Das heilige Verbot

Verbote gibt es wie Sand am Meer. Fahren sie nur mal Auto dann wissen Sie wovon hier die Rede ist. Komisch, dass sich dabei kaum jemand über die Verbotshysterie des Gesetzgebers echauffiert. Das Verbotsgesetz aber ist aktuell in aller Munde, überall diskutieren nun die Menschen das Für und Wieder dieses wie ich meine heiligen Gesetzes. Nehmen wir es doch wie mit der Neutralität, es macht uns aus, es schärft unsere Identität. Es ist unser Erbe aus den beiden Weltkriegen. Ich gebe zu, man denkt automatisch zuerst auch mal befreiend darüber nach, weil es im Widerspruch zur Meinungsfreiheit steht. Was macht uns aber wirklich frei? Die Freiheit eines Christenmenschen, hat Paulus so verstanden, dass gerade die Dinge befreien, die nicht zu ändern sind. So z.b. die Obrigkeit, die gab es immer und wird es immer geben. Die Reife, gewisse Dinge hinzunehmen die nicht änderbar sind, befreit letztlich weil sie uns wieder auf den Weg bringen. Es ist nicht unsere Aufgabe als Christen, die Welt zu retten. Unsere Aufgabe aber ist uns selbst und andere zu retten. Die Welt ist längst verloren und das war sie von Anfang an. Ein Verbot reizt immer. Ich kann mich noch an meine Volksschulzeit erinnern. Wir hatten damals eine durchaus strenge Direktorin, vom alten Schlag – keine böse oder so, aber doch eine gewisse Schreckschraube mit der man nicht unbedingt kuscheln möchte. Natürlich harmlos und durch und durch kinderlieb, so genau kannten wir sie aber alle nicht. Schon in der Volksschule gab es Verbote und irgendwann, ich weiß nicht mehr wann das genau war oder warum, aber irgendwann standen wir mal wieder bei ihr, wegen nichts, wie immer und da paukte sie uns ein, dass das allerhöchste Verbot in Österreich ist, das Hakenkreuz irgendwohin zu schmieren. Sie meinte, wenn wir auch nur ein einziges Hakenkreuz irgendwohin kritzeln und dabei erwischt werden, säßen wir für den Rest unseres Lebens im Gefängnis und würden nie wieder einen Vogel beim singen zuhören können. Natürlich glaubten wir ihr kein Wort und einige Tage später erklomm ihre Rede zur Mutprobe, was sonst? Also schmierten wir Hakenkreuze überallhin, wo es niemand sehen und wir nicht erwischt werden konnten. Natürlich wusste das auch die Direktorin und deswegen bläute sie uns das auch so ein. Trotzdem glaube ich nicht, dass man die Direktorin deswegen der Wiederbetätigung bezichtigen könnte. Der Chefredakteur der Presse, Michael Fleischhacker, vertritt offen wie auch andere Journalisten die Meinung, das Verbotsgesetz gehöre abgeschafft. Meiner Meinung nach hatte er wahrscheinlich eine ähnliche Direktorin, kannte meine Direktorin oder hatte ähnliche Erlebnisse. Ich bin sicher Michael Fleischhacker ist ein gestandener Demokrat und will das Beste für unser Land und seine Leute. Er findet im Verbotsgesetz meine Direktorin wieder, oder seine und das Resultat, dass dadurch überall Hakenkreuze auftauchen. Der Haken an der Sache ist nur der: Die Direktorin wusste eigentlich recht viel über Pädagogik Bescheid. Mehr als ich damals verstand, mehr als ich bis heute verstand. Denn hätte es kein Verbotsgesetz gegeben, hätten uns eventuell ganz andere Geister verführt und es wäre nicht nur beim Hakenkreuz kritzeln geblieben. Der Nationalsozialismus mit all seinem Schrecken ist ein großer Verführer, den manche nicht sehen können, solange es uns gut geht. Was wenn aber am Samstag Abend nicht mehr Thomas Gottschalk, Carmen Nebel oder der Musikantenstadl aufgeigen? Was wenn wir uns am Sonntag keinen Sonntagsbraten mehr leisten können? Wer garantiert uns, dass wir nicht alle genauso verführbar sind wie einst schon unsere „naive“ Großelterngeneration? Helmut Schmidt hat unlängst bei Beckmann ganz klar erklärt, er habe nichts von den Dingen gewusst und bemerkt die damals bereits geschahen, während viele noch an den Sieg im Weltkrieg II glaubten. Ich habe keine Veranlassung an den Worten von Helmut Schmidt zu zweifeln.

















































