Das Wunder von Birmingham

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Zugegeben hatte ich ein Wunder von Birmingham trotz 100. Geburtstag von Mutter Teresa nicht am Zettel. Auch die Redaktion, die als durchaus überdurchschnittlich gläubige Truppe gilt, hoffte und betete, wie alle Rapid Fans und alle die es spätestens seit dem 26. August 2010 sind, was das Zeug hält – hatte damit nicht gerechnet. Trotzdem: Das Wunder ist passiert – Rapid Wien schreibt erneut Fußballgeschichte!

Mutter Teresa sei Dank!

Doch wie erklärt sich dieses Wunder nun? War es nun die Rapidviertelstunde, der gehaltene Elfmeter, die Fans oder wirklich Schützenhilfe von oben? Darüber lässt sich jetzt natürlich nur noch spekulieren. Eines hat sich allerdings wieder einmal bestätigt  – Rapid Wien lebt vom Glauben. Dort wo andere Club Fans nur einen grünen Rasen, zwei Tore, zwei Mannschaften und einen Ball sehen, sieht der wahre Rapid Anhänger einfach mehr. Er sieht gleichzeitig Mutter Teresa, die sich zeitlebens für die Ärmsten der Armen in Kalkutta abmühte, sich als Dank dafür vom Herrn verschmäht erlebte und eventuell dadurch in diese dramatische Glaubenskrise trudelte von der ihre privaten Schriften berichten. Der wahre Rapid Anhänger sieht die wackere Nonne an ihrem 100. Geburtstag auf einer grün-weißen Wolke sitzen, sieht wie sie dem Höchsten eine Retourkutsche erteilt, ihn verschmäht und lieber die Daumen für die tollkühnen Hütteldorfer drückt. Mutter Teresa, die neue Rapid Schutzpatronin?

Die Auslosung für die Europa League brachte für FC Red Bull Salzburg und SK Rapid Wien folgende Gruppen:

Gruppe A:

             
Italy Juventus Turin            
England Manchester City            
Austria FC Red Bull Salzburg            
Poland Lech Posen

 

Gruppe L:

             
Portugal FC Porto            
Turkey Beşiktaş Istanbul          
Bulgaria ZSKA Sofia          
Austria SK Rapid Wien

 

Die Spiele der Gruppenphase beginnen am 16. September mit den Begegnungen:

Salzburg vs. Manchester City (19:00 Uhr) und Porto vs. Rapid Wien (21:05 Uhr) mehr

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Mutter Teresa: 100 Jahre Nächstenliebe

Die Mutter aus Kalkutta hätte heute ihren 100. Geburtstag gefeiert, wenn sie der Herr nicht schon abberufen hätte, aus den Slums. Darum ist sie aktuell auch in aller Welt medial präsent, mit gutem Recht wie ich finde. Denn Mutter Teresa verkörpert nicht nur wie keine andere die Lehre der Nächstenliebe, sondern darüber hinaus transportiert sie auf allerhöchster Ebene die Glaubenswirklichkeiten des Gottgläubigen und im speziellen das christliche Mysterium des Glaubens. Ihr Friedenswerk steht für sich und braucht in Wahrheit keinerlei mediale Lobhudelei. Jeder einzelne Mensch den Mutter Teresa in ihrer Mission der Nächstenliebe ein Stück weit näher zu Gott bringen konnte, wird ihr den Dank zurückgeben, auf den sie Wert legt. Ob es nun von oberster Stelle Undank war oder eine andere Erklärung Fuß greifen wird, für die rätselhafte Glaubensambivalenz in der sich Mutter Teresa befand, die durch ihre zum zehnten Todestag veröffentlichen privaten Schriften der Welt offenbart wurde, wird sich hoffentlich in Zukunft durch sorgfältige theologische Diskurse weisen. Eines steht jedenfalls bereits fest: Niemand gibt auf so dramatische und eindringliche Weise Einsichten in die rätselhafte Glaubensambivalenz gelebter christlicher Mission wie eben Mutter Teresa. Wahrscheinlich sollte der Welt durch diese einfache Frau offenbart werden, in welcher Weise Licht und Schatten im christlichen Glauben zusammenwirken.

Diese unfassbare Schattenwelt des Glaubens in die sich Mutter Teresa bewusst begeben hat und die sie kampfesmutig bis zum Grund erforscht hat, macht sie für mich zur größten Mystikerin die je auf Erden gelebt hat und zu einer echten Jedi. Wenn ich die Befugnis und das entsprechende Mandat hätte, würde ich sie posthum zur Jedi Meisterin und somit zur Jedi-Ritterin schlagen. Ja ich gehe sogar soweit, dass gerade diese innere Welt, ihre private seelische Wirklichkeit das eigentliche Vermächtnis an die Welt ist, oder zumindest in Summe mit ihrem manifesten Friedenswerk und ihrer Mission, erst einen echten Sinn ergibt.

Doch wie ist diese innere Dunkelheit, Gottesferne und Höllenqualen von denen Mutter Teresa in ihren Schriften berichtet zu verstehen, wenn man ihre Leistung dem gegenüberstellt. Bei allen publizierten Meinungen, die von Burnout, über Glaubensverlust, dunkle Nacht der Seele berichten und sogar manche Kreise, abseits des theologischen Diskurses (v.a. der politischen Mitstreiter), vom heiligen Atheismus (es braucht keinen Gott um Gutes zu tun), Nietzsches Triumph (Gott ist wirklich tot) und der ersten sozialistischen Heiligen berichten, bleibt die einfachste Sicht wieder einmal auf der Strecke wie ich finde. Zugegeben ist die Interpretation, dass sie ihr Ziel zu hoch steckte in dem sie Armut und Elend abschaffen wollte, sich darin scheitern sah und als Folge mit einem begleitenden Burnout den Glauben verlor, nicht unpraktisch. Auch die moderne Psychiatrie hat eine sehr taugliche Antwort parat. Da wird berichtet, dass Mutter Teresa eine spezielle Auffassung von Liebe präferierte: Liebe muss weh tun. Demnach brauchte sie den tiefen Fall in eine dunkle, peinvolle Hölle um dem Licht, dass sie in der Welt anzündete eine Richtung zu geben.

Ich vermute aber eine gänzlich andere Dimension, die uns viel tiefer noch in die christliche Mystik führt. Jeder Bergsteiger weiß, je höher man auf den Berg steigt, desto dünner wird die Luft. Mutter Teresa erzählte einmal von einem Traum, der sie zur Himmelstüre und vor den Petrus führte. Dieser aber gewährte ihr keinen Einlass mit der Begründung, im Himmel gäbe es keine Slums. Mutter Teresa erzählte weiter wie sie Rache am heiligen Petrus nahm und ihm 50.000 Slumbewohner schickte. Dieser erzählte Traum ist des Rätsels Lösung. Mutter Teresa hegte höchst wahrscheinlich den geheimen Plan, den Himmel schon auf Erden zu errichten – mit der Botschaft des Kreuzes, eventuell nicht in einem Leben aber mit der ersten wichtigen Weichenstellung: Abschaffung von Armut, Krankheit und Elend. Von diesem geheimen Plan wusste die Welt aber nichts und eventuell nur sie selbst in den hellsten Momenten, trotzdem war er vorhanden. Jesus aber kannte ihre geheimsten Wünsche und Ideen und sah sich natürlich plötzlich mit einer Konkurrenzsituation konfrontiert. Denn wenn es dieser “verrückten” Nonne mit ihrem unermüdlichen Einsatz wirklich gelungen wäre ihren Geheimplan (den u.a. auch John Lennon in einer anderen, weniger geheimen Art pflegte) zu realisieren, wäre sie sehr wahrscheinlich plötzlich on the TOP und die neue Nummer Eins und statt Kreuzen, ständen jetzt sicherlich überall Mutter Teresa Statuen herum. Aus Freundschaft bzw. Liebe (wie sie ja zeitlebens ihre Beziehung zu Jesus definierte) wurde also Konkurrenz und die selbstlose Nonne zahlte einen hohen Preis dafür. Zeitlebens verweigerte sich ihr nun der Höchste und auch John Lennon konnte ihr nicht helfen, der wurde erschossen von einem Verrückten.

Indien, Sommer 1959. Im Zug nach Kalkutta schreibt Mutter Teresa in ihr Notizbuch: »Wofür arbeite ich? Wenn es keinen Gott gibt – kann es auch keine Seele geben. – Wenn es keine Seele gibt, dann, Jesus – bist auch Du nicht wahr. – Der Himmel, welche Leere.« mehr

p.s.: Um etwaigen Spekulationen vorzubeugen, hat die Redaktion einstimmig beschlossen, daß Captain Podcast bis spätestens 5. September eine ernsthafte Alternative zur oben gemutmaßten Antwort auf die rätselhafte Glaubensambivalenz veröffentlicht.

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Zurück auf der Langstrecke

 

Niemand unterschätze die Einsamkeit des Langstreckenläufers. Deswegen sollte man sich etwas einfallen lassen, damit das Laufen auf der Langstrecke nicht zum erschießen fad wird. Drei Dinge sind hernach der beste Freund des Menschen:

Der Hund (obwohl in Fachkreisen immer noch kontrovers diskutiert wird, ob ein Hund ein Ding ist), das Buch und der gute alte Walkman.

Ein Hund ist mir zu kostspielig und ein Buch zu lesen während des Laufens ist mir zu gefährlich – wer weiß wo man da am Ende des Tages landet. Bleibt also nur noch der Walkman, denn was dem einem seine Schmetterlingssammlung ist, ist dem anderen seine Musiksammlung. Und die ist in den Jahren doch ziemlich umfangreich geworden: Magnetbänder, Vinyl, CDs, DVDs und einen Arsch voll Mp3s – alles zusammengerechnet wäre ein Hund wahrscheinlich günstiger gekommen, denn auch die Bücher stapeln sich mittlerweile in allen Räumen bis an die Decke.

Trotzdem bin ich nach wie vor und darüber hinaus kein Freund der Bellerei, der ich auch nach intensiver audiologischer Erforschung immer noch keinen melodiösen Charakter abgewinnen kann.

Also Walkman – früher sahen die Dinger so oder so ähnlich aus:

Heute bieten kleine radiergummigroße Walkmans bereits das gesamte Spektrum einer HiFi Anlage. Optimal um damit auf die Langstrecke zu gehen. Im Fachhandel hab ich deswegen nun den oben abgebildeten Sony NWZ-B152F käuflich erworben und bereits im Echttest, im Rahmen eines Langstreckenlaufs erforscht.

Fazit: Der beste Walkman ist nur tönendes Erz und/oder eine klingende Schelle, wenn nicht die beste Musik heraus sprudelt. Umgekehrt betrachtet kann man aber auch sagen, aus meinen Erfahrungen mit einem No-Name Walkman: Die beste Musik ist nur eine lärmende Pauke, mit dem falschen Walkman. Man muss sich also schon anstrengen um auf der Langstrecke zu bestehen und von nichts kommt nichts. Deswegen also, hier für Euch, ganz exklusiv eine kleine Vorstellrunde von optimalen Langstreckenlaufliedern (siehe youtube) – denn wie es schon Wolfgang Amadeus Mozart so trefflich formulierte:

„Das Notwendigste und das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo.”

 

Darüber hinaus und nichtsdestotrotz feiert dieser Blog: Football, the World Peace and Everything heute sein 3-jähriges Bestehen. Hoffentlich bleiben die paar wenigen LeserInnen auch in Zukunft am Ball. 8-O

 

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Elf Bikinis sollt ihr sein


Der Bikini Contest 2010 von heute.at hat mit der vierten Woche nun endlich die ersehnte heiße Phase erreicht. Nur noch sechs Tage bis zum Einsendeschluss am 16. August und über 400 Fotos stehen dem geschulten Auge zur Begutachtung. Der Siegerin winken 5.000 € und insgesamt gibt es Preise im Wert von 10.000 € zu gewinnen. Die Redaktion hat selbstredend keine Kosten & Mühen gescheut und ein Redaktions-Ranking zusammengestellt. Wir präsentieren hiermit unsere 11 Favoritinnen, ausgewählt nach strengen internationalen Standards – absolut objektiv, wissenschaftlich verifiziert und 111% unabhängig. Natürlich wird dem einem oder anderem seine Favoritin in unserer Auswahl fehlen, aber wie immer liegt die Schönheit im Auge des Betrachters und in unserem Fall eben in strengen wissenschaftlichen Körpermaßindizes, Haardichteindizes und Gesichtssymmetrieindizes. Alles zusammen ergibt sich daraus ein durchaus rundes Bild und natürlich laufen bereits Redaktionsintern hochdotierte Wetten auf die eine oder andere Kandidatin.

Unsere elf Bikinis von oben links nach unten rechts: Katarina Jaszayova, Manuela Stöberl, Jaqueline Arnoth, Christa Kocyjan, Kaplun Olesya, Kateryna, Bernadette Chmelar, Lisa Heiderer, Martina Schreiner, Veronika Marchhart, Daniela Fischer.

(Bild: © die oben genannten)

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Man on Wire

(Photo: © Copyright Jean-Louis Blondeau, Polaris Images – The New York Sun)

 

“There´s no Why.” antwortete Philippe Petit am 7. August 1974 bei seiner Verhaftung auf die Frage, warum er das getan hat. Insgesamt acht Mal balancierte er an diesem Tag in einer Höhe von 417 Metern über dem Boden auf einem 1 Zoll starken Drahtseil von einem Dach des World Trade Centers zum anderen. Die Aktion nahm sechs Jahre Vorbereitungszeit in Anspruch. Die Idee kam Petit, als er im Wartezimmer seines Zahnarztes einen Artikel über die New Yorker Zwillingstürme las, die sich zu diesem Zeitpunkt noch in der ersten Bauphase befanden. Sechs Jahre lang sammelte er alle Informationen, die er über die Türme erhalten konnte. Unter dem Vorwand, Journalist zu sein, interviewte er den Bauleiter Guy F. Tozzoli. Am Vorabend seines Drahseilakts verschafften sich er und eine Gruppe Helfer Zugang zu den Gebäuden. Ihre Ausrüstung enthielt unter anderem eine Balancierstange, Schnüre, Werkzeug, ein 75 Meter langes Stahlseil sowie Pfeil und Bogen. Um das schwere Stahlseil zwischen die Gebäude zu spannen, schoss ein Freund von Petit zunächst eine Angelschnur mittels Pfeil auf das gegenüberliegende Gebäude. Nach und nach wurden immer stärkere Schnüre und zuletzt das Stahlseil auf das andere Gebäudedach gezogen. Am 7. August 1974, kurz nach 7.00 Uhr morgens, begann Petit seinen 45-minütigen Drahtseilakt. Tausende von Menschen im Finanzbezirk, viele davon auf dem Weg in ihre Büros, blieben stehen und verfolgten das außergewöhnliche Schauspiel, das sich einen fast halben Kilometer über ihren Köpfen abspielte. Nach der Aktion wurde Philippe Petit festgenommen und vor Gericht gestellt. Aufgrund der ausführlichen Berichterstattung und der weltweiten Anerkennung seiner Leistung wurden sämtliche Anklagepunkte fallen gelassen. Die Port Authority of New York and New Jersey als Eigentümerin des World Trade Centers befragte Petit eingehend, wie es ihm gelungen sei, die Sicherheitsvorkehrungen zu umgehen. Als Dank bekam er später eine Dauerkarte für die Aussichtsplattform des World Trade Centers überreicht.

Der Dokumentarfilm Man on Wire (2008, UK) von James Marsh basiert auf dem Buch Über mir der offene Himmel von Philippe Petit und erzählt von dessen Durchführung. Der Titel des Films wurde dem Polizeibericht entnommen, der zur anschließenden Verhaftung von Petit angefertigt wurde. Der Film wurde im Stile eines Heist-Movies produziert und präsentiert seltenes Filmmaterial der Vorbereitungen des Ereignisses, Fotos des Drahtseillaufs, Szenen aus dem Leben des jungen Petit und aktuelle Interviews mit den Beteiligten. Der Film gewann eine Vielzahl von Preisen, unter anderen den Oscar 2009 als bester Dokumentarfilm, den Großen Preis der Jury des Sundance Film Festival 2008, den British Academy Film Award (BAFTA) und den Independent Spirit Award.

Der Film wurde am 13. September 2009 in ORF2 und am 13. Juli 2010 im Ersten Deutschen Fernsehen ausgestrahlt.

Bewertung: * * * * * * *

 

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Prag in Bildern











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Prag: Bier, Jazz und Becherovka









Auf den Spuren des Unfassbaren…(demnächst mehr)

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Wiener Nächte: Im Fegefeuer der Nostalgie




Dem Wiener wird seit jeher nachgesagt, er sei verschlagen und a bissl falsch, was in ungefähr das Gleiche ausmacht und uns aber bei genauer Betrachtung ein Klischee offeriert. Nein, der echte Wiener ist weder verschlagen, noch falsch, nur a bissl wehleidig, nostalgisch und durch und durch uneitel. Die Wiener Nächte sind ebenso und in diesem spanischen Sommer endlich auch wieder heiß, den es sind die heißen Nächte die Wien ausmachen. So findet sich nun was sich finden soll und die Redaktion befand es sei wieder Zeit für Cinemascope. Kino unter Sternen gilt in Wien nun schon seit vielen Jahren als Magnet für Cineasten, ist längst zur Institution geworden und wurde mit den Jahren vielerorts erfolgreich kopiert, man erinnere sich nur an Plätze wie die Trabrennbahn Krieau – wunderbar. Auch der Standort konnte nicht besser gewählt sein, im Augarten direkt vor dem alten Flagturm stand einst, d.h. im Sommer 2007 zum letzten Mal, die großzügige Leinwand und das Publikum konnte ungestört auf einer genialen Holztribüne das Abenteuer Open Air Kino genießen. Karten musste man rechtzeitig reservieren, telefonisch oder via Internet, alles kein Problem – alles lief ganz normal wie bei jedem anderen Kino nur die Auswahl der Filme war immer Spitzenklasse, nur die besten der Besten, ewige Klassiker und der eine oder andere Experimentalfilm schafften es ins Programm. Zugegeben, man griff auch mal daneben und brachte ungemütliches wie etwa einen R.W. Fassbinder, aber sei´s drum – solche kleinen Patzer & Hoppalas verzieh man gerne und mit der Kinosonne im Herzen ungschaut. Umso mehr da vor dem Open Air Kino stets ein reichhaltiges Angebot an kulinarischen Leckerbissen dargeboten wurde, dass man an Tagen an dem das Wetter mal wieder zum Heldenzeugen war zu glauben meinte, ein Urlaub in die Ferne sei nur schaler Müßiggang vor dem Herrn.

Doch wie es eben so ist, wahrscheinlich nicht nur in Wien – auch andernorts, werden Dinge die eine einzigartige Qualität und Seele verströmen irgendwann einfach abgedreht. Nur so, weil´s eben schon zu lange zu schön war um wahr zu sein, das ist dann meistens auch der Moment wenn irgendein pseudowichtiger Wicht aus dem Kulturressort und/oder aus dem Dunstkreis der Unkultur eine zu lange Zeit schon unter Verstopfung leidet, schlecht schläft und dann von heute auf morgen entscheidet, die Wiener solln´s büssen. Also wurde 2008 Kino unter Sternen im Augarten beendet und zum Karlsplatz verlegt. Wir haben uns die Szenerie oder das was von Kino unter Sternen übrig blieb, in den letzten Tagen im Rahmen zweier Filme angesehen und mussten feststellen, Kino unter Sternen ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Die Kinoleinwand ist um die Hälfte kleiner, dem Publikum werden nur ein paar Sesselreihen aufgestellt und die kulinarische Verpflegung ist nicht mal der Rede wert. Dafür ist alles gratis und offen, Alkohol bekommt man reichlich auch während der Filmvorführung, der Ton ist so leise, dass man wenn man nicht schon am Nachmittag einen gratis Sessel mit Handtuch reserviert auf den hinteren Stehplätzen kein Wort versteht, besonders dann nicht, wenn sich die Feinde der Filmkunst während der Gratis Filmvorführung einen Cocktail im Mixer mixen lassen. Zusätzlich erheitern die anrainernden Junkies die Szene, die voll wie eine Strandhaubitze irgendwo unterm normalen Volk stehen und meinen sie müssten den Film lautstark kommentieren.

Traurige Bilanz dieser gratis Public Viewing Geschichte ist und bleibt die alte Weisheit, wer billig Kino schaut, zahlt teuer sein Bier. Nicht mal gut gemeint und schlecht gemacht kann hier noch angewendet werden, weil der schlagende Indizbeweis einer guten Absicht völlig fehlt. Was bleibt ist ein schaler Nachgeschmack und die Erkenntnis, dass die Wien Wahl viel zu früh begonnen hat. Was bleibt ist die Erinnerung an goldene, glanzvolle Kino unter Sterne Sommer im Augarten und die heimliche Hoffnung, dass im nächsten Jahr vielleicht schon wieder alles beim alten ist. Was für Fußball gut ist muss für Film nicht richtig sein. Ein tolles Fußballmatch kann großes Kino sein, aber Großes Kino ist deswegen noch kein Fußballmatch und bedarf eben einer artgerechten Vorführung. Was also bleibt in diesem spanischen Sommer über, als das gute alte Kopfkino und die unbeirrte Weisheit des unsterblichen Groucho Marx:

“Abgesehen von einem Hund ist das Buch der beste Freund des Menschen.
In einem Hund ist es zu dunkel zum Lesen.”

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Das war Südafrika 2010

Ein spanischer Sommer

Die 19. Fußballweltmeisterschaft ist Geschichte und Spanien als neuer und erstmaliger Weltmeister rückt auf in den heiligen Olymp der großen Fußballnationen. Es war kein Grande Finale das wir gesehen haben, vielmehr eine strategische Verprügelung des Europameisters durch die Niederländer in der ersten Halbzeit, die eigentlich mit nur mehr 9 Mann hätten spielen dürfen, wenn der Unparteiische richtig gesehen und richtig gepfiffen hätte. Die Rolle der Schiedsrichter war auch schlichtweg das Thema dieser Weltmeisterschaft (neben Oktopus Orakel Paul) und vieles wird nun neu zu überdenken und kontrovers zu diskutiert sein – auch das ist Fußball. Es sind ja die alten Herren der FIFA auch nicht ganz unbeteiligt und unbedarft zu ihren machtvollen Positionen gekommen und da wir sonst im Alltag ja geradezu täglich zu neuen Technologien geprügelt werden, so ist es doch erstens eine urige, kulturelle Oase wenn das größte Friedensprojekt des Planeten vor Technologisierung verschont bleibt und zweitens bei genauerer Betrachtung und wenn wir die Dinge zu Ende denken, ein schlagendes Argument, dass Fußball überall auf diesem Planeten unter gleichen Bedingungen stattfinden soll. Diese Gleichheit der Chancen, die sowieso nie Hundertprozentig realisierbar ist, würde durch einen Schritt in Richtung Hochtechnologie, die wiederum auch noch nicht so ausgereift ist um eine Fehlerlosigkeit zu garantieren, umso mehr Gefahr laufen in Schieflage zu geraten.

Statistisch sind weniger Tore gefallen als bei der letzten WM, im Schnitt 2,4531 und insgesamt 157. Es gab 245 gelbe Karten, 8 rotgelbe und 9 rote Karten, zweimal Elfmeterschießen, und wie Herbert Prohaska bilanzierte, fehlten die ganz großen Spiele. Dem kann ich mich nicht ganz anschließen, Uruguay vs. Niederlande (2:3), Deutschland vs. England (4:1) und nicht zu vergessen Portugal vs. Nordkorea (7:0) waren meiner Meinung nach drei ganz großen Spiele. Deutschland zeigte den schönsten Fußball, Spanien spielte den effizientesten Fußball. Andrés Iniesta und Bastian Schweinsteiger waren meiner Meinung nach die zwei Topspieler dieser WM und in Sachen goldener Schuh hat Herbert Prohaska die Situation korrekt beurteilt, ganz richtig hätte natürlich viermal der Goldene Schuh vergeben werden müssen und die FIFA schreibt sich mit dieser knausrigen Lösung sicherlich kein Ruhmesblatt. Ob da nicht auch schon ein wenig Altersgeiz der FIFA Herrn mit reinspielt, aber sei´s drum – spätestens seit Sonntag erlebt Europa einen spanischen Sommer und so kann man eigentlich nur noch schattige Plätze aufsuchen, kühle Getränke genießen und nachdem nun nach Europa die ganze Welt spanisch tickt, wird eine spanische Urlaubslektüre selbstredend zur unbedingten Pflichtlektüre.

Was kann es also in einem spanischen Sommer Besseres geben als den alten Cervantes, der uns aus einer Zeit des aufgehenden 17. Jahrhundert erzählt. Eine lodernde Flamme und ein helles Licht ist die Geschichte des irrenden Ritter und seines Stallmeisters, die uns in den heute so schrecklich dekadenten Zeiten den Weg zurück leuchtet, in eine Welt mit Werten und Idealen. Vielleicht verlockt uns gerade dieser Sommer, wo die ganze Welt zusehen muss wie ein Meer verendet und anscheinend niemand etwas dagegen tun kann, das „größte Wort des menschlichen Gedankens“ wie Dostojewski es einst sagte zu lesen, um neue Sichtweisen, neuen Perspektiven über Fortschritt und Technologie zu gewinnen. Es brauchte Millionen Jahre damit Erdöl entsteht und die Welt in ihrer unfassbaren Abhängigkeit vom Erdöl verfeuert diese begrenzte Ressource, die Droge Erdöl in knapp zwei Jahrhunderten, die als das Erdölzeitalter in die Geschichte eingehen wird. Doch was kommt danach, was kommt nach dem Erdöl? Eines ist sicher, es gibt nicht so viel Platz auf Erden, als wir den Planeten mit Windrädern zupflastern könnten um einen Bruchteil der Energie zu erhalten die wir heute verfeuern. Und noch ein zweites ist sicher: auch wenn wir auf jedes Dach ein Windrad setzen, es gibt nicht soviel Wind wie wir verbrauchen. Wir müssen uns vom Schwachsinn befreien, denn es macht einfach keinen Sinn einen Joghurtbecher aus Erdöl zu erzeugen, ihn mit Erdöl um die halbe Welt zu transportieren um ihn irgendwo billig anzufüllen, ihn noch mal mit Erdöl um die halbe Welt zu transportieren um ihn zu bekleben und zu bemalen und ihn noch ein drittes Mal mit Erdöl um die halbe Welt zu transportieren um ihn mit Erdöl zu verpacken und zu vermarkten. Das alles macht keinen Sinn und wir müssen endlich begreifen, dass wir die Globalisierung nicht nur beenden müssen, sondern wir die Konsumenten der westlichen Wohlstandsdemokratien das auch können. Die Globalisierung ist keine Donquichotterie, sie ist das Gegenteil und gehört beendet. 

In diesem Sinne, einen schönen Sommer &

Gute Nacht!

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Viva España! Spanien ist Weltmeister!

(Photo: © Pedro Ugarte – AFP)

(Photo: © Peter Klaunzer – DPA)

(Photo: © Rafa Rivas – AFP)

(Photo: © Rafa Rivas – AFP)

(Photo: © Eloy Alonso – Reuters)

(Photo: © Miguel Riopa – AFP)



(Photos: © AP)

(Photo: © Gabriel Bouys – AFP)

(Photo: © Robert Schlesinger – DPA)

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Oktopus´s Wahrheit: Spanien im Finale

Paul hatte also recht, Oktopus Orakel Paul lag erneut richtig mit seinem Tipp und Deutschlands WM Traum zerplatzte in einem unachtsamen Moment in der 73. Minute durch eine Standardsituation, Eckball – Kopfball  Carles PUYOL und Tor. Spanien gewinnt 0:1 gegen die bisher als Kampfmaschine spielenden Deutschen, die gegen die Iberer einfach kein Rezept fanden. Sicher werden jetzt einige meinen, der Paul ist schuld, er hat es verschrien und sicherlich werden jetzt einige fordern, der Paul gehört in die Pfanne. Mit dieser Orakelprophezeiung im Nacken und ohne den gesperrten Thomas Müller, hatten die Deutschen wahrscheinlich wirklich so eine Art Handicap. Man könnte aber auch sagen, Spanien spielte einfach besser und gewinnt vor allem durch seine fulminante Zweikampfstärke und guten Spielaufbau aus dem Mittelfeld. Sie haben wieder zurückgefunden zur Ballrotation, besonders in der ersten Halbzeit spielten sie die Deutschen förmlich an die Wand und hatten Torchance um Torchance, dass einem schon Angst und Bange wurde, getreu dem Merksatz: Die Tore die man nicht schießt bekommt man. Die globale Nervosität steigerte sich ins Unerträgliche und die Welt zitterte schon dem Moment entgegen, wo Deutschland das Leder in nur einem einzigen glücklichen Moment ins spanische Tor netzt. Doch diesmal lief alles anders. Der Fußballgott wachte eisern im 16er der Spanier und ließ kein Spielglück der Deutschen zu. Spanien steht verdient zum ersten Mal in einem WM Endspiel und somit pfeift in drei Tagen ein neuer Wind vom Weltmeisterthron. Denn egal wer gewinnt, es wird ein neuer & erstmaliger Weltmeister in Südafrika gekrönt, am 11. Juli 2010 in Johannesburg Soccer City.

Wir haben uns das Match im Prater, auf der Kaiserwiese unterm Riesenrad angesehen. Die Kulisse hätte nicht besser sein können. Dicht hinter der LED Leinwand stand monumental ein gigantischer silberner Riese aus Stahl. Beschaulich drehte er seine Runden und lächelte amüsiert auf die vor ihm ausgebreitete Szenerie hinunter. Tausende Menschen hatten sich versammelt und jubelten für Spanien, dem Europameister von Wien. Nach dem Schlusspfiff war eine kollektive Ahnung spürbar, vielleicht durch den Stahlriesen, vielleicht wegen dem zerplatzen deutschen Pokaltraum, vielleicht war´s auch der Fußballgott, ich weiß es nicht, sicher ist nur eines: Fußball hat eine neue Dimension erreicht. Seit Österreich vor zwei Jahren sein EM Debüt gab, ist in diesem Land nichts mehr wie es vorher war. Man kann natürlich mutmaßen, der Eventcharakter lässt das Leder glänzen, man kann natürlich mutmaßen, das Bier schäumt die Begeisterung für 90 Minuten zur Krone und man kann natürlich mutmaßen, das alles nur eine Frage des Wetters ist und das hat sich gestern von seiner besten Seite gezeigt: Kaiserwetter auf der Kaiserwiese. Aber oft fragt man sich trotz all dieser nüchternen Abwägungen, ob es nicht mehr ist als nur ein kollektives Erlebnis, ein Rausch der Masse – ist Fußball nicht auch ein wenig eine Metapher für unser modernes zivilisatorisches Leben geworden, ein Gleichnis für unsere Zeit. Gewinner auf der einen Seite produzieren Verlierer auf der anderen Seite. Jubel auf der einen Seite schafft Trauer auf der anderen Seite. Jede Mannschaft hat seinen eigenen ungebeugten Grund Weltmeister zu werden und egal wer es am Ende wird, die Geschichte wird ihm immer Recht geben.

Auf Deutschland wartet nun wie auch schon 2006 das kleine Finale. Aber ist nicht auch das kleine Finale in Wahrheit schon das große Glück? Ist nicht auch ein letzter Einsatz für einen dritten Platz die Sache wert? Für Österreich ist es beinahe schon zum fernen, realitätsfremden, utopischen Ziel geworden, nur einmal wieder bei einer WM Endrunde teilnehmen zu dürfen und sei es nur für bescheidene drei Spiele in der Gruppenphase, aber diese drei Spiele wären für Österreich schon die ganze Welt. Unser Land würde sich erneut in eine Märchenlandschaft verwandeln und die Menschen wären von einer patriotischen Begeisterung im Herzen ergriffen, die alltäglichen Mühen wären vergessen, die Menschen würden wieder zusammenarbeiten, anstatt sich gegenseitig zu blockieren. Fußball schärft dem Teamgeist und wenn´s im Fußball auf Dauer nicht klappt, wie soll sich ein Land dann finden können? So gesehen hat Deutschland erneut der ganzen Welt gezeigt, wie gut Fußball in Deutschland funktioniert. So gut, dass auch viele Österreicher, die sonst mentalitätsbedingt über den großen Bruder schimpfen, sich plötzlich als Deutsche, als ein Volk fühlen. Doch das ist meiner Meinung nach irritierend, da ist meiner Meinung nach schon Gefahr in Verzug, denn Österreich sollte v.a. von kleinen Ländern, die großen Fußball spielen lernen. Das macht Sinn, wenn wir endlich aufwachen aus dieser funktionalen Strukturblockadenresignation. Dieses Aufwachen aber, bedingt ein Voranlaufendes Wollen. Dieses fehlende Wollen, so interpretiere ich jedenfalls ORF Fußballexperten Herbert Prohaska wenn er seinen ironischen Gute Nacht! Sager nach jedem Match zum Besten gibt, ist der eigentliche Pferdefuß im österreichischen Fußball und jeder österreichische Fußballfan möchte bald den Tag erleben, an dem wir aufwachen, aufstehen und endlich wieder sagen können:

Guten Morgen Österreich!

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