizentrale deponieren und die Genossen und Genossinnen zur Abstimmung bitten. Einen großen Kessel Frankfurter dazu, viel Senf, Bier, Tanz und Holodero – fertig ist das neue Europa, ähh das auferstandene Neurasien – eine Wiedergängerin des toten Europas.

Oder nach Amerika auswandern. So wie die feinen Leute es gerade treiben. Die alle am Koffer packen sind. Riesige Koffer, Ungetüme an Koffern – da packen sie ganze Häuser und ihre sieben Sachen rein. Bevor es kracht im maroden Europa.

Vor ein paar Jahren noch, da raunzten die Leut, wenn die Stimmung in der U-Bahn zu wünschen übrig lies. Stimmungslage heute in ganz Europa: wie am angespiebenen U-Bahn Klo mit toten Fixer, dem die Nadel noch in der Vene steckt, das Gesicht kreidebleich und einer heraushängenden blauen Zunge. Und das ist noch ein fröhliches Stimmungsbild. Die Wirklichkeit ist noch viel schrecklicher. So schrecklich, daß niemand sie aufschreiben kann. Niemand. Ich nicht, die Genossen nicht und auch nicht die braunen Marschierer, die immer zahlreicher marschieren.

Raunzen alleine bringt nix. Deswegen wollte ich politisch tätig werden. Da gibt es ja vieles, so viele Möglichkeiten um politisch aktiv zu werden, dass man den Überblick verlieren möchte. Sogar Roland Düringer distanzierte sich unlängst in seiner ersten politischen Rede von seiner ORF Rede Anfang Dezember “Wir sind wütend” von der allgemeinen Angstmache. Normalerweise sollten Künstler nicht politisch aktiv sein. Das widerspricht sich. Doch (fast) jeder Künstler ist politisch. Ein Dilemma. John Lennon machte Politik zur Kunst und Kunst zur Politik. Eine Parteizugehörigkeit sollte man allerdings tunlichst vermeiden.

Trotzdem bin ich Gastmitglied bei der SPD und ehrlich gesagt, ich versteh es selber nicht. Selbst meine Mutter, als gebürtige Norddeutsche (so wie beide Opas und eine Oma) steigt hier aus. Wenn dann sollte ich doch der SPÖ beitreten. Vielleicht könnte ich so, dort und da eine Kindergartenschließung der Schwarzen verhindern. Das ist das Dilemma, mein Dilemma. Eigentlich sollte es mich interessieren, wer wofür wessen Geld am Schädel haut. Das ist der Kern der praktischen Politik, ihr Tagesgeschäft.

Der Kern der Sozialdemokratie besagt, allen Spielern im laufenden Wirtschaftssystem die gleichen Zugangsmöglichkeiten, Partizipationschancen zu gewährleisten. Darum geht´s. Alle sollen die selben Chancen haben, reich oder arm zu werden. Zu verhungern oder als Fixer im angespiebenen U-Bahn Klo zu enden.

Warum interessiert es mich so wenig? Ich vermute, weil es schon so viele gibt, die auf dieser Wiese grasen. Mich dort dazwischen zwängen und mitblöken, wozu? Die Sozialdemokratie ist ein großer dynamischer Organismus, der Kreativität fördert und den Einzelnen in gesunder Beziehung zur Masse, zur Gesellschaft setzt. Das jedenfalls ist meine Vision. Sicherlich wird Kreativität in einer politischen Bewegung oft auch missverstanden, wenn durch zuviele Einzelpositionsbewegungen die Richtung der ganzen Bewegung nicht mehr erkennbar ist. Wenn man die Sozialdemokratie nur noch als roten Schwabbel Pudding wahrnimmt, zuviele individuelle Visionen kursieren und keine große Vision mehr passiert. Wenn Sozialdemokraten Visionäre zum Arzt schicken. Ein roter Kanzler der nur grinst, während der schwarze Vize am Buffet völlert und fast platzt.

Dann hat die Jelinek vielleicht doch recht. Die Sozialdemokratie ist längst verstorben. Wenn sich die so genannte Basis damit zufriedengibt, ab und zu ein rotes BonBon zu lutschen. Das ist doch Kunst, meine lieben Freunde. Die Sozialdemokratie feiert ihr eigenes Begräbnis, labt sich am Leichenschmaus. Was über Jahrzehnte mit Blut, Schweiß und Tränen geschaffen wurde, wird jetzt selbstzufrieden verputzt. Der Leichenschmaus kann sich sehen lassen. Nur irgendwann ist auch der fetteste Leichenschmaus vorbei. Und was dann?

Was dann?

 

Nachtrag: Eine aufmerksame Leserin hat mir ein Email geschickt. Vielen Dank! Zur Gastmitgliedschaft, über die ich nicht ganz klare Informationen gegeben habe. Jeder im Ausland lebende Ausländer (und mit nicht deutscher Staatsbürger, also auch Österreicher, Schweizer, usw.) kann SPD Mitglied werden. Darüber hinaus kann man vorher eine Gastmitgliedschaft beantragen, die auf ein Jahr befristet (plus ein Jahr verlängerbar) ist. Zu unschlagbar günstigen Konditionen. In dieser Zeit kann man sich die Partei mal anschauen, ob sie einem gefällt. Die Gastmitgliedschaft hat aber nichts damit zu tun ob man aus dem Ausland kommt oder nicht. Was red ich so viel, schaut selbst: mehr

Nachtrag 2: Wieder erreicht mich ein email (Liebe Leserinnen! nicht alle auf einmal bitte). Einspruch zu John Lennon: denn erst mit Yoko Ono schaffte John Lennon den Kunstkniff, Politik & Kunst auf einer höheren Ebene fusioniert zu performen. Ja! Natürlich, liebe Leserin. Das allerdings ist doch selbstredend, nicht? ;-)

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Montagsmaler

Tagebucheintrag: Montag. {Textsound: The Phenomenal Handclap Band – Following}. An Montagen schreibt man besser nix. Keine Emails, keine Briefe, keine Glückwunschtelegramme, kein Tagebuch. An Montagen geht man in Deckung. Oder wirft Nebelgranaten. Oder beides, nacheinander. Erst werfen, dann in Deckung gehen. Schnell durch den Nebel laufen geht auch. Die anderen im Nebel erschrecken. Sofern man nicht alleine im Nebel steht und die anderen in der Deckung warten. Auf die nächste Nebelgranate. Und die nächste, und nächste. Nebelgranaten hat man oder nicht.

Wer keine Nebelgranaten hat, sollte besser keine werfen. Sonst wirkt es als Täuschungsmanöver. So wie beim Hund, dem ich antäusche das Stöckchen nach Osten zu schmeißen und schwups fliegt es nach Westen.

Grad les ich »Louis will kein Skateboard.« »Louis will von der Straße runter.« Irgend so eine Kinderhilfswerkwerbung. Eine Flashwerbung die ständig die Werbebotschaft ändert, gleich nach Louis kommen Schuhe. Was man als Rezipient täglich ausgesetzt ist – denken wir darüber noch nach?

Wollen die, dass wir so denken:

»Soll ich jetzt dem Louis helfen oder lieber neue Schuhe kaufen?«

Oder so:

» ( ausgeblendet ) «

 Oder so:

» (            ) «

Oder so denken:

»   )(  «

Ich vermute, die wollen, dass wir ganz zum denken aufhören. Und nie wieder damit anfangen. Nicht nur montags. Montags sollte man ja wirklich nicht denken. Da kommt nur Unfug raus. Unfug und noch mehr Unfug. Montagsunfug.

Montag, so heißt auch der Feuerwehrmann (gespielt von Oskar Werner) in dem Film „Fahrenheit 451“ den ich am Wochenende auf der Watchliste hatte, der aber leider unvollendet gewatcht blieb – vorerst.

Der Hund hat Lulu müssen. Während ich Film schaute. Da schau ich gar nicht mehr weiter. Scheiss Köter. In letzter Zeit schneidet der Hund Grimassen, wenn er grad macht. Keine Ahnung warum aber komisch ist das schon. Manchmal hat es den Anschein, als ob er was denkt dabei, der Hund. Einfach so, während er macht und dabei eine Grimasse schneidet. Z.B. so etwas: »Auto« wenn gerade ein Auto vorbeifährt und er das Auto irgendwie als Auto definiert hat, nur eben nicht als Auto – sondern als das was es ist. Für uns ein Auto, für den Hund vielleicht nur eine vorbeifahrende Farbe. Rot, wenn ein rotes Auto vorbeifährt, obwohl der Hund ja Rot als Farbe nicht erkennt, aber die Farbe Rot sicher kennt, wenn etwas rot ist – oder blau.

Unfug! Was ist heute wirklich passiert? Heute hab ich gemalt. Das erinnerte mich an die Montagsmaler. Die gab´s auch mal.

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Die indische Hexe

Heute: Tagebucheintrag mit neuer Unterkategorie: Streifzüge. {Textsound: Lee Stevens & The Beautiful People – Ridin High}. Wie der Name schon verrät, führen uns Streifzüge ab heute rund ums Basislager auf Entdeckungstour. Ziel der Übung: abgeschlossene kleine Reisen im Alltag, Kurzgeschichten, Beobachtungen, kompakte Einheiten mit Anfang und Ende – oder mit Fortsetzung schreiben. Denn nur Übung macht den Meister. Träumen alleine ist zuwenig. Träumen von: wem bin ich Lob & Dank schuldig, in meiner Rede  bei den Academy Awards. Sicherlich ganz anderen Leuten als jenen, denen ich dann den Goldburschen unter die Nase reiben werde. Nur, mit träumen alleine wird es sicher nichts werden mit dem Oscar. Also üben, üben, üben und üben. Üben heißt schreiben. Also Streifzüge. Außerdem, nach drei Tagen Basislager ist Routine zwar noch kein Thema. Holprig geht es zu im Basislager, kein Text liest sich wie der Film, der zuvor im Kopf abläuft. Aber wie es eben so ist in Basislagern. Oft lässt die Wetterlage einen Aufstieg nicht zu und so heißt es im Basislager meistens: warten.

»Ein Mensch würde nie dazu kommen, etwas zu tun, wenn er stets warten würde,
bis er es so gut kann, dass niemand mehr einen Fehler entdecken könnte.«
John Henry Newman

Hand auf´s Herz liebe Brüder und Schwestern, wie cool wäre es, wenn plötzlich die Traumfrau (Elsbeth?) das Basislager erreicht und das einzige was ich zu erzählen hätte, wäre über die Wolkenbeobachtungen, die ständig um den Gipfel kreisen.

Also Streifzüge.

Es ist eben oft nicht leicht der Beste zu sein. Doch wie kam´s?

Heute gab´s kein Essen, unser dänischer Koch ist krank. Charlie, seines Zeichens Haubenkoch. Den ganzen Vormittag lang wieselt er auf allen Wiener Märkten herum und sucht nach tollen Zutaten & Gewürzen. Neben ihn nimmt sich Jamie Oliver wie ein Lehrbub aus. Doch Charlie kam heute nicht in die Redaktion. Panik!

Die ganze Redaktion auf Improvisationskurs. Niemand wollte Charlies Haube aufsetzen und zum kochen beginnen. Um Zwölf Uhr Mittags entschied ich mich für Streifzüge. Wenn schon kein Haubenkoch da ist, so brauchte ich zumindest ein Haubenrestaurant. Um Zwölf Uhr Mittags kenne ich keine Bescheidenheit. Als der Beste, ist mir das Beste gerade gut genug.

Ich sah in mein Geldbörsel. Ebbe. Nur ein Haufen verdammter Gutscheine. Für alles und jedes einen verdammten Gutschein. Vom Gutschein eines Gratiscocktails (in Verbindung mit einem Tabledance) im Tittenlokal bis zum Leckerli Gutschein fürs Hundsviech. Gutscheine bekommst Du heute schon für´s furzen im Windschatten. Ich wühlte in den Gutscheinen, suchte den Tafelspitzgutschein fürn Plachutta. Das Parade Restaurant in Wien, wo sich schon der H.C. den Gaumen antrainierte.

Gefunden hab ich mistige McDonalds Gutscheine.

Ich stand also als Letzter in einer kilometerlangen Schlange die sich mehrmals um den Nietzscheplatz wickelte und wartete. Wenn das der Friedrich wüsste, wie sein Platz in Wien durch mistige McDonalds Gutscheine gerade verunstaltet wird. Zarathustra würde mehr als nur „also“ sprechen. In die Luft sprengen würde ihn der Zarathustra, den Platz seines Schöpfers. PENG! KNALL! BUMS! … OHNE ALSO!

Das warten in einer Schlange kann dauern. Als ich nach einer Ewigkeit auf Höhe der Strohhalme angekommen war, stand eine Dame neben mir. Eine Wilde. Mit Nasenring und Zigeunerohrringen. Sie sah wie eine dieser indischen Handleserinnen  aus, die 20-jährigen Rucksacktouristen für 10 Rupies oder einem Dollar den eignen Todestag verkünden. Die armen Kerle wackeln danach kreidebleich davon und buchen im nächsten Traveleroffice ihren Rückflug, kaum dass sie angekommen waren.

Bei mir haben indische Hexen ja ohnehin keinen Auftrag. Sie kaute auf einem Strohhalm und sah mir beim warten zu.

»Du willst diese Rindviecher nicht essen.« sagte sie.

»Welche Rindviecher?«

»Diese da!« sagte sie und zeigte auf die Vitrine mit den leckeren Bürgern.

»Aber der Gutschein!« seufzte ich und zeigte ihr meinen Gutschein.

»Für 6,49€ willst Du eine heilige Kuh essen?«

»Nicht nur die Kuh, Pommes und Cola gibt´s auch dazu.«

Sie schleckte über ihre Lippen.

»Du kennst die Welt da draußen. Du kennst ihre Irrwege. Und ich weiß, dass du die nicht gehen willst!« sagte sie.

»Matrix. Du bist Trinity?« sagte ich.

»Nein, bin ich nicht.« sagte sie.

»Wer bist Du dann?«

»Später. Schon mal Hund gegessen?«

»Hund? Bist Du leicht aus der Schweiz?«

»In der Schweiz hab ich es gelernt, wie man Hunde zubereitet.«

»Ich weiß nicht recht, ob mir so ein Hund überhaupt schmeckt.«

»Probier´s mal. Habe gute Saucen und leckere Bratkartoffeln dazu. Komm mit.« sagte sie.

Bratkartoffeln kann ich nur schwer widerstehen. Also ging ich mit und sprach: »Sag mir wer Du bist und woher Du kommst.« dabei zog ich ihr den Strohhalm aus dem Mund auf dem sie wie blöd herumkaute.

»Aua! Du Grobian.«

Ihr Knusperhäuschen lag nicht weit entfernt, hinter einem Buschen, zwischen zwei Türmen die nach Osten zeigen. Sie öffnete die Türe und ein Rudel Hunde sprang mich an. Hunde aller Rassen und Größen begrüßten mich auf eine Weise, dass mein Appetit auf Hund verflog wie die Ansprache des Bundespräsidenten zu Neujahr. Im Inneren des Knusperhäuschens war alles mit edlen Teppichen ausgelegt. Die Türe fiel hinter mir ins Schloss.

Der kalte Lauf einer Knarre drückte mir gegen die Schläfe.

»Das muss aber jetzt ned sein, gell.« sagte ich.

»Komm her du fetter Hansel, du gibst einen satten Braten ab. Meine Hunde haben Hunger.«

»Ich heiße Fred!«

Wie naiv es war von mir, ihr zu glauben. Sie wollte mich zu Hundefutter verarbeiten, von Anfang an. Ein Luder von einer Hexe. Sie zwängte mich in einen Hundezwinger und gab mir einen Schokoriegel.

»Da, dein letzter, genieß ihn.«

Als letzter Schokoriegel schmeckte er gar ned so gut wie erwartet. Die Hunde bellten und sie bereitete in der Küche alles vor. Mir war nicht wohl bei dem Gedanken von Hunden verspeist zu werden. Ich protestierte, gab ihr zu verstehen, dass es sich dabei um kein Kavaliersdelikt handelte und sie auf dem elektrischen Stuhl landen werde.

»Ach sei still und halt die Klappe du fetter Hansel, ähh Fredl.« rief sie aus der Küche.

»Ich schmeck deinen Hunden gar ned! Schau mal, sie ignorieren mich völlig.«

Die Hunde hüpften wie deppat vor dem Zwinger auf und ab und schleckten sich das Maul.

»Keine Sorge. Du schmeckst ihnen bestimmt.«

Ich appellierte mit viel Diplomatie an ihr Mitgefühl, dass ich selbst einen Hund hätte und ihr zeigen könnte wie sie ohne kriminelle Arglist ihre Hunde satt bekäme. Sie weinte und klagte, sie könne sich kein Hundefutter mehr leisten, zu viele Hunde hatte sie zu füttern. Deswegen locke sie gutgläubige, doofe Passanten hier her und verarbeite sie zu Hundefutter.

»Ihre Bestellung bitte!« schrie mich eine etwas gereizte junge Dame an.

Ich stand vor der McDonalds Kassa, bin wohl eingenickt beim warten, schlief im stehen, träumte mit offenen Augen.

»Äh, das hier bitte.«

Ich reichte ihr den Gutschein, setzte mich an den Tisch hinter den Strohhalmen und verspeiste eine heilige Kuh mit Pommes und Cola. Wie ich fertig war, wurde mir schlecht. Ich stand auf und ging an die frische Luft. Drehte ein paar Runden im Nietzschepark und fand im Rasen einen letztes Rest Schnee, der gerade weg schmolz.

Ich übergab mich, kotze geradewegs auf den Schnee. Ein Kind, schmutzig und in Lumpen stand daneben, beobachtete alles und hielt die Hand auf. Ein Kind dem das weihnachtliche Spendenlicht kein Dunkel erhellte. Ich gab ihm die restlichen Gutscheine (außer den Cocktailgutschein mit Tabledance).

»Da iß wos gscheits!« sprach ich und ging wieder zurück in die Redaktion.

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Die laufende Bewerbung

Tagebucheintrag (Backstage & Autosuggestion): ungeduldigen Leserinnen und Leser spreche ich heute Mut zum Durchhalten zu. Die Erzählung geht demnächst weiter. Die Tagebucheintragungen, die neue Tagebuchkategorie, mein ganz persönliches Tagebuch, wo ich mich als Autor ab sofort selbst reflektiere, soll mir als zweite Ebene, quasi ein Basislager schaffen. Die Erzählung Atlantis ist die Mission Gipfel. Wer schon mal Bergsteigen war weiß, wie essenziell ein Basislager ist. Wieso ich nicht gleich draufgekommen bin, ist mir ein Rätsel. Außenstehende Beobachter haben meist ein gezielteres Auge für Dinge, die man selbst nicht erkennt. Professor Rübezahl und Fräulein Clown hatten recht. Die Selbstreflexion fehlte noch.

Also Basislager Tagebuch. Vielleicht wird noch ein neuer Blogtitel, ein neuer Header daraus. Das Problem ist, mir schwirren neue Blogtiteln und neue Header wie Moskitoschwärme in einer heißen tropischen Nacht um den Kopf. Die Entscheidung zu treffen: DAS ist es jetzt, oder SO mach ich es jetzt, ist das Problem. Und dann dabei bleiben, dran bleiben, am Ball bleiben, das ist das nächste größere Problem. Dicht gefolgt vom nächsten und übernächsten Problem. Jedem Problem folgt ein noch größeres, gewaltigeres, Furchteinflößenderes Problem. Doch jedes Problem hat seine Lösung. So ist es mit dem schreiben.

Denn: Was sie als Leser noch nicht wissen. Der Blog ist das eine. Die Erzählung das andere. Natürlich kam ich aus dem Urlaub auch irgendwann wieder zurück. Und war völlig pleite, kein Geld mehr. Ausgeblutet in Atlantis (das könnte auch ein toller Header werden). Ich musste die Redaktion zusperren, Leute entlassen. In Wahrheit hab ich nur Captain Podcast rausschmeißen müssen, denn die Redaktion bestand nur aus ihm und mir. Den Captain rauszuschmeißen, war aber schwierig genug. Jetzt ist er irgendwo, nennt sich Captain Pirat und ist nicht gut auf mich zu sprechen. Deswegen schweigt er, der Lump.

Inzwischen arbeite ich wieder. Was sonst soll man tun, wenn man pleite ist. Wieder in einer Redaktion (die ich natürlich nicht nennen kann, sonst fordern die Kolleginnen und Kollegen natürlich sofort, dass ich von ihren heroischen Taten berichte. Wie z.b. der eine, der gestern im Raucherzimmer einen Schas (Furz) angezündet hat. So peinlich pubertär gebärden sich Redakteure in Wahrheit. Oder der andere, der regelmäßig vorm Bildschirm einnickt und ein Mittagsschläfchen hält), als einfacher Redakteur. Deswegen schreib ich hier anonym unter Künstlernamen. So kann mir niemand blöd kommen.

Hinter all diesem Treiben läuft gerade meine Bewerbung für ein Drehbuch. Also in Wahrheit soll es erst ein Drehbuch werden, wenn ich die Bewerbung positiv abschließe. Aktuell ist es ein Exposé, das wenn es genommen wird, von echten Profis in der Stoffentwicklung bis zum Treatment begleitet wird. Und dieser Schritt, vom Expose zum Treatment, wird nicht nur von etablierten Drehbuchautoren begleitet, sondern auch finanziell gefördert. Für Nachwuchsautoren mit 2000 €. Die Begleitung ist auf maximal 3 Monate festgelegt. Danach muss man es selbstständig bis zum Drehbuch entwickeln. Natürlich hab ich, bevor ich mich beworben habe, einige Kurse in Sachen Drehbuchschreiben absolviert.

Und jetzt kommt der Clou: Glauben ist alles. Dafür betreibe ich aktuell den ganzen Tag lang Autosuggestion. Oder, die Dieter Bohlen Methode: Ich bin der Beste! Von der Früh weg, vom aufstehen übers Zähneputzen, bis zum Tagebucheintrag. Ich bin der Beste! Das Ergebnis der Bewerbung wird Mitte/Ende Februar verkündet. Bis dahin bin ich der Beste & the one and only!

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Welcome Greenland – Land der Menschen

Tagebucheintrag, Statistik: das 118. Land hat den Blog erreicht. Am 13. Jänner schaute jemand aus Grönland auf diese Seite. Hoffentlich lesen auch einige mit, aus dem nicht deutschsprachigen Raum und übersetzen mit Google Translation. Das funktioniert übrigens sensationell. Die Fähnchenliste zeigt leider nur 100 Fähnchen an und keines mehr. Ganze 18 Fähnchen gehen dadurch aktuell verloren, man sieht sie nur wenn man draufklickt, auf die Fähnchen. Ich war schon als Kind Fähnchenfetischist. Oder sagen wir Flaggenfan. Stundenlang hab ich im Lexikon die Flaggen studiert und die Symbolik entschlüsselt. Eine Flagge ist ja nicht einfach so entstanden, aus Jux und Tollerei. Die wurde ja nicht im Kindergarten zusammengenäht oder mittels Volksabstimmung gestaltet. Eine Flagge ist historisch gewachsen. Vexillologie nennt man die Flaggenkunde. Wenn es mit dem schreiben also nix werden sollte, könnte ich immer noch Vexillologe werden, sozusagen als Plan B. Allerdings: nach dem zur Zeit alle ums Geld bangen und z.B. Franz Hörmann, WU Professor, schon für das vergangene Jahr das Ende des Geldes proklamierte, könnte es den Flaggen auch an den Kragen gehen. Stellt Euch vor, eine Welt ohne Flaggen und Geldscheinchen. Keine Fähnchen mehr. Ist so eine Welt vorstellbar, wenn wir doch wissen, der Stauts Quo ist eine verschworene Ausbeuter & Saubanden Diktatur von reichen Bonzen, geschmierten Politikern, korrupten Bankern, skrupellosen Spekulanten, Mafia, Illuminaten, Freimaurern und anderen Gaunern. Wieso drehen wir keine Sendung mit der Maus darüber? Damit es die Kinder auch verstehen. Und dann weg mit den hübschen Fähnchen und her mit der Gemeinwohlwirtschaft. Das Geld verbrennen wir, alle gemeinsam. Schluß aus Ende. Wer braucht den Scheiß noch? Wenn nur die Fähnchen nicht wären. Die Flaggen sind schuld, daß ich einer globalen Gemeinwohlwirtschaft, einer radikalen Revolution, einem Ende vom Geld skeptisch gegenüberstehe. Schritt für Schritt die Welt verbessern erscheint mir der richtigere Weg zu sein. Wir wissen doch, nach unzähligen Revolutionen, daß Revolutionen immer ihre Kinder fressen. Und selbst das stimmt nicht immer! Die schönen Fähnchen! Wenn man zulange auf die Grönlandflagge guggt wird man blöd. Die Flagge von Grönland wurde von Thue Christiansen entworfen und hat einen Namen: Erfalasorput. Was auf grönländisch so viel wie “unsere Flagge” bedeutet. Übrigens: zur neuen Tagebuchkategorie. Täglich werde ich es nicht schaffen. Obwohl es ja Tagebuch heißt. Ich kenne Leute, die nehmen das wörtlich. Die einen lieben Flaggen, die anderen Worte. Der eine hat einen Doktortitel, der anderen einen 10 Jahre alten Single Malt Bushmills Whiskey am Kasten. Die einen lieben Geld und die anderen gutes Essen. Die einen lieben Wein und die anderen Bier. Die einen lieben Schwarz, die anderen Weiß. Die einen lieben Hunde und die anderen Kinder. Die einen sind katholisch und die anderen sind ausgetreten. Die einen schauen TV und die anderen stehen am Würstelstand. Die einen treiben Sport und die anderen schauen Sport. Die einen sind klug und die anderen warten ab. Die einen lieben Prinzessin Kate und die anderen wollen nur ihr Geld, oder Sex. Oder Tee mit der Queen. Die einen sind die Guten und die anderen Gauner. Oder mit Karl Heinz befreundet. Das geht auch. Summa Summarum, auch für Grönland, Land der Menschen, gilt: die Straßenverkehrsordnung. Nichts ist, wie es scheint.

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Es schneit

Liebes Tagebuch. Seit 16.08.2007 schreibe ich nun schon Blog, doch erst heute schreibe ich meinen ersten offiziellen Tagebucheintrag. Weil ich Tagebuchschreiben immer als etwas für Weicheier* befand. Jedenfalls nichts für harte Kerle, echte Männer und wahre Helden. Helden schreiben keine Tagebücher, sondern lassen die Welt daran teilhaben, wie sie die Welt zu retten gedenken. Damit die Welt dem Held mit Ruhm, Gold und Ehre, Pauken und Trompeten, fürstlich dankt. Das jedenfalls war mein Plan als ich zu schreiben begonnen hatte. Doch wie üblich ist es anders. Nichts wird einem gedankt. Gar nichts! Null und nix. Der einzige Benefit dieser selbstlosen Wahnsinnstat ist, daß es denn anderen mit ähnlichen Plänen nicht viel besser geht. Und man sie beobachten kann in ihrem Treiben, wie sie strampeln, zaudern und von großen Taten träumen. Das macht Mut. Für neue Einträge, Berichte, Gedanken, Erzählungen und Wetterbeobachtungen. So wie heute in Wien.

Neuschnee! Wer hätte das gedacht. Österreich verliert sein AAA und es schneit. Perfekt!

* oder: Anne Frank Sympathisanten und IFHS Betroffene.

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Erstmal tanzen

Zurück in Mallorca

Elsbeth wollte nicht chillen. Xiaomeng noch weniger. Sie hatten sich mental schneller darappelt als ich erwartet hatte und waren jetzt richtig in Fahrt gekommen. Mein Vorschlag, sie könnten ja schon mal vorgehen, vortanzen und die Kumpels und ich würden erstmal chillen und kämen dann nach, scheiterte kläglich.

An der Basisdemokratie.

Die Kumpels folgten Xiaomeng wie dressierte Hunde. Ich war überstimmt. Alleine chillen hätte bedeutet, dass ich sie nachher bestimmt hätte suchen müssen. Und Xiaomengs gemeiner Blick verriet mir, ich würde lange suchen.

Also tanzen. Eigentlich tanze ich sehr gerne. Freestyle. Wenn die Tanzfläche noch Luft zum Atmen lässt und Bewegungsfreiheit garantiert ist. Alles das, was  Tanzen zu dem macht, was es sein soll – im Ideal. Befreiung.

Tanzen im BCM befreit weder Geist noch Körper. Es ist ein Martyrium. Trotzdem lustig, in seiner ganz eigenen Art und Weise. Ich stand nur so da und wackelte ein bisschen herum. Die zwei Mädchen tanzten dicht vor mir und rieben sich an meinen Oberschenkeln. Xiaomeng, die kein Höschen trug, hinterließ eine deutliche Spur dabei. Elsbeth blieb sehr gelassen. Offensichtlich hatten sie in Berlin irgendwie einen Draht gefunden und die Spielregeln geklärt. Die Kumpels waren ja auch noch da und bald rutschte Xiaomeng auf ihren Oberschenkeln auf und ab. Ich machte eine 360° Drehung und steckte die Hände in die Hosentaschen. Ich spürte etwas hartes. Mann, war das hart. Hart wie ein Stein. Ich zog es heraus. Jösas! Der Zahn des Cyborgs! Auf den hatte ich total vergessen. Aber wie konnte sich der noch in meiner Hosentasche befinden? Ein Paradoxon?

»Was hast du denn da? Ist das ein Steinchen?« fragte Elsbeth.

»Nein, ein Zahn!« antwortete ich.

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